Das Narzissenhaus

Die Narzisse steht als Blume für den Narzissmus. Zu narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen und den toxischen Folgen für das Umfeld, habe ich bereits einige Artikel veröffentlicht. In diesem Beitrag widme ich mich einer typischen Folge des narzisstischen Missbrauchs, der Dissoziation.

Siehe dazu auch meine Beiträge:

Kinder, die in einem narzisstischen Familiensystem aufgewachsen sind, haben im Erwachsenenalter das Problem nicht fühlen zu können, ihren Gefühlen nicht zu vertrauen, ihrer Wahrnehmung nicht zu glauben. Immer wieder höre ich von meinen Klientinnen die Frage: „War das vielleicht gar nicht so schlimm was ich da erlebt habe?“

Die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung vom narzisstischen Missbrauch rühren daher, dass den Kindern ihre eigenen Bedürfnisse systematisch abtrainiert wurden. Was sie selbst fühlen oder wahrnehmen ist falsch, wenn es nicht der Intention der narzisstischen Mutter entspricht. Kinder bekommen ganz deutlich gesagt: „das stimmt nicht, was du sagst, fühlst“. Sie werden emotional missbraucht, indem konformes Verhalten belohnt, Abweichungen in Meinung und Erwartung bestraft werden. Dies geschieht oft mit Liebesentzug.

Eine Klientin berichtete: „Selbst in sehr jungen Kinderjahren hat mich meine Mutter mit Ignoranz bestraft. Auch wenn ich gar nichts getan hatte, bin ich dann weinend hinter ihr her und flehte: „ich bin jetzt wieder lieb, Mama“.

Liebesentzug fühlt sich für Kinder lebensbedrohlich an, denn sie sind von den Eltern abhängig, je jünger desto mehr. Ihnen fehlt eine resonante Reaktion auf ihre Gefühle. Weint ein Kind, wird ihm gesagt „reiß dich zusammen“. Auch diese Sätze höre ich in unterschiedlicher Pointierung immer wieder von Betroffenen. „Stell dich nicht so an“, „das ist doch nicht schlimm“. Im schlimmsten Fall kommt es auch zu tätlichen Übergriffen.

Eine Klientin berichtete: „Wenn meine Mutter was erreichen wollte, und ich machte nicht was sie wollte, hat sie mich angeschrien. Ich versuchte dann meine Tränen zu unterdrücken, was mir aber nicht immer gelang. Wenn ich weinte, schrie sie noch lauter: hör auf zu heulen. Hörte ich nicht auf, schlug sie mich. Solange bis ich still war.“

Eine der schweren Folgen narzisstischen Missbrauchs für Betroffene ist die Dissoziation. Um in diesem toxischen System zu überleben, dissoziieren sich Betroffene von ihren Gefühlen. Sie werden innerlich taub. Dissoziation ist ein Bewältigungsmechanismus der Psyche, um traumatische Erlebnisse, unlösbare oder unerträgliche Konflikte aufzuhalten.

Siehe dazu auch Wenn der Körper sich abschaltet – Guillain Barre Syndrom

Ein typisches Symptom der Dissoziation ist die Amnesie. Die  Abspaltung führt dazu, dass Betroffene sich an wichtige Lebensereignisse nicht erinnern können. Die Erinnerung ist wie im Nebel versunken. Auch kommt es häufig zu Taubheitsgefühlen auch auf der Körperebene. Ebenso kann der Seh- und Höhrsinn betroffen sein. Betroffene können ihre Bedürfnisse nicht wahrnehmen. Dadurch geht ihnen auch das Gefühl für die eigenen Grenzen verloren. Ein erster Schritt zur Heilung besteht darin, dass Betroffene lernen, wieder ihren Gefühlen zu vertrauen.

Literatur

McBride, Karyl (2017),  Werde ich jemals genug sein?“ Töchter narzisstischer Mütter, Probst Verlag

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824