Lebenswegschreiben

 

Ich erinnere mich heute noch an das Kennzeichen unseres ersten Autos, ein leuchtorangefarbener  VW Käfer. HH XD 22. Seit meiner Kindheit kann ich die Telefonnummer meiner lange verstorbenen Großmutter auswendig, ebenso die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Auch die Zahlenkombination zum Anruf  meiner berufstätigen Mutter, sage ich viele Jahrzehnte später noch im Schlaf auf. Und das, obwohl ich bis heute wirklich Angst vor Zahlen habe. Ich war ein Schlüsselkind und Telefonnummern daher überlebenswichtig.

Kreatives Lebenswegschreiben

In unserem Kurs kreatives Lebenswegschreiben wollen wir intuitiv-spielerisch wichtige Erinnerungen ausfindig und durch autobiografischer Skizzen, Texte und autobiografische Poesie sichtbar machen. Wir begegnen dem Schreiben spielerisch, skizzenhaft, so wie auch die Erinnerung selbst keine klar gezeichnete Form hat. Jeder von uns trägt ein Puzzle-Werk der Lebenserinnerungen in sich. Einige Episoden erscheinen bunt und lebendig, andere grau und dunkel. Stepehn King beschreibt das in seiner Autobiografie so: „Meine Jugend ähnelt eher einer vernebelten Landschaft, in der gelegentlich Erinnerungen wie vereinzelte Bäume auftauchen, diese Art von Bäumen, die aussehen, als wollten sie einen packen und fressen. […]. Es gibt nichts Durchgängiges, nur Schnappschüsse, viele davon unscharf.“[1] Wir stöbern in unserem inneren Haus nach Geschichten, Anekdoten und Lebensthemen. Wir erwecken und wiederbeleben Wendepunkte und Blitzlichter, scheuen uns aber auch nicht vor Krisen und Beichten. Mal schreiben wir nah an der Realität entlang, mal in Märchenform, wir mixen Buchstabensuppe und  nutzen Wort-Collagen. Auch die Form des Art Journaling als visuell-kreatives Tagebuch beziehen wir mit ein.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wir arbeiten zur Unterstützung des kreativen Schreibens auch mit Pinsel und Farbe, Fotos, Collagen, Musik u.v.m.

www.kulturhaus-suederelbe.de

Ulrike Hinrichs, intermediale Kunsttherapeutin (Master of Arts), Autorin, Seminarleiterin für biografisches Schreiben

Literatur:  [1] Stephen King (2000, S. 19/20). Das Leben und das Schreiben, Heyne

Mein neues Buch: Kunst als Sprache der Intuition, Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen, Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824

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Frühjahr 2020: ab 2. Februar immer Mittwoch 15.00 bis 17.00 Uhr im Kulturhaus Süderelbe