TraumAtelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Das Wissen ist nicht im Gehhirn, sondern das Hirn im Wissen.

Dr. Hans Hein

 

Traumatelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Die klassische Traumdeutung geht zurück auf C. G. Jung, der Träume als ein Phänomen des „vorbewussten Wissens“ beschreibt, das dem kollektiven Unbewussten entspringt. Das kollektive Unbewusste sei eine Zusammenfassung aller Erfahrungen unserer Vorfahren, zu denen wir von Geburt an Zugang haben. Die Idee eines erweiterten, kollektiven Bewusstseins prägt heute auch den holografischen Ansatz, der sich in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen durchsetzt.

Das holografische Weltbild überschreitet die Grenzen der dreidimensionalen Realität, der Materie, in den virtuellen universellen Raum. Jedes System ist danach ein Holon, Teil eines größeren Ganzen, das gleichzeitig das Ganze repräsentiert. Auch der Mensch ist als ein Bestandteil und Spiegel des gesamten Universums, eines Mikrokosmos im Makrokosmos, zu verstehen. Mit der Annahme einer holografischen Sichtweise einher geht die Idee, dass die Verarbeitung und Speicherung von Erfahrungen im Gehirn des Menschen nach Prinzipien der Holografie erfolgt, so wie auch bei einem Hologramm Bilder als Frequenzmuster gespeichert werden. Der deutsche Astrophysiker von Ludwiger konstatiert, dass das Gehirn weder das Bewusstsein vorbringe, noch sich das Bewusstsein auf die somatische Struktur des Hirns setze.[1] Bewusstsein und damit auch Wissen liegen außerhalb des Gehirns, wie auch der Biologe Krall[2] feststellt. Der Physiker und Heisenberg-Schüler Heim definiert in seiner einheitlichen zwölf-dimensionalen Quantenfeldtheorie Bewusstsein sogar als eine Dimension des Universums.[3] Er beschreibt einen universellen Hyperraum, mit dem der Mensch über seine DNS verbunden ist. Im Hyperraum sei das Langzeitgedächtnis abgespeichert. Auch das Gehirn sei mit dem universalen Umfeld verbunden. Dabei gelten im Hyperraum andere Ordnungskriterien als in der langsamer schwingenden vierdimensionalen (Einstein’schen) Raumzeit. Hein beschreibt die Verbindung zwischen Mensch und intelligenten Feldern auf der Grundlage des neuronalen Nervensystems.[4] Ebenso Weichmann[5] geht in Annäherung an die Theorie des Physikers Bohm davon aus, dass es eine höherdimensionale Realität gibt, die unserer Wirklichkeit zugrunde liegt. Und nicht zuletzt Böckle stellt Bewusstsein als eine Existenz einer immateriellen Sphäre dar.[6]  Laszlo konstatiert, dass „der menschliche Geist kein isoliertes Etwas ist“.[7] Das von ihm beschriebene universelle In-Formationsfeld, das er „A-Feld“ nennt, nimmt „seinen Platz unter den fundamentalen Feldern des Universums, neben dem G-Feld (Gravitation) und den vereinigten elektromagnetischen und nuklearen Feldern und den Quantenfeldern“ ein.[8] In-Formation ist nach Laszlo eine „feine, quasi augenblickliche, nicht flüchtige und energielose Verbindung zwischen Dingen an verschiedenen Orten im Raum zu verschiedenen Zeitpunkten.“[9] Warnke nennt es eine „übergeordnete Hyper-Intelligenz“, die alles Leben durchdringt.[10] Der Biologe Sheldrake[11] beschreibt die Existenz von so genannten morphogenetischen Feldern, die wie eine Art Gedächtnis der Natur zu verstehen sind. Der Begriff des morphogenetischen Feldes geht auf den Botaniker Reinke[12] zurück, der eine formgebende Kraft in der Natur konstatiert. Goethe, der heute im Alltagswissen mehr wegen seiner Künste als seiner naturwissenschaftlichen Forschungen bekannt ist, berief sich auch auf ein kontinuierlich tätiges, unsichtbares Bildungsprinzip im Lebendigen,[13]  das an die Annahmen des hundert Jahre später lebenden Sheldrake erinnert. Ziemke knüpft heute wieder an Goethes Idee der  Metamorphose an.[14] Nach dem Zellbiologen Lipton[15] kontrollieren nicht unsere Gene unsere Körper, sondern unsere Wahrnehmung kontrolliert unsere Biologie. Lipton stellt die herkömmliche Annahme auf den Kopf, dass unsere DNS unser physisches Dasein bestimme. Vielmehr werde sowohl unser individuelles Leben als auch unser kollektives Dasein durch die Verbindung von innen und außen, zwischen Geist und Materie gesteuert. Davon geht auch der Mediziner Dossey aus, der die heilende Wirkung von Gebeten als nicht lokale medizinische Ereignisse erforscht hat.[16] Die Idee eines universellen Heilungsfeldes findet auch in der Medizin Gehör.[17] Die Theologen Küstenmacher und Haberer[18] beschreiben „oben wie unten, im Mikro- wie im Makrobereich gigantische Einheiten, die sich darum bemühen, eine kollektive Intelligenz zu erzeugen“.

Diese wissenschaftlichen Ansätze nähern sich damit auch uralten spirituellen Ideen an, die in allen Religionen wiederzufinden sind. Der Philosoph Wilber hat mit seiner integralen Theorie die Grenzen der herkömmlichen Wissenschaften überschritten und konkurrierende Denkschulen und Wissenschaftsdisziplinen sowie auch spirituelle Ansätze zu einem allumfassenden Modell verbunden.[19] Der Physiker Dürr beschreibt unsere Realität so: „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere.“[20] Der Historiker Bähr weist darauf hin, dass erst seit dem Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Hinwendung zur Vernunft Emotionen dem Individuum zugeschrieben wurden.[21] In der davor liegenden Menschheitsgeschichte hatten Gefühle ihren Ursprung in Gott. Der handelnde Mensch verstand sich nicht als abgeschlossenes Individuum, sondern als Ausgrabungsort von Ereignissen im göttlichen Kosmos. Die alten vedischen Lehren gingen davon aus, dass das Universum ein schwingendes Feld ist.[22] Dieses Energiefeld nannten sie Akasha. Das mythologische Bild aus dem Mahayana Buddhismus – Indras Netz – ist eine weitere Metapher zur Beschreibung einer noch viel älteren vedischen Lehre, die ebenfalls verdeutlicht wie die Struktur des Universums in einem Netz verflochten ist. Dieses Energiefeld, das aus spiritueller Sicht Gott genannt wird, ist die gemeinsame Wurzel aller Religionen. Diese Entwicklung geht einher mit einem Erstarken von Spiritualität in den westlichen Gesellschaften. Auch zahlreiche Kunsttherapeuten weisen auf das Potential der Spiritualität, wie etwa exemplarisch Baer und Schuster oder auch Decker-Voigt in Bezug auf die Musiktherapie.[23]

Die Idee von kollektiven Bewusstseinsfeldern verbreitet sich auch in der Gesellschaft. Es gibt bereits virtuelle Verbindungen von einer Vielzahl von Menschen, die ortsunabhängig sowie Länder und Kontinente übergreifend gemeinsam zur Heilung von kollektiven Traumata[24] wie etwa der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit[25], der Fukushima[26] Katastrophe oder jüngst im Februar 2016 für den Frieden in Syrien[27] meditieren. Das von der Universität Princeton initiierte Global Consciousness Project (Globale Bewusstseinsprojekt) geht in einem mit weltweit ca. hundert Forschern und Ingenieuren langfristig angelegten Experiment wissenschaftlich der Frage der Existenz eines globalen Bewusstseins nach.[28] Die Annahme universeller Wissensfelder, mit denen das Lebendige in Interaktion steht, birgt eine völlig neue Herangehensweise auch für die Betrachtung und Heilung psychischer Beeinträchtigungen in der Therapie.

Mit diesem paradigmatischen Perspektivwechsel von einem materialistisch-mechanistisch hin zu einem holografischen Weltbild erklären sich viele Ebenden der Realität ganz neu. Wissen und Erfahrungen sind in universellen Feldern gespeichert, mit denen der Mensch in Resonanz steht. Psychische Beeinträchtigungen und seelischen Nöte wechselwirken ebenso mit diesen Feldern wie kollektive Verletzungen und Traumata. Neben inneren Bildern, intuitiven Impulsen, „Bauchgefühlen“,  Eingebungen und den Hellsinnen sind auch Träume Sprachrohr dieser Wissensfelder. Traumbotschaften sind sehr komplex und ihre Deutung durch festgeschriebene Zuweisungen schwierig.  Das Geträumte lässt sich aber oft symbolisch erfassen. Am besten eignet sich das wertfreie Assoziieren, um diese metaphorischen Botschaften zu entschlüsseln. Eine hilfreiche Unterstützung bietet dabei die Kunsttherapie, die innere Bilder sichtbar machen kann. Das Kunstwerk kann einen Kanal für eine bildhafte Kommunikation bieten, es wird zum Sprachrohr der Intuition werden.

© Ulrike Hinrichs (2017)

Literatur

[1] von Ludwiger, I. (2013, S. 153 f.). Unsterblich in der 6-Dimensionlaen Welt: Das neue Weltbild des Physikers Burkhard Heim. München: Komplet-Media.

[2] Krall, S.  (2017). ). Zwischen Biologie, Philosophie und Parapsychologie. Hans Diesch, der Vitalist. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  65, 2015, S. 18 ff

[3] von Ludwiger, I. 2010), Wilber (2007), so auch Laszlo (2007); so auch Schwartz, Beauregard, Miller (2016) in ihrem Manifest für eine post-materialistische Wissenschaft.

[4] http://www.forumsynergie.de

[5] Weichmann, J. (2015). Annäherung an Gott. Sein, 2015, Nr. 233, S. 9 ff.

[6] Böckle, R. 2014, S. 25 ff. Ist das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns? TattvaViveka,Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  61, 2014, S. 25 ff.

[7] Laszlo (2007, S. 116). Zu Hause im Universum. Die neue Vision der Wirklichkeit.  Berlin: Allegria.

[8] Laszlo (2007, S. 73). ebenda

[9] Laszlo (2007, S. 57). ebenda

[10] Warnke (2017, S. 19). ebenda

[11] Sheldrake, R.  (2002). Das Gedächtnis der Natur: Das Geheimnis der Entstehung der Formen in der Natur. Bern, München, Wien: Scherz.; auch Krall (2015, S. 18) ebenda

[12] Reinke, J. (1922, S. 82, 89). Grundlagen einer Biodynamik.Abhandlungen zur theoretischen Biologie, Band 16. Berlin: Borntraeger.

[13] Merker, W. (2015, S. 52 ff.; 2015b, S. 18). Vom mechanistischen zum organischen Denken. Wege zur Erkenntnis des Lebendigen. Münster: Monsenstein&Vannerdat.

[14] Ziemke, A. (2016). Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Die Wiedergeburt von Goethes Metamorphoseidee in der Evolutionären Entwicklungsbiologie. Frankfurt a.M.: Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG.

[15] Lipton, H. B. (2009). Intelligente Zellen: Wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Burgrain: Koha Verlag.

[16] Dossey, L.  (2013). Heilende Worte. Die Kraft der Gebete als Schlüssel zur Heilung.

[17] Michel, K. u.a. (2016). Das universelle Heilungsfeld. Die neue Dimension des Heilens. Grafing: Aquamarin Verlag.

[18] Küstenmacher & Haberer (2015, S. 199). Gott 9.0. Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

[19] Wilber (2001), Ganzheitlich handeln: Eine integrale Vision für Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Spiritualität. Freimat: Arbor.

[20] Dürr, H. (Hrsg.)  (2008). Physik und Transzendenz. Die großen Physiker unserer Zeit über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Tschechische Republik: Driediger.

[21] Bähr (2013). Furcht und Furchtlosigkeit: Göttliche Gewalt und Selbstkonstitution im 17. Jahrhundert. Göttingen: V&R Unipress.

[22] Siehe etwa Laszlo (2007), ebenda.

[23] Baer, U. (2014) Gefühlssterne, Angsfresser, Verwandlungsbilder. Kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle. Neukichen- Vluyn: Semnos; Schuster, M. ((2008) Rituale, Kunst und Kunsttherapie. Berlin: MWV Medizinische Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ; Decker Voigt, H. (2016), ). „…das berührt mich tief“ – Musiktherapie und Basale Stimulation/Basale Bildung. Wiesbaden: Reichert Verlag.

[24] Global Mediation via facebook für Globale Heilung mit knapp 80.000 Followern.

[25] Siehe etwa Thomas Hübel, 24.4.2010, Healing Event.

[26] Global Meditation für Fukushima mit über 32.000 Followern.

[27] Global Meditation für Syrien, Initiator James Twyman

[28] TatvaViveka (2016), aktuelle Meldungen.

Clustering

Das Cluster-Verfahren (auch Clustering) ist eine von Gabriele L. Rico entwickelte Methode des Kreativen Schreibens. Dabei werden Assoziationsketten notiert, die von einem Kernwort ausgehen.

  • Im Zentrum steht ein Cluster-Kern, ein Wort, zu dem anschließend assoziiert wird (hier: „Loslassen“). Das Wort oder auch eine Phrase wird in der Mitte eines Blattes notiert und eingekreist.
  • Von diesem Kernwort ausgehend wird frei assoziiert. Dabei lässt man sich vom Strom der Gedankenverbindungen treiben. Die Assoziation werden aufgeschrieben, eingekreist und mit der vorherigen Assoziation durch einen Strich verbunden.
  • Eine neue Ideenskette setzt wieder am ursprünglichen Kernwort an.

 

Mit dem so entstanden Cluster kann man anschließend weiter arbeiten, zum Beispiel können 5  Begriffe aus dem Cluster ausgewählt werden, um daraus einen Text zu schreiben.

Beispieltext einer Teilnehmerin:

Vertrauen kann man
Ein Leben lang
Bleibt Zeit zum Üben
Die kleinen Tode holen mich
Ein Kampf ums Überleben
Jeder Tag ein Neubeginn
Mut gibt dem Glauben Hoffnung