Magazin

Fibromyalgie – Krankheit als Bild

Wenn deine Krankheit eine Landschaft wäre, wie sähe die aus?

Fibromyalgie

Die 57-jährige Klientin   leidet seit vielen Jahren unter Fibromyalgie, eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen äußert. Die Schmerzen können auf der Haut, in den Muskeln und Gelenken spürbar sein. Andere typische Beschwerden sind Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.

In unserer Gruppe „Krankheit als Bild“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für unbewusste Problemthemen. Symbole können diese Themen auf einer metaphorischen Ebene verdichten und auf den Punkt bringen.  

Wenn dein Schmerz, dein Symptome, deine Erkrankung eine Landschaft wäre, wie würde diese aussehen? So lautete der Auftrag für ein Bild. Durch solche metaphorischen Verwandlungen von Körpersymptomen wechseln wir vom rational analytischen Denken zum intuitiven Fühlen. Wir schöpfen aus der Quelle des Unbewussten.

www.krankheit-als-bild.de

Die Klientin malte einen Vulkanausbruch, vor dem sich talabwärts eine friedlich wirkende Weidelandschaft ausbreitet. Sie berichtete, dass sie ursprünglich eine Berglandschaft habe malen wolle. Im Malprozess sei sie ganz hibbelig geworden. Voller Energie. Aus den Bergen wollten Vulkane werden, die ihre Lava ins Tal ergießen.

Neben ganz individuellen Assoziationen der Klientin und der Gruppenteilnehmer*innen helfen bei der Kunst als Sprache der Intuition auch kollektive Deutungen von Symbolen. C.G. Jung hat sie als Archetypen beschrieben. Auch die Landschaft selbst zeigt ihre Potentiale im Kontext der Erkrankung. Bei einem Vulkan brodelt es lange Zeit unter der Oberfläche, bis sich plötzlich und unerwartet die heiße Lava in Feuerfontänen erbricht. Wie aus einem Drachenschlund speit der aktive Vulkan Feuer. „Das Feuer entzündet bei Sonnenhitze die Natur, brennt lichterloh und mit züngelnden Flammen, glüht und schwelt es unterirdisch, bricht mit einem Mal aus und verwandelt sich in ein rasendes Inferno. Alles Lebende wird auf irgendeine Art von Feuer befruchtet, temperiert, zur Reife gebracht oder vernichtet“, beschreibt es Ami Ronneberg (Das Buch der Symbole. Betrachtungen zu archetypischen Bildern, S. 82)

Im übertragenen Sinne kann die Symbolik des Vulkans und des Feuers beuteten, dass etwas nach draußen will, was unter der Oberfläche gefangen ist. Lebensfeuer?! Leidenschaft!? Lebenskraft? Wünsche, Ideen werden möglicherweise unter dem Deckel gehalten. Gefühle werden kontrolliert. Es gibt viel unterdrückte Wut. Der Ärger wird festgehalten.

Auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er zu  einzelnen Symptomen die jeweilige Deutungsebene und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen auf. Zur Fibromyalgie schreibt er auszugsweise: große Angst vor Veränderungen, enorme Vorsicht und Rücksicht (auf sich selbst), lieber am Gewohnten festhalten, als Ausbruchsversuche wagen, die Umsetzung innerer Impulse in äußere Aktivitäten funktioniert nicht gut oder nur unter Schmerzen.

„Die Krankheit hält mich vom Leben ab“, so die Klientin, „aber vielleicht bedeutet der Vulkan tatsächlich auch noch etwas anderes. Ich kann nämlich seit Jahren nicht  mehr über meine Situation weinen. Es kann mir noch so schlecht gehen, Tränen kommen nicht. Vielleicht bräuchte ich mal so einen Vulkanausbruch.“

Einige Impulsfragen könnten lauten:

  • Wofür brennst du wirklich?
  • Wo willst du ausbrechen?
  • Wofür brauchst du deine Kraft wirklich?
  • Wo brennt es unter der Oberfläche, in der Seele?
  • Wo unterdrückst du Lebensenergie, Leidenschaft?
  • Welche Wünsche und Ideen wollen verwirklicht werden?
  • Wo steckt der Schmerz fest?
  • Wir kannst du deine inneren Kräfte mobilisieren?
  • Was macht dir Druck? Was unterdrückst du?
  • Wer oder was ärgert dich?
  • Wie steht es um deine Wut, darf sie ein Ventil bekommen?
  • Was will befruchtet was will vernichtet werden?
  • Was will zu Leben erwachen?
  • Wer oder was darf und muss aus deinem Leben gehen?
  • Wovon brauchst du mehr oder weniger?
  • Was nährt dich? Was gibt dir Kraft?
  • Wann bist du in deiner Kraft, Lebensenergie?
  • Wie steht es um deine Balance zwischen TUN und SEIN?

.

Magie to go

In der Gruppe haben wir zu unserer Bildern noch ein kleines Experiment gewagt. Die Teilnehmer*innen haben sich zu ihrer Erkrankung eine Frage aufgeschrieben, die den anderen vorborgen blieb. Bei der Bildbetrachtung durch die Gruppe lautete der Auftrag. „Wie ist die Antwort auf die unbekannte Frage?“ Ein Auftrag, der unseren Verstand durcheinander bringt. Denn wie soll man eine Frage beantworten, die man nicht kennt? Die Antwort liegt im Bild. Wir können die Antworten intuitiv wahrnehmen.

„Wozu willst du mich bringen“, lautete die geheime Frage der Klientin, die die Gruppe erst nach den folgenden Antworten der anderen Kursteilnehmer*innen erfuhr: 

  • Lass es raus
  • Mach es so wie DU es möchtest
  • Lebe wieder

Die Klientin war überrascht, wie passgenau die Antworten zutrafen. So funktioniert die Kunst als Sprache der Intuition. Es ist immer wieder Magie für mich.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Multiple Sklerose – Krankheit als Bild

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Die Ameise für Multiple Sklerose

Die 30-jährige Klientin bekam vor einem halben Jahr die Diagnose Multiple Sklerose, eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Körpereigene Zellen greifen die Myelinscheiden von Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark an.

In unserer Gruppe Krankheit als Bild arbeiten wir  mit der Kunst als Ausdrucksform. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für unbewusste Problemthemen. Symbole können diese Themen auf einer metaphorischen Ebene verdichten und auf den Punkt bringen. Gern arbeite ich mit Tiersymbolen.

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Das für die Erkrankung typische und sehr unangenehme Kribbeln assoziierte die junge Frau mit einer Ameise.

Für die Bedeutungen der Tiersymbolik können wir auf die Lebensweise der Tiere blicken, ebenso wie auf kollektive Deutungen aus Mythen und Geschichten. Bei  Tieren liefern auch Krafttiere aus dem Schamanismus hilfreiche Impulse.

www.krankheit-als-bild.de

Eine schwere Last tragen

Ameisen zählen zu den stärksten Lebewesen überhaupt. Sie können bis zum Vierzigfachen ihres eigenen Gewichts tragen. Einige Ameisen in Afrika können einen ganzen Wald leer räumen, wenn die Nahrung knapp ist. Ihre Bauten sind architektonische Meisterwerke. Ihre Staaten perfekt organisiert. Die Botschaft der Ameise ist daher die Strategie der Geduld. Auch steht sie für Gemeinschaft und eine natürliche Ordnung. Gleichzeitig kann die Ameise auch darauf hindeuten, eine schwere Last zu tragen, zu perfektionistisch zu sein oder zu sehr zu planen.

Ameisengift als Ausdruck von Wut und Zorn

Das Ameisengift und sein Brennen ist das Gegengift zum inneren Brennen, verursacht durch unterdrückte Wut und Zorn. Die Ameise spiegelt die Wutkraft, die man gegen sich selbst richtet, statt sie auszuleben. Wenn du anderen Menschen Macht über dich gibst, dich klein machst, dich unwichtig glaubst, dann unterdrückst du deine eigene feurige Kraft.  Die Ameise zeigt dir den Weg, dir diese Kraft zurückzuerobern, so die Krafttierbotschaft. Vielleicht sagt sie dir auch, dass du dich zu sehr um die Angelegenheiten anderer Menschen kümmerst, statt um dich selbst. Die Ameise wird dich so lange stören und nerven, bis du deinen Platz gefunden hast. Sie kann auch darauf hinweisen, dass du zu viel Verantwortung tragen musst. (Krafttierdeutung aus: Jeanne Ruland, Krafttiere begleiten dein Leben)

Auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er von A-Z zu einzelnen Symptomen die jeweilige Deutungsebene und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen auf. Zur Multiple Sklerose weist Dahlke vor allem auf eine hohe Eigendisziplin, Unterdrückung von Impulsen und zu viel Kontrolle hin. Sich selbst mit größter Härte zurücknehmen, Abkehr von den eigenen Stärken und Möglichkeiten, sind weitere wichtige Stichpunkte. Sich selbst bremsen und lähmen, einen Weg gehen, der nicht der eigene ist, sich nach den Bedürfnissen und Wünschen anderer richten, können ebenso von Bedeutung sein.

Einige Fragen können lauten:

  • Bist du oft hart zu dir selbst?
  • Gehst du deinen eigenen Weg?
  • Kümmerst du dich viel um andere Menschen?
  • Nimmst du deine unbändige Wut wahr?
  • Was unterdrückst du?
  • Was lähmt dich?
  • Kontrollierst du, planst du viel im Voraus?
  • Welche Kraft unterdrückst du in dir?
  • Was will zu Leben erwachen?
  • Was willst Du vom Leben?
  • Welchen Platz möchtest du einnehmen?
  • Nimmst du dir genug Raum?
  • Wo und mit wem bist du gern in Gemeinschaft, wo ist es zu viel?
  • Trägst du zu viel Verantwortung?
  • Wer unterstützt dich?
  • Bist du geduldig?
  • Machst du dich klein?
  • Fühlst du dich unbedeutend?

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Meerzeit

„Es gibt hier wenig zu tun und von einem gewissen Punkt an noch weniger zu denken. Ich hätte nie geglaubt, dass ich mich je in einem solchen Zustand befinden könnte, so erschöpft, dass ich mich fühle wie nach einem Aderlass, bei dem ich kein Blut, sondern meine Gedanken verloren habe. Langeweile – ich dachte eigentlich immer, ich wüsste eine Zeit permanenter Leere zu schätzen und mit Leichtigkeit auszufüllen. Aber ich musste feststellen, dass es uns nicht gegeben ist, Zeit in solch dicken, leeren Brocken zu füllen: Wir sprechen davon, die Zeit zu verwalten, aber eigentlich ist es andersherum – unser Leben ist so sehr mit Geschäftigkeit angefüllt, weil wir nur diese dünnen Zeitspalten wirklich bewältigen können“, schreibt Hanya Yanagihara in ihrem Roman „Das Volk der Bäume“.

Langeweile kann befruchten oder tödlich sein. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft ist sie verpönt. Selbst die Freizeit muss aktiv gestaltet werden. Pausen und Entspannungsphasen schaffen aber gedeihliche Bedingungen für intuitive Erkenntnisse und Geistesblitze. Während es im Außen ruhig wird, die Zeit stehenzubleiben scheint, sortiert das Gehirn im Inneren das Chaos, verwebt Informationen zu neuen Ideen.

Insbesondere „echte“ Langeweile hilft. Einfach NICHTS tun. Löcher in die Luft starren. Das wird von vielen als sehr unangenehm empfunden. Ist Langeweile gesund oder langweilt man sich eher zu Tode, wie der Volksmund sagt. Studien haben gezeigt, dass es die Langeweile gar nicht gibt, sondern eher unterschiedliche Formen, je nachdem wie die Gelangweilten sie empfinden. Hinzu kommt bei der Beurteilung der erlebten Langeweile der individuelle Erregungszustand, der von sehr entspannt bis apathisch-depressiv reichen kann (Gehirn&Geist (6/2020), Kann uns Langeweile krank machen, unter der Rubrik „Gute Frage“ S. 71).

Die Forscher konstatieren verschiedene Formen der Langeweile. Die so genannte indifferente Langeweile bezeichnet einen positiven und entspannten Zustand der Routine oder auch Unterforderung. Schwerer wiegt die kalibrierende Langeweile, bei der die innere Unzufriedenheit und damit auch der Erregungszustand zunehmen und man nach neuen Anregungen sucht. Bei der sich anschließenden suchenden Langeweile wird der Wunsch nach neuen Impulsen stärker, die Gelangweilte sucht konkret nach neuen Aufgaben.  Bleibt die Veränderungswunsch erfolglos, steigern sich die innere Unzufriedenheit, der Ärger und die Ruhelosigkeit zu einer reaktanten Langeweile. Den inneren Super- Gau bildet allerdings die apathische Langeweile, die einer Depression ähnelt. Die Gelangweilte erlebt sich handlungs- und bewegungsunfähig.

Einfach NICHTS tun

Wir alle haben schon unterschiedliche Garde der Langeweile erlebt. Die Stufenbeschreibung der Langeweile je nach innerem Erregungszustand zeigt aber auch die positive Kraft der Langeweile. Wir alle kennen diese innere angespannte Unruhe und den kribbelnden Wunsch nach Veränderung, der in einer Situation entsteht, in der wir uns langeweilen. Die Zeit dehnt sich aus, fließt extrem zäh und unendlich langsam. Wenn wir aber diese Langeweile annehmen und auch aushalten, explodieren unbemerkt im Gehirn kreative Feuerwerke, die mit einer plötzlichen Idee, einem inneren Impuls in die Realität gespuckt werden.

Das große Nichts ist die Quelle der Kreativität

In der Langeweile, dem Dazwischen, zwischen zu viel Denken, Planen und Kontrollieren, zwischen Alltagsroutine und Freizeitstress kann etwas Unerwartetes passieren. Wir kommen in Kontakt mit dem Nichts. Alte Ideen und Wünsche werden wieder wach, fast vergessene Sehnsüchte steigen auf, verworfene Projekte wollen wiederentdeckt werden.

Also, nutze die Kraft der Langeweile! Es ist die Meerzeit, in der die Zeit fließend stehenbleibt.

Portraits from heaven

Portrait from heaven

Das Universum schafft künstlerisch. Um mit ihm zu kommunizieren müssen wir kreativ sein.

Ulrike Hinrichs

Während meine Hippie-Eltern in den 1970er mit Religion nichts am Hut hatten, ging ich mit meiner Großmutter in der Diaspora in Hamburg  oft in die Kirche. Sie stammte aus Aachen und war erzkatholisch. Ich lernte von ihr all die Mythen und Geschichten um Jesus von Nazareth. Es gab viele Gebete, die ich in der Kirche mitsprechen konnte. Ich lernte das Glaubensbekenntnis, in dem mich ein Satz über Jesus Christus besonders beeindruckte: „hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel …“

Wie sollte das gehen? Ein Toter fährt in den Himmel wie mit einem Fahrstuhl? Ich war verwirrt, fragte mich, wo all die seit Jahrmillionen Verstorbenen Platz finden sollten. Der Himmel müsste maßlos überfüllt sein, sinnierte ich in meiner kindlichen Naivität. Je älter ich wurde, desto mehr zweifelte ich an all den Regeln und Vorschriften, die mich die katholische Kirche lehrte. Leider brachte mich das ganze System Kirche ganz weg von spirituellen Gedanken. Ich glaubte fest an das, was mir in der Schule, unserer Gesellschaft, beigebracht wurde: Die Welt, sogar der Mensch, funktionieren wie eine Maschine. Bewusstsein wird vom Gehirn produziert. Der Stärkere setzt sich durch. Die ganze evolutionäre Entwicklung ist mit „Zufällen“ zu erklären. Und so weiter und so fort.

Es sollte Jahrzehnte dauern, bis ich mich wieder für spirituelle Themen öffnen konnte. Paradoxerweise war es die Wissenschaft, die mich an neue Impulse und Perspektiven führte. Immer öfter begegnete mir die Verbindung zwischen Wissenschaft und Spiritualität. In verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebieten breitete sich die Idee einer holistischen Weltsicht jenseits der materialistischen Perspektive immer mehr aus (ausführlich dazu in meinem Buch Kunst als Sprache der Intuition). Wir sind alle miteinander verbunden. Wir sind Teil des Ganzen und spiegeln gleichzeitig das Ganze. Wir können über große Distanzen hinweg, ohne körperliche Anwesenheit, miteinander in Kontakt sein. Die Welt ist ein lebender Organismus, der wiederum Teil eines lebendigen Universums ist.

Was mich besonders faszinierte waren die neuen Idee der Quantenphysik, wonach es mehr als die drei uns bekannten Dimensionen gibt. Albert Einstein brachte bereits die vierte Dimension (Raum-Zeit) mit ins Spiel. Mittlerweile gibt es Wissenschaftler, die von teils bis zu zwölf Dimensionen (zum Beispiel der Physiker Burkhard Heim) ausgehen. Und es entwickelte sich die Annahme, dass unser Bewusstsein eine Dimension des Universums darstellt. Das würde bedeuten, dass das individuelle Bewusstsein als Teil eines größeren universellen Bewusstseins, vergleichbar mit einer Welle im Ozean, zur Entwicklung des gesamten Bewusstseinsfeldes beiträgt. So wie es elektromagnetische Felder oder Gravitationsfelder gibt, bestehen Bewusstseinsfelder, die Bestandteil der universellen Prinzipien sind. Das ganze Universum entwickelt sich durch unser Bewusstsein weiter. Und wenn wir auf die gesamte Menschheitsgeschichte blicken, dann sehen wir tatsächlich eine beeindruckende evolutionäre Entwicklung, einen gigantischen  Zuwachs an Wissen bis hin zu einer globalen Vernetzung der Menschheit durch die heute mögliche virtuelle Verbindung im Internet.

Die Wissenschaft entwickelt sich mit der Menschheit weiter, bringt neue Erkenntnisse und Perspektiven. Sie schafft gleichzeitig immer nur eine Momentaufnahme auf die gerade aktuelle Zeit. Oder um es mit dem Mediziner und Coach Dr. Hans Hein zu sagen, der das Vorwort zu meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ geschrieben hat:

Wissenschaft ist der gegenwärtige Stand des Irrtums

Hans Hein

Wenn wir uns also auf die Idee einlassen, dass Bewusstsein ein Teil des gesamten Universums ist, dann müsste das Bewusstsein eines Menschen nach dem Tod erhalten bleiben. Wie eine Welle im großen Meer verschwindet, könnte auch das individuelle Bewusstsein ins Bewusstseinsfeld eintauchen. Davon gehen im Übrigen alle Religionen und spirituellen Lehren aus.

Eine Frage bleibt offen, nämlich ob dieses „individuelle Bewusstsein“ dann noch „wiederzufinden“ ist im großen Ganzen. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: können wir Lebenden mit diesen Bewusstseinsrückständen in Kontakt kommen? Denn alles ist Energie, alles ist verbunden. Schamanen, Medien, spirituelle Lehrer gehen ganz selbstverständlich in Kontakt mit ihren Ahnen.

Meine Neugierde zu dieser Frage spülte mich ins Arthur Findlay College, das ich erstmals 2008 besuchte. Es ist weltweit das einzige College, das sich ausschließlich der spirituellen Philosophie widmet. Als ich mich mit dem Taxi vom Flughafen London Standsted dem Anwesen näherte, überwältigte mich das  „Harry-Potter-Schloss“, das sich aus dem Grün der englischen Landschaft emporhob.

Arthur Findlay College im grauen November, London

Hochkarätige Medien aus ganz England lehren hier den Kontakt zur „spirituellen Welt“. Menschen aus allen Teilen der Erde, Australien, Asien, USA, Europa, Afrika, finden sich im College zusammen. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich war überwältigt. Zehn Jahre später besuchte ich in diesem  spirituellen Wunderland einen Kurs bei Alan Stuttle, der den Kontakt zur „spirituellen Welt“ über den künstlerischen Ausdruck herstellt. Und vor kurzem absolvierte ich nun einen online Kurs des Arthur Findlay Colloge „Portraits from Heaven“ bei Lynn Cottrell, die ebenfalls mit der Kunst arbeitet. Mich beeindruckt immer wieder, wie einfach und spielerisch eine Verbindung zum Bewusstseinsfeld über den künstlerischen Ausdruck funktioniert. Die Kunst ist die Sprache des Universums. Das Universum schafft künstlerisch.

Soul to soul painting

Lynn Cottrell erklärte uns über den Kontakt mittels Kunst zum Bewusstseinsfeld etwas sehr wertvolles. Aus ihrer Sicht gibt es zwei Formen des Zugangs. Wir können den Kontakt intuitiv von Herz zu Herz etwa über den künstlerischen Ausdruck herstellen. Lynn nennt es Soul-to-soul painting. Wir fühlen uns in den anderen ein, bekommen dadurch Zugang zu der Welt und den Themen des anderen. Im Kunstwerk drücken sich die oft noch unbewussten Anliegen in Symbolen und Bildern aus. Ich erkannte in dieser Beschreibung meine Arbeit in der Kunsttherapie. Ich nenne es „Kunst als Sprache der Intuition“. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für Informationen aus dem Feld.

Spirit world

Lynn berichtete sodann über den zweiten Zugangskanal zu Feldinformationen. Als Medium nehme sie direkt mit der „spirituellen Welt“ Kontakt auf und ließe sich von den „Guides“ in der geistigen Welt führen. Sie sagen und zeigen ihr, was gesehen werden will.

Ich habe mich auf diese Idee eingelassen, auch wenn ich einen solchen Kontakt nicht glaubte herstellen zu können. Ich experimentiere gern und lasse mich überraschen, was sich mir zeigt, wenn ich alle Vorgaben und Einschränkungen beiseitelege.

Während einer Übung entstand das hier abgebildete Portrait einer alten Schamanin, die mir kürzlich schon einmal in einem anderen Kontext bei einer schamanischen Ahnenmediation begegnet ist. Ich war beeindruckt, berührt und verwundert. Für mich fühlt sie sich wie eine Seelenführerin an.  

Ich traute mir im Laufe der Übungen nun immer mehr zu, auch für mein Gegenüber „Portraits from Heaven“ zu malen und die mir gebotenen Informationen preiszugeben. Eine wichtige Lernerfahrung war für mich, dass ich mutig genug sein musste, wirklich all das auszusprechen, was sich mir zeigte, auch wenn ich Sorge hatte, ob mein Gegenüber damit irgendetwas anfangen kann. Es war für mich magisch zu erleben, wie viel der von mir erlangten Informationen, von Nationalsozialismus über Autounfall bis Banalitäten wie Lakoste-Hemd, bei meinen Übungs-Klient*innen passte.

Ich möchte jedem, der sich für diese Weltsicht öffnen kann, den Zugang über die Kunst nahelegen. Wenn ich von Kunst spreche, dann geht es um den authentischen Ausdruck, jenseits irgendwelcher Bewertungen. Die Kunst ist eine Form des wilden assoziativen Denkens. Sie dient als Übersetzungshilfe für Informationen aus dem Bewusstseinsfeld.

Ulrike Hinrichs ist intermediale Kunsttherapeutin (Master of Expressive Arts), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Mediatorin, kreativer Coach, NLP Master, Ausbilderin für Kreative Therapien und Autorin. Sie versteht und nutzt den künstlerischen Ausdruck als eine integrative und allverständliche Sprache der Intuition. In ihrer Heimat Hamburg initiiert sie künstlerisch-kulturelle Integrationsprojekte mit Bürger*innen aus dem Stadtteil, um die Kunst auch als kollektive Ausdrucksform für gesellschaftsrelevante Themen zu nutzen. http://www.lösungskunst.com

Ulrike Hinrichs ist Autorin des Fachbuchs

Ulrike Hinrichs

Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

Synergia Verlag, 224 Seiten mit 40 farb. Abbildungen, ISBN: 9783906873824 22,90 €

Arthritis – Krankheit als Bild

Der Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft Daniel Kahnemann unterscheidet zwei Grundformen des Denkens. Das langsame Denken entspricht dem bekannten rationalen Denken. Das schnelle Denken, welches sich beispielsweise Bildern, Märchen, Mythen, Geschichten und Träumen bedient, entspringt der Intuition. Die Ethnologin Dr. Kessler bezeichnet es synonym als das nach innen gerichteten „wilde Denken“.

www.krankheit-als-bild.de

Kunst ist wildes Denken

Während das planmäßige und lineare Denken über Faktenchecks, Analysieren und Zerlegen von Bestandteilen in ihre Einzelteile langsame Schlüsse zieht, agiert das wilde Denken für den aktiven Geist blitzschnell und oft unbewusst in endlosen vernetzten Assoziationsketten. „Wie Kräuselwellen auf der Oberfläche eines Teiches breitet sich die Aktivierung durch einen kleinen Teil des riesigen Netzwerks assoziativer Vorstellungen aus“, schreibt Kahnemann („Schnelles Denken, langsames Denken“, S. 71). Unser Unbewusstes kann mühelos unendliche Assoziationen hervorrufen.

Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für das wilde Denken. Worum geht es gerade bei einem bestimmten Thema, das uns belastet? Was will uns der Körper mitteilen? Dazu können wir auf individuelle wie kollektive Assoziationen zurückgreifen. Kollektive Deutungen finden wir beispielsweise in der Mythologie und bei Tieren auch in der Krafttiersymbolik. Ebenso die Lebenseise der Tiere kann uns Aufschluss geben.

Arthritis – Regenwurm

Arthritis

Die 60-jährige Klientin berichtet von Gelenkschmerzen im Daumen und Zeigefinger der linken Hand. Vor allem nachts verschlimmere sich der Zustand. Zudem habe sie an der Spitze des Daumens ein unangenehmes Taubheitsgefühl. Diagnose: Arthritis.

Tiersymbole können Themen verdichten und auf den Punkt bringen. In diesem Fall habe ich auch Wortspiele mit eingearbeitet. Denn auch bei Worten und Sätzen können wir intuitiv arbeiten.

Wenn das Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Die Klientin assoziierte den Regenwurm.

Zudem bat ich die Klientin aus einem alten Türkisch-Wörterbuch eine Seite herauszureißen, und zu schauen, welches Wort sie auf der Seite magisch anzieht. Bei solchen Aufgaben ist es sinnvoll, mit den Augen über die Seite zu fliegen, statt jedes Wort zu lesen. Die Klientin blieb bei „Natur“, „Wesen“ und „Gewohnheit“ (Türkisch: tabiat) hängen.

Aus Tier und Wort fertigte sie eine Collage.

„Der Regenwurm sieht etwas verängstigt aus. Die feurig kraftvolle Umgebung erinnert mich an einen Vulkanausbruch. Gleichzeitig wirkt der Wurm sehr weiblich, mit den rosa Bäckchen und dem grünen Lidschatten. Was soll ich hier jetzt machen?, scheint er zu fragen. Der Hintergrund erscheint chaotisch, gleichzeitig wie in eine natürliche Ordnung eingebunden. Alles ist durchtränkt von farbiger Fülle. Aber der Wurm guckt müde, erschöpft und ratlos.“

Altes will verdaut werden

Regenwürmer sind lichtscheue Wesen, die unter der Erde leben. Sie durchgraben die Erde, fressen Pflanzenreste und Bodenpartikel. Die Abfälle kompostieren sie zu wertvollem Humus. Damit deutet das Würmchen auch auf Vergänglichkeit, Tod, Zerfall und den Kreislauf des Lebens hin. Er steht ebenso für Transformation alter, belastender und verdrängten Lebensthemen.

Buddelt sich der Regenwurm als Krafttier ins Leben, möchte er auf die Kraft der Erlösung, Transformation und  Heilung aufmerksam machen. Er zeigt auf die Schattenanteile, die geheilt werden wollen. Dazu müssen wir uns der Dunkelheit und den  Ängsten stellen. Das Krafttier Regenwurm macht darauf aufmerksam, festgefahrene Ideen und Glaubenssätze zu hinterfragen und zu lockern.

Mich fasziniert immer wieder, wie sich die Symbolik von Tieren mit der Symbolik der Erkrankung bzw. der Symptome deckt. Denn auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er die jeweilige Deutungsebene der Symptome und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen.

Arthritis deutet auf alte überlebte Themen hin, die die Entwicklung blockieren. Das Leben scheint für den Erkrankten schwer in den Griff zu bekommen. Die Symptome können auch darauf hindeuten, dass dem Leben zu sehr mit Starrheit begegnet wird. Die unterdrückten Lebensimpulse laufen in unbewusste Attacken gegen den eigenen Körper. Vor allem auch unterdrückte Aggressionen und ungelebte unterdrückte Kritik verbergen sich hinter den autoaggressiven Impulsen. Alte Verletzungen und Probleme müssen verdaut werden, um die Erstarrung zu überwinden.

Die Klientin berührte vor allem das Thema Tod und Zerfall, aber auch Transformation belastender und überlebter Lebensthemen. Ebenso die Deutungen zur Routine und Starre, brachten sie ins Grübeln. Überrascht war sie, dass sich das Thema „Gewohnheit“ sogar schon in der Wörtersuche gezeigt hatte. Und mit der Natur, die ebenso als Wort auftauchte, verbände sie eine wichtige Kraftquelle. Sie könne gerade aber tatsächlich sehr schwer loslassen, denke viel an vergangene Zeiten und schöbe Erlebnisse. Sie fühle sich in einer Zwischenphase von Leben und dem immer näher kommenden Tod.

Die Symbolik des Regenwurms mache ihr Mut, nämlich „Verdauung“. Altes muss verdaut  und dann losgelassen werden.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Blutdruckschwankungen – Krankheit als Bild

.

Kunst als Sehhilfe

Wir geraten aus der Balance, sind im Stress oder psychisch stark beeinträchtigt. Solche Störungen können im Körper einen Ausdruck finden, wenn sie im sprachlosen Raum gefangen sind.  Wir können die Kunst nutzen, um unseren Körper besser zu verstehen. Der künstlerische Ausdruck macht nicht nur die Beeinträchtigungen und Schmerzen metaphorisch sichtbar, sondern kann vor allem auch die Ressourcen in schweren Themen aufzeigen. Die Kunst hilft uns bei der Befreiung aus dem Gefängnis. Die Kunst als authentischer Ausdruck bringt Inneres nach außen und manifestiert es in einem Werk. Die intuitive Seite in uns denkt in bildhaft metaphorischen Assoziationsnetzen, die wir durch künstlerische Prozesse wecken. Assoziationen und innere Bilder sind eher wie Träume, die man erst einmal verstehen muss. Der künstlerische Ausdruck dient der Intuition dabei als eine Sehhilfe. Wir können uns fragen: welche Assoziation kommen mir in den Sinn? Welche kollektive Deutung enthält für mich eine wichtige Information? Und welche Rückmeldung von anderen berührt mich, so dass ich zu der Erkenntnis gelange, all das betrifft tatsächlich auch mein Thema, mein Anliegen. Das sind Fragen, die die analytische und reflektierende Seite in uns zur Überprüfung stellen kann. Ich möchte das anhand eines Beispielsfall illustrieren.

www.krankheit-als-bild.de

Diagnose Herz- Kreislauf, Blutdruckschwankungen

Die 59-jährige Klientin berichtete von Blutdruckschwankungen. Manchmal schlage der Blutdruck plötzlich und ohne ersichtlichen Grund vor allem nach oben aus. Sie fühle sich erschöpft und müde. Oft habe sie vor allem am Morgen Kopfschmerzen. Das beunruhige sie sehr. Eine organische Ursache sei nicht gefunden worden.

Siehe zum Thema Herz-Kreislauf auch Bluthochdruck – Krankheit als Bild

Auf die Frage welches Tier ihr in den Sinn käme, das für ihre Symptome stehen könnte, sagte sie spontan: Der Grashüpfer.

Das Herz macht Luftsprünge

„Der Grashüpfer  kann urplötzlich und für seine Größe extrem hoch springen. Von der absoluten Ruhe in der satten Wiese kann er unmittelbar umschalten und hochspringen. Gleichzeitig kann er stundenlang zirpen. Ich mag das Geräusch, es hat etwas Meditatives“, so die Klientin. „Auf dem Bild wirkt der Grashüpfer sehr verliebt, so als ob er mit gesenktem Kopf und „Hundeblick“ jemanden anhimmelt. Oder er flirtet mit dem Leben, genießt den Moment, das Grün um ihn herum?“

In einem ersten Schritt können wir über die Bildbetrachtung auf Überraschendes und Neues schauen. Was kommt uns in den Sinn, wenn wir auf das Bild blicken? Über dieses freie Assoziieren schalten wir auf das „wilde Denken“, wie es die Ethnologin Kessler nennt. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann spricht vom „schnellen Denken“.

Für die symbolische Deutung können wir uns die Lebensweise des Tieres anschauen und auch in mythologische oder schamanische Betrachtungen von Tieren eintauchen. Diese Informationen können wertvolle Anhaltspunkte liefern und neue Perspektiven schaffen.

Der  Grashüpfer gibt zur Anlockung von Partnertieren sowie zur Abgrenzung seines Territoriums zirpende Laute von sich. Die Klientin hatte auch den meditativen Ton erwähnt, den sie sehr möge. Beziehung, Grenzen setzen, hatte auch für die Klientin eine wesentliche Bedeutung.

In der Symbolik erinnert uns das beruhigende Zirpen des Grashüpfers daran, einen harmonischen Grundton im Leben anzuschlagen. Ist unsere Lebensmelodie gereizt, angespannt, harmonisch? Der Grashüpfer ruft dazu auf, nervenzerrendes Verhalten zu unterlassen, stattdessen Ruhe und Erholung ins Leben zu holen. Als Krafttier symbolisiert er auch Leichtigkeit, Erneuerung, Selbstentfaltung, Mut und Kreativität. Seine plötzlichen Höhensprünge weisen auf große Umbrüche hin. Das Leben muss in einem radikalen Ausmaß verändert werden, um in die volle Lebenskraft zu kommen, so die Grashüpfer-Botschaft. Das erfordert einen großen Schritt ins Unbekannte. Auch in Bezug auf diese kollektive Deutung fühlte sich die Klientin angesprochen.

Durch ihr Kunstwerk sei sie mehr auch an ihre Kraftquellen gekommen, das Leben genießen, „im Gras herumspringen“. Das Herz mache Luftsprünge.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

„Ich denk an mich“

Wie oft hast du schon zu deinen Kindern, Partner*in, Freund*innen gesagt: „Ich denk an dich“?

Es spiegelt die Liebe, das Vermissen, die Sehnsucht, die wir für den anderen empfinden. Es gibt viele verschiedene Postkartenmotive, sogar ganze Postkartenbücher, Bilder, Sprüche und unzählige Songtexte unter dieser Überschrift.

Aber was ist eigentlich mit dir? Wie oft hast du das zu dir gesagt?

„Ich denk an mich!“

Wie sieht deine Postkarte an dich selbst aus?

Wenn der Körper sich abschaltet – Guillain-Barré Syndrom

MEDUSA: Ulrike Hinrichs 1981 (16 Jahre). Das Bild entstand nach meiner Erkrankung „Guillain-Barré Syndrom“

www.krankheit-als-bild.de

Medusa ist eine der drei Gorgonen – Gespenster mit Schlangenhaaren –  aus der griechischen Mythologie. Nach der Sage heißt es, dass jeder der in ihre Augen blickt, augenblicklich in Stein verwandelt wird. Das mit seinen weißen Augenhöhlen maskenhaft wirkende Gesicht der Medusa zieht mich in seinen Bann. Ein Schlangenkörper mit gespaltener Zunge auf der Stirn des Ungeheuers, lenkt die Aufmerksamkeit auf die nicht vorhandenen Augen. Die Zungenspitzen des Reptils zeichnen auf den leeren Augenhöhlen die Pupillen nach. Der  Blick des Ungeheuers wirkt daher fokussiert, fast laserhaft, als könne er einen mit einem feinen Lichtstrahl durchbohren, töten.  Noch heute, Jahrzehnte später, beeindruckt und erschreckt mich das Bild, das ich 1981 zeichnete. Gleichzeitig bin ich fasziniert von der intuitiven Sprache des künstlerischen Ausdrucks.

Im Jahre 1979, mit 14 Jahren, erkrankte ich an einer „aufsteigenden Polyneuropathie mit Hirnnervenbeteiligung“ (Akute Polyneuroradikulitis (Guillain-Barré-Syndrom), eine schwere Autoimmunerkrankung. Folgen dieser Erkrankung sind entzündete Nervenwurzeln im Rückenmark, durch die die Nervenfasern beschädigt werden. Dies führt zu Lähmungen der Muskulatur. Es begann wie aus dem Nichts völlig plötzlich und unerwartet  mit einem Kribbeln in den Füßen. Nachdem ich zusammengebrochen war, weil meine Beine mich nicht mehr tragen konnten, breiteten sich die Lähmungen über die Beine, den Rumpf und die Arme bis zum Kopf innerhalb nur weniger Tage aus.

Die Krankheit verwandelte mich in einen lebenden Stein

Ich war körperlich komplett gelähmt. Ich konnte nicht mehr sprechen, nur noch lallen. Aufgrund von Augenmuskellähmungen habe ich alles um mich herum in Doppelbilder gesehen. Ich konnte nicht mehr selbständig Nahrung zu mir nehmen geschweige denn ausscheiden. Lähmungen der Atem- und Schluckmuskulatur sind lebensbedrohlich. Ich stand kurz vor einer künstlichen Beatmung und war in einem Zustand der kommunikativen Ausgeschlossenheit. Ich konnte mich meiner Umwelt nicht mehr mitteilen und war mit meinen Gedanken und der Lebensbedrohung völlig auf mich gestellt. Ich war emotional komplett isoliert. Durch die vollständige Taubheit konnte ich auch Berührungen nicht mehr wahrnehmen. Zudem drohten die inneren Organe zu versagen. Ich konnte nur durch intensivmedizinische Behandlung am Leben erhalten werden. Heute weiß ich, dass ich dem Tod schon in die Augen geschaut hatte. Die Erkrankung dauerte über Monate, ich verbrachte 4 1/2 Monate im Krankenhaus.  Die anschließende Rekonvaleszenzphase war sehr langwierig und von heftigen Schmerzen begleitet. Durch die zerstörte Muskulatur musste ich wieder „gehen lernen“, saß lange im Rollstuhl. Es war zunächst völlig unklar, ob ich überhaupt wieder vollständig genesen würde.

Diese physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen zu einem Deprivationszustand mit extremem Leidensdruck, der ausgeprägte Unsicherheit und große Angst erzeugen könne. Im Rahmen dieser emotionalen Extremsituation könne es zu Halluzinationen, sowie paranoiden und oneiroiden (traumähnlichen) Psychosen kommen, so der Mediziner Prof. Dr. Weiß.[1]

Eine psychologische Betreuung gab es damals nicht, stattdessen hatte man mich mit hoch dosiertem Valium versorgt. Allerdings waren die Krankenhäuser seinerzeit noch in staatlicher Hand, so dass jenseits des heute vorherrschenden wirtschaftlichen Drucks ausreichend  Personal vorhanden war, das sich intensiv um mich kümmerte.  In der Hochphase der Erkrankung saß 24 Stunden eine Betreuung neben meinem Bett. Die Fürsorge im Krankenhaus, die in meinem Elternhaus gefehlt hatte,  habe ich damals sehr genossen, nachdem die lebensbedrohliche Phase überwunden war. Ich wollte das Krankenhaus gar nicht wieder verlassen. Über die Kunst, der ich schon in jungen Jahren sehr zugeneigt war, habe ich nach meiner Genesung intuitiv versucht, das erlebte Grauen zu verarbeiten. Hier ist ein Selbstportrait aus dieser Zeit, das für sich spricht.

Die Zusammenhänge zwischen Neuropsychologie, Nervensystem und Immunsystem bei entsprechenden Krankheitsbildern sind in den letzten Jahrzehnten Gegenstand der Forschung geworden. Dennoch gibt es wenige Untersuchungen zu diesem relativ seltenen Krankheitsbild. Das Nervensystem ist ein hoch komplexes System, das unseren gesamten Körper umfasst. Es reagiert sensibel auf die Interaktion mit unserem sozialen Umfeld.[1] Das Nervensystem lässt sich auf verschiedene Weise unterteilen: zum einen nach seiner Verortung im Körper in das zentrale Nervensystem  (Gehirn, Rückenmark, (ZNS)) und das periphere Nervensystem ((PNS) Hirn- und Spiralnerven), zum anderen nach seiner Funktion in das somatische Nervensystem (bewusster, willentlicher Zugriff) und das autonome (vegetative) Nervensystem (unbewusst agierend).

Das autonome Nervensystem (ANS) kontrolliert die lebenswichtigen Grundfunktionen im Inneren des Körpers. Es reguliert alle autark ablaufenden Funktionen wie Herzschlag, Verdauung und Atmung. Sämtliche Informationen werden vom Gehirn über das Rückenmark zu den Organen und vice versa weitergegeben. Das ANS besteht aus dem sympathischen (SNS) und parasympathischen Nervensystem (PNS).

Das periphere Nervensystem (PNS) regelt den Zugang zur Peripherie unseres Körpers und damit den Kontakt zur Außenwelt. Aus dem Schädel und dem Rückenmark treten Hirnnerven und Spinalnerven aus, die wie ein Netz durch den gesamten Körper zu den Sinnesorganen, Extremitäten und auch unter der Haut verlaufen.  Das periphere Nervensystem besteht aus einem somatischen Teil, der die „Schaltzentrale“ Gehirn mit sensorischen Informationen versorgt, und einem autonomen Teil (ANS).

Das gesamte Nervensystem überprüft permanent die Gefahren der Umgebung, schätzt diese ohne unser bewusstes Zutun als sicher, gefährlich oder lebensbedrohlich ein und verhält sich dazu mit entsprechenden neurobiologischen Reaktionen. Der Vagus, der größte Nerv des autonomen und der wichtigste des peripheren Nervensystems, übermittelt Informationen über den Zustand der peripheren Organe. Nach der polyvagalen Theorie von Porges  findet dabei nicht nur eine wechselwirkende Kommunikation zwischen Gehirn und Körper statt, sondern auch zwischen den Nervensystemen verschiedener Menschen im sozialen Umfeld.[2] Porges unterscheidet drei hierarchisch organisierte Subsysteme des autonomen Nervensystems. Der parasympathische Teil des Vagusnervs regelt das System des sozialen Engagements. Er bietet ein schnelles Eingehen auf unsere Umgebung und Beziehungen.  In sicheren Kontexten hilft dieser Teil des Nervensystems uns, dass wir uns auf die Umgebung einlassen und Bindungen und soziale Beziehungen eingehen. Bei hoher Stressbelastung schaltet das ANS je nach Situation und Individuum auf die archaischen Grundmechanismen: Flucht oder Angriff (Sympathikus); der parasympathische Zweig des Vagus, unser ältestes System, reagiert auf Lebensgefahr und führt zur Erstarrung (Immobilisierung, „Totstellen“).  Porges konstatiert, dass durch „Neurozeption“ (adaptiver Mechanismus der Anpassung auf die Umgebung) die Defensivsysteme (Flucht, Angriff, Erstarrung) in sicher erlebter Umgebung abgeschaltet oder in (lebens-)bedrohlichen Situationen eingeschaltet werden.[3] Gerade in der frühkindlichen Entwicklung ist dieser Mechanismus von großer Bedeutung. Ein Kind ist zunächst als Neugeborenes in völliger dann mit zunehmendem Alter in langsam abnehmender Abhängigkeit zu seinen engen Bezugspersonen. Findet ein Kind keine Zeichen von Sicherheit (z.B. wegen Vernachlässigung oder Gewalt) kann bei ihm ein Gefühl permanenter Gefahr mit entsprechender Aktivierung der Defensivsysteme entstehen.

Vor der Erkrankung war ich tatsächlich über einen sehr langen Zeitraum in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen, die von fehlender Fürsorge und Versorgung sowie emotionaler Vernachlässigung geprägt war. Die einzige Überlebensstrategie meines weisen Körpers bestand darin, das gesamte System herunterzufahren. Das periphere Nervensystem mit seinen „Fühlern“  zur Außenwelt, um es metaphorisch auszudrücken, hat sich als Reaktion auf die bedrohliche Situation langsam und von den Extremitäten beginnen, über den Rumpf, die Sinnesorgane und nach innen zu den Organen verlaufend abgeschaltet und auf seinen wesentlichen inneren Kern zurückgezogen. Mein einziger Kontakt zur Außenwelt funktionierte über die Ohren und die Augen, die in Doppelbildern ein Zerrbild abgaben.

Wenn ich heute auf meine Kunstwerke schaue, dann ziehen mich bei beiden Köpfen die Augen magisch an, hinter denen sich jenseits der maskenhaft wirkenden Gesichter eine sehr viel tiefere Ebene zu verbergen scheint. Das ist für mich auch deshalb beeindruckend, da ich (anders als heute) seinerzeit weder zur Mythologie noch zu spirituellen Themen einen Zugang hatte. Die Symbolik der Bilder spricht für sich, zum einen Medusa, die jeden in Stein verwandelt, der ihr in die Augen schaut. Gleichzeitig steht Medusa in der Mythologie, was weniger bekannt ist, auch für eine helle schützende Seite. Sie ist die Göttin der Masken, des wilden Blickes und des „weisen Blutes“. Als Schlangengöttin verkörpert Medusa weibliches intuitives Wissen. Die Schlangen, die ihrem Kopf entspringen, symbolisieren Weisheit und Erkenntnis. Auch als Mondgöttin wurde Medusa verehrt.[4] Medusa ist ein archetypisches Bild von  Wut, Verrat und Scham, beschreibt es auch Ursula Wirtz in ihrem Buch: Stirb und werde, die Wandlungskraft traumatischer Erfahrungen. Das Symbol der Versteinerung, das Medusa repräsentiert, steht im Traumakontext auch für emotionale Betäubung. Der Mythos von Medusa  wird auch als Aspekt der Dissoziation gesehen, das Abtrennen des Kopfes vom Körper. Und genau das ist auch in der Symbolik der Krankheit geschehen.

Ebenso hat das Selbstportrait eine tiefe Deutungsebene. Es symbolisiert für mich persönlich zum einen das „Auftauen“ aus dem versteinerten Zustand. Gleichzeitig zeigt es in seinem künstlerischen Ausdruck und Aufbau archaische, archetypische Elemente, wie etwa die Fibonacci-Spirale, die sich in der Natur in unzähligen Ausformungen spiegelt (vom Universum über das menschliche Innenohr bis zum Schneckenhaus). Auch das „Ying und Yang“ Zeichen der chinesischen Philosophie verbirgt sich im Werk. Das Symbol steht für einander polar entgegengesetzte aber aufeinander bezogene Kräfte. Yang beschreibt das aktive, Impulse gebende, männliche Prinzip. Yin verkörpert die passive, nach innen gerichtete weibliche Energie. Die männlichen und weiblichen Urkräfte können auch als symbolische Platzhalter für das sympathische und parasympathische Nervensystem stehen. Das sympathische Nervensystem  spiegelt das aktive männliche Prinzip, während der Parasympathikus das passive weibliche Prinzip wiedergibt.

Der krankheitsbedingte Zustand erinnert auch an den eines Samadhi (Buddhismus, Hinduismus). „Samadhi – das ist, wenn mein Körper unbeweglich ist, wie Stein, wie etwas Totes, doch ich lebe. Ein versteinert-unbeweglicher Körper, der trotzdem lebt“, so der Gelehrte Svamin Daram Radje Bharti. Gleichzeitig lebe der Geist außerkörperlich weiter. [5] 

Ich bewundere zudem den uns allen immanenten „inneren Heiler“, jener Instanz, die auch in sehr schwierigen Situationen unsere Selbstheilungskräfte mobilisieren kann, wenn wir ihr genug Aufmerksamkeit schenken.

 „Der innere Heiler, oder oft benannt als Medicus internus (der innere Arzt) scheint, physikalisch gesehen, so etwas zu sein wie ein eingebauter Resonanzdetektor, der sensibel auf die Wahrnehmung von körperlichen, emotionalen und seelischen Unstimmigkeiten ausgerichtet ist. Seine Fähigkeit innere Differenzen und Dissonanzen zu balancieren und in harmonisierende und korrigierende Impulse zu verwandeln nutzt eine geniale Hyperintelligenz. Der physiologische Hintergrund dieser Fähigkeit speist sich aus all den Anteilen in unserem Nervensystem, die mit dem evolutionären und archaischen Urwissen unserer Körperinformation verbunden sind. Die Kunst ist es genau das wahrnehmbar und zugänglich zu machen. Der Zugang gelingt über das Training der Intuition und die Übersetzung der inneren Wahrnehmungen in Bilder von Gestalten, die sehr oft mythischen Charakter haben, also eine Verbindung zum kollektiven Unbewussten herstellen“, so der Mediziner Hein, der auch das Vorwort zu meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ geschrieben hat.[6]

Durch den künstlerischen Ausdruck und der darin enthaltenen intuitiven (universellen) Symbolsprache nehmen wir Kontakt zu unserem inneren Heiler auf. Die Sprache der Kunst ist vielschichtig und komplex. Sie zeigt der fühlenden intuitiven Seite in uns einen Weg auf, den wir vertrauensvoll gehen können. Mir hat der künstlerische Ausdruck bei der Verarbeitung geholfen und heute nutze ich ihn in meiner Arbeit mit Menschen in Krisensituationen.

Ulrike Hinrichs 2019

Medusa 2018 – Ulrike Hinrichs

Siehe auch zum Thema meine Beiträge: 

Literatur

Kunst_als_Sprache_der_IntuitionUlrike Hinrichs, Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824

Eisendraht S.J., Matthay M.A., Dunkel J.A., Zimmermann J.K., Layzer R.B.: Guillain-Barré syndrome: Psychosocial aspects of management. Psychosomatic 1983, 24: 465-475

[1] Weiß H., Rastan V., Müllges W., Wagner R.F., Toyka K.V.: Psychotic Symptoms and Emotional Distress in Patients with Guillain-Barré Syndrome. Eur Neurol 2002, 47: 74-78, Eva Forster, Promotionsarbeit, https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/1751/file/Dissertation-Forster.pdf (1.5.2018)

[2] Porges, Stephen W. (2018). Die Polyvagal-Theorie und die Suche nach Sicherheit. Lichtenau: G.P. Porbst Verlag

[3] Porges (2018).

[4] Porges (2018).

[5] Muldashv, Ernst (2017, S. 96). Das Dritte Auge und der Ursprung der Menschheit. Amra.

[4] Croissier, Getrude R. (2006, S. 28), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung. Schalksmühle: fabricalibri

[6] Beitrag zu meinem Fachbuch Kunst als Sprache der Intuition. Dr. Hans Hein http://www.forumsynergie.de

Ein neues Buch entsteht…

Meine Kollegin Andrea Wandel und ich schreiben aktuell an einem Buch.

Wir möchten euch ein bisschen Appetit machen!

Worum geht es?

Wir befinden uns in einer Zeitenwende. Überall sind zarte Vorzeichen einer großen Veränderung sichtbar. Das kollektive Pendel schwingt von der männlichen zur weiblichen Urkraft. Mit diesen polaren Kräften sind keine Geschlechterzuschreibungen gemeint, sondern Zustände, die in allem Lebendigem gleichzeitig wirken.

Tun und Sein, Denken und Fühlen.

Durch die Heilung der verletzen weiblichen Urkraft darf auch der männliche Pol in seine Fülle kommen. Um diese Kräfte zur vollen Entfaltung und in die Balance zu bringen, müssen individuelle und kollektive Verletzungen und Traumata heilen. Wir sind alle verwundete Frauen. Wenn wir Frauen unsere Wunden transformieren, dann kommen wir an unsere wahre Kraftquelle. Im Buch gibt es dazu theoretisches Futter fürs Gehirn, zahlreiche Praxisbeispiele und viel Raum zur Selbsterfahrung. Dazu haben wir ebenso Übungen im Gepäck wie Meditationsanleitungen und viele kreative Impulse. Wir zeigen an geeigneter Stelle auch immer wieder unsere persönlichen Verletzungen und Traumata, um das große Potential der weiblichen Wunde für alle erfahrbar zu machen.

Unsere Welt ist holistisch, ein lebender Organismus, der mit allem im gesamten Universum verbunden ist. Die holistische Perspektive überschreitet die Grenzen der dreidimensionalen Realität in den virtuellen universellen Raum.[1] Wir können in Kontakt sein, ohne körperlich anwesend sein zu müssen. Dazu werden wir dir unter dem Kapitel „Magie to go“ ein konkretes Beispiel präsentieren, ein gemeinsames Experiment, dass wir auf einer Distanz von. 11.000 km durchgeführt haben. Die holsitische Perspektive hat auch Einfluss auf das Verständnis unserer Sprache und Wahrnehmung. Wir alle sprechen die Wortsprache, die dem Verstand entspringt. Unsere Ratio schenkt uns die Gabe zum logischen und analytischen Denken. Ohne diese wunderbare Form der Sprache könnten wir dieses Buch nicht verfassen. Worte drücken aus, schaffen Klarheit, geben Orientierung.

Gleichzeitig steht uns eine lange vernachlässigte andere Form einer universellen Sprache zur Verfügung, die sich in einer unmittelbaren, intuitiven, fühlenden Wahrnehmung ausdrückt. Mit der Ethnologin Dr. Kessler können wir es als eine Form des „wildes Denken“ beschreiben. Diese Sprache enstpringt der weiblichen Urkraft. Sie zeigt sich in Mythen, Märchen und Geschichten, in den Künsten, in Körpersensationen, spontanen Eingebungen, dem Bauchgefühl, inneren Bildern und Sätzen u.v.m.. Auch der Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft Daniel Kahnemann unterscheidet diese Grundformen des Denkens, die sich auch in unserer linken und rechten Hirnhälfte verorten lassen. Er nennt es das langsame rationale Denken und das schnelle assoziative Denken.[2] Unser Buch vereint das wilde mit dem rationalen Denken, Verstand mit Gefühl, männliche Urkraft mit der weiblichen.


Es geht uns eben doch etwas an, wenn in China ein Sack Reis umfällt

Ulrike Hinrichs und Andrea Wandel
Bild einer Klientin, das sie für uns gezeichnet hat

Literatur:

[1] Ausführlich mit wissenschaftlichen Hintergründen und meinem Buch: Ulrike Hinrichs: Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische (2019)

[2] Kahnemann (2011), Mehr dazu erfährst du auch im Kapitel „Kunst als evolutionärer Jackpot“.

Neues Gruppenangebot: Krankheit als Bild

Der Flamingo

„Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es?“ Zum Symptom Rosacea (Hauterkrankung im Gesicht) entstand der Flamingo

.

Krankheit als Bild

Wir starten im Kulturhaus Süderelbe ab September 2021 eine neue Gruppe!

Körperliche wie psychosomatische Erkrankungen und chronischen Schmerzen machen mürbe, müde und rauben Energie. Auch das Umfeld, Familie, Kinder, die Arbeit, sind oft von der Dominanz der Erkrankung betroffen. Mit Pinsel und Farbe öffnen wir uns für einen neuen Blick. Wir geben den Symptomen und dem Schmerz einen Ausdruck. „Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre das?“, könnte eine Frage lauten, die wir als künstlerischen Impuls aufnehmen. Künstlerische Prozesse öffnen Räume, in denen nicht lösbar erscheinende Probleme aus einer anderen Perspektive betrachtet werden können. Sie führen raus aus einem „Krankheits-Gefängnis“ und zeigen neue Möglichkeiten auf. Die Gruppe als Ressource unterstützt diesen Prozess.

Künstlerische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Teilnahme ersetzt keine ärzltiche Behandlung oder Psychotherapie. 

Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg, 040 7967222

Termine dienstags 13.30 bis 15.30 Uhr, 14-tägig, Start 7.9.

Leitung, Ulrike Hinrichs  Kunsttherapeutin

Kindheitsfotos malen, um zu heilen

Wenn wir die belastenden Gefühle in uns wirklich fühlen, werden sie zu Reiseführern der Seele!

Kunst hilft heilen. Oft sitzen unsere Probelme in einer verletzten Kinderseele. Verletzlichkeit ist die Schnittstelle zwischen Mut und Angst. Es braucht Mut, seine Verletzlichkeit zu zeigen. Die Wunden der Verletzlichkeit gehen oft zurück in die frühe Kindheit. Gleichzeitig ist die Erinnerung nicht immer ganz klar. Stephen King schreibt das anschaulich in seiner Autobiografie: „Meine Jugend ähnelt eher einer vernebelten Landschaft, in der gelegentlich Erinnerungen wie vereinzelte Bäume auftauchen, diese Art von Bäumen, die aussehen, als wollten sie einen packen und fressen.“[1] Wir haben Erinnerungsfetzen im Kopf, die sich eher wie Puzzlestücke zusammenfügen, geschmückt mit Geschichten aus der Familie oder von Freunden. Erinnern sei nichts Statisches, sondern ein aktiver Prozess, so erklärt es die Hirnforscherin Daniela Schiller, es erfolge jedes Mal ein erneuter  Speicherprozess.[2] Unser Erinnern ist einerseits kein Abbild der Realität, andererseits sind die Erinnerungen, vor allem Gefühle und Themen dennoch wahr. Sich dieser Vergangenheit zu nähern, gelingt uns, indem wir uns unserer Kindheit künstlerisch nähern. In die Kindheit einzutauchen, kann emotional herausfordernd sein. Sich auf einem Foto aus der Kindheit zu betrachten, das einen Moment eingefangen hat, der uns berührt, reaktiviert oft die problembelastete Situation.

Drei Fotos einer heute 89 Jährigen

Für die Aufgabe sucht man intuitiv Kinderbilder aus alten Fotoalben heraus. Wen man selbst keine hat, so schaut man bei den Eltern oder Großeltern. Welches Foto zieht mich magisch an, wenn ich die Alben durchgehe? Lassen Sie sich intuitiv führen. Fragen Sie nicht „warum dieses Foto?“, nehmen Sie es einfach, es wird das richtige sein. Bei der anschließenden künstlerischen Umsetzung geht es nicht um ein reales Abbild. Vielmehr versuchen wir in Resonanz zu gehen mit dem jüngeren Selbst, das auf dem Foto durchschimmert.

Oft sind alte Fotos noch schwarz-weiß abgelichtet. Bei der künstlerischen Gestaltung, kann man mit den Farben spielen oder auch im schwarz-weiß bleiben. Für die Umsetzung ist im Prinzip jedes Material geeignet. Die „perfekte“ Fotovorgabe schränkt unseren Blick häufig ein, wie soll ich die Hand malen, den Mund formen, wie schaffe ich eine Ähnlichkeit herzustellen? Diesen Perfektionismus können wir mit einigen Tricks überwinden.

Es geht nicht um eine Kopie des Fotos, sondern um die Kontaktaufnahme zu einem Gefühl

Fotos zeigen einen  eingefrorenen Moment des Lebendigen. Dieses Festhalten ist aber mehr ein Stillstellen. Erst der Kontakt über den (unperfekten, ganz individuellen) künstlerischen Ausdruck erweckt das Bild mit Gefühlen wieder zum Leben.

Aquarellfarben etwa schaffen dafür eine gute Möglichkeit. Denn die Wasserfarben verlaufen leicht ineinander, so dass wir uns auf Überraschendes und Ungewolltes einlassen müssen. Man kann sogar bewusst Flecken und Fehler in das Werk einbauen, indem man mit dem in Farbe getränkten Pinsel auf das Papier spritzt. Die „künstliche Würdigung“ gerade dieser Flecken hat oft eine faszinierende Wirkung. Denn es ist auch eine Würdigung unserer Unvollkommenheit als Mensch.

Das hier abgebildete Kunstwerk zeigt ein von mir gemaltes Kindheitsbild. Ich habe die Flecken mit farbigen Markern, mit Gold und Silber, umrandet, gestaltet und damit hervorgehoben und geehrt. Für mich war das eine Befreiung, bin ich doch mit dem Anspruch von Perfektion groß geworden. „Du kannst das sowieso nicht“, „stell dich nicht so an“, „reiß dich mal zusammen“, „mit dir hält es keiner aus“ waren nur einige Botschaften, die ich als Kind zu hören bekommen habe. Das Bild berührt mich auch deshalb, weil es einen Moment des Innehaltens ausdrückt. Das Kind auf dem Bild schält eine Mandarine, ist dabei über die Flecken und Fraktale verbunden mit dem Raum. Das Bild drückt etwas Meditatives, Verbundenes aus. Solche Momente waren in meiner Kindheit aber gerade nicht erlaubt, es ging um Machen und Leistung, nicht um Sein und Ruhen.

Um die Restbestände des eigenen Perfektionismus zu überwinden, kann man sich das Zeichnen etwas erschweren. Eine Möglichkeit besteht im „Blind Zeichnen“. Dabei schaut man beim Zeichnen nur auf das Kinderfoto und gestaltet „blind“ auf dem Papier. Man kann zusätzlich auch ein Blatt oder Tuch auf die Zeichenhand legen, um das Blickfeld zu verdecken. Auch kann seine Schreibhand wechseln, der Rechtshänder zeichnet mit links, der Linkshänder mit rechts. Oder man dreht die Fotovorlage über Kopf, auch das hilft den Blick zu weitern. Zudem besteht die Möglichkeit mit dicken Pinseln zu arbeiten, die uns daran hindern zu genau zu sein. Akzente kann man später mit einem schwarzen Feinliner setzen. Dadurch können bestimmte Bereiche betont und herausgestellt werden. Weiße oder farbige Fineliner unterstützen diesen Prozess.

Und dann lassen Sie sich überraschen, was ist entstanden? Welche Assoziationen, Gedanken, Erinnerungen kommen Ihnen, wenn Sie ihr Kunstwerk betrachten? Das bin ich. Was verbindet mich mit dieser jüngeren Version von mir? Was kommt mir in den Sinn? Was ist überraschend, interessant?

Siehe dazu auch: „Narzissmus – Big mother ist watching you“

Zur Biografiearbeit siehe auch mein Kursangebot unter http://www.lebenswegschreiben.de

 

[1] King, (2000, S. 19/20 )

[2] https://www.heise.de/tr/artikel/Das-Gedaechtnis-ist-nicht-statisch-2038305.html 16.05.2019

Darmprobleme – Krankheit als Bild

Die Klientin berichtete über anhaltende Darmprobleme (Schmerzen im Unterbauch) mit quälenden Verstopfungen. Der Darm ist ein unbekanntes Labyrinth in unserem Inneren. Oft ignorieren wir diesen dunklen Bereich, verbinden wir ihn doch mit unangenehm riechenden Exkrementen. Der Darm verwertet Aufgenommenes und scheidet Überflüssiges wieder aus. Er hat sein eigenes Nervensystem, das direkt mit dem zentralen Nervensystem verbunden ist. Der Darm wird daher auch als zweites Gehirn bezeichnet. Er ist wie ein Abbild unseres Gehirns, Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind identisch.

Auf einer symbolischen Ebene steht der Darm für die Verdauung schwerer dunkler Themen, die oft bis in die frühe Kindheit zurückgehen. Der Darm spiegelt die Schattenwelt in uns. Alte Verletzungen steigen aus dem Unbewussten auf. Sie sind schwer zu verdauen.

Bei Verstopfung, typisches somatisches Symptom auch bei einer Depression,  geht es oft auch um das Thema „Loslassen“. Die Angst lähmt uns. Der Durchfluss des Lebens durch die Schattenwelt wird verhindert, beschreibt es Mediziner Ruediger Dahlke in seinem Buch „Krankheit als Symbol“.

www.krankheit-als-bild.de

Auch bei diesem Beispielsfall haben wir mit einem Tier gearbeitet.

Das tötliche Gift verwandeln in heilige Medizin

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es?

Der Klientin erschien sehr spontan eine Schlange, die sie anschließend künstlerisch umsetzte. Die Tier-Assoziationen sind immer individuell. Jeder hat seine eigenen transformativen Symbole. Es gibt kein symptomspezifisches Tier. Jeder Mensch assoziiert zu seiner Symptomatik ein eigenes Tier. Eine andere Klientin etwa hatte für ihren erhöhten Blutdruck ebenfalls die Schlange als Symbol gewählt.

Interessant ist es, neben den ganz individuellen Assoziationen zum Tierbild auch die kollektive Deutung von Symbolen zu erforschen. Tiere sind archetypische Bilder. Schon die Lebensweise, das Beziehungsverhalten und die Stärken und Schwächen der Tiere können oft Hinweise zur Problemlösung geben. Ebenso die Bedeutung der Krafttiere, die aus der schamanischen Tradition stammen, können uns aufschlussreiche Wegweiser sein.

Die Schlange symbolisiert archetypisch die weibliche Urkraft, die gebären aber auch zerstören kann, heilen und töten. Sie verkörpert weibliches intuitives Wissen. Mit der Zauberkraft ihres Blutes ist sie Herrscherin über Leben und Tod.

Eine typische Besonderheit der Schlange ist ihre Fähigkeit sich zu häuten. Die Häutung ist ein Zeichen für Wachstum. Schlangen wachsen zeitlebens. Da die Haut nicht mit wächst, streifen die Tiere diese ab, wenn die Hülle zu klein geworden ist. Sie kriechen förmlich aus ihrem Kleid heraus. Die Häutung steht auch für Wiedergeburt und Unsterblichkeit. In der Zeit der Häutung sind für die Reptilien Rückzugsmöglichkeiten sehr wichtig.

Die Schlange „fordert dich auf, nicht mehr von der Macht, die in dir ist, zu fliehen, sondern sie anzunehmen und zu leben“, beschreibt es Jeanne Ruland im Buch Krafttiere.[1] „Lass dich von ihr durch Schatten und Licht führen“.

Rückzug, (Selbst)Heilung, Weiblichkeit waren für die Klientin bedeutsame Impulse.  Die Klientin dachte bei ihre Schlange an eine schwarze Mamba, die wegen ihrer blau-schwarzen Mundhöhle so genannt wird. Ihr Gift tötet in Sekunden und dient gleichzeitig als natürliches Heilmittel. Töten und Heilen. Mit diesen gegensätzlichen Kräften könne sie viel anfangen. Sie sei dem Tod nach einem Unfall in jungen Jahren schon einmal begegnet und habe lange in Lebensgefahr geschwebt. Ein altes verdrängtes Thema, das sie gerade sehr beschäftige und für sie vielleicht schwerer „zu verdauen“ sei, als sie dachte. Auf die Dosierung kommt es an, meinte sie. Manchmal tauche sie wohl zu sehr in ihre dunklen Schattenwelten ab.


[1] Ruland (2006)

Weitere Beispiele:

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Neurodermitis – Krankheit als Bild

Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung. An den betroffenen Stellen lassen sich  Ekzeme finden, die sehr starken Juckreiz auslösen. Häufig zeigen sich die Ekzeme an Armbeugen und Kniekehlen, im Hals- und Gesichtsbereich aber auch an den Händen. Der Juckreiz variiert je nach Körperstelle, Tageszeit und subjektiver Belastung. Erlösung erfährt der Betroffene durchs Kratzen. Das führt zu einem Teufelskreis aus unerträglichem Juckreiz und einem Kratzen, das die Symptome dann noch verschlimmert.

Symptome im Zusammenhang mit der Haut, die als Berührungs- und Schnittpunkt zur Außenwelt dient, weisen auf das Thema Grenzen. Die Haut bringt uns in Kontakt mit anderen, der Welt. Über sie erleben wir Beziehung, Berührung und Zärtlichkeit. Wenn wir uns Neurodermitis auf einer Symbolebene anschauen, dann scheint der  Organismus bereit für eine Revolte. Die Seele juckt, es brennt lichterloh. Unterdrückte Aggressionen suchen sich brutal ihren Weg.

www.krankheit-als-bild.de

Alarm! Es brennt, Feuer, Flammen, Explosion!

Grundsätzliche Fragen:

  • Wobei hilft mir das Symptom?
  • Was ist die positive Absicht?
  • Wozu zwingt es mich?
  • Wo führt es mich hin?
  • Wovon hält es mich ab?

Neurodermitis:

  • Wo glaube ich „nicht aus meiner Haut“ zu können?
  • Was geht mir unter die Haut?
  • Wo kratzt und juckt es im Leben, wo schreit das Leben nach Veränderung?
  • Welche Grenzen muss ich einreißen?
  • Wo wäre es sinnvoll aggressiver und offensiver aufzutreten?

Eine kreative Umsetzung körperlicher Symptome schafft eine erweiterte Ebene. Kunst und Körper unterhalten sich in derselben Sprache. Es ist die Sprache der fühlenden intuitiven Seite in uns. Diese metaphorische Sprache erscheint nicht in Buchstaben, sondern in Bildern, Symbolen oder auch Eingebungen. Häufig drücken sich unterdrückte Themen im Körper aus. Es bilden sich Symptome aus, die eine bildhafte Sprache sprechen. Die Übersetzung von symbolischen Krankheitsbildern ist, wie bei Träumen, inneren Bildern und auch dem künstlerischen Ausdruck, oft nicht einfach. Die Kunst kann als Brücke dienen, um unsere assoziative Sprache besser zu verstehen. Dazu müssen wir Körpergefühle ermöglichen und einen verstehenden und mitfühlenden Kontakt zu unseren Symptomen schaffen.

Wenn das Symptom ein Tier wäre, welches wäre es?

Eine erweiterte intuitive Erkenntnisebene können wir durch eine Transformation des Symptomes in ein anderes Symbol initiieren. Es eigenen sich besonderes Tiere. Auch das Tier können wir künstlerisch umsetzen, um weitere intuitive Erkenntnisse zu erlangen. Auch ein Dialog mit dem Tier, den wir in einem Schreibprozess festhalten können, setzt Inneres frei. Zu den jeweiligen Tieren können wir neben den eigenen Assoziationen zusätzlich die Tiersymbolik recherchieren. Wenn das Symptom ein Tier wäre, welches wäre es für dich? Für die Erkrankte was es das Krokodil. Das Krokodil macht darauf aufmerksam, mit den Kräften zu haushalten und sie richtig einzusetzen (siehe etwa Ruland, Jeanne (2006). Krafttiere begleiten dein Leben. Hannover: Schirner Verlag).

Es spiegelt Themen wie:

  • Die Fähigkeit des Rückzugs und des Krafttankens. Balance und in Harmonie mit sich selbst (Bist du in Balance – Körper, Geist und Seele? wo findest du Rückzug? Was sind deine Kraftquellen?)
  • Verschwende keine Energien. Der Einsatz von Energie muss sich lohnen (wo vergeudest du deine Energie?)
  • Die Fähigkeit der Abgrenzung und Verteidigung (Kennst und bewahrst du deine Grenzen?)
  • Kampf ist das letzte Mittel. Wenn gekämpft werden muss, dann aber bitte richtig, so dass dein Kontrahent beim ersten Schlag die ganze Kraft zu spüren bekommt (Wo hältst du deine Aggressionen zurück? Wo kämpfst du zu wenig?)
  • Geduld (Wo fehlt dir Geduld, dass Dinge entstehen und wachsen dürfen?)
  • Unabhängigkeit; sich auf sich selbst und seine Fähigkeiten verlassen. (Traust du deinen Fähigkeiten?)

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Rosacea – Krankheit als Bild

Die Haut als Berührungs- und Schnittpunkt zur Außenwelt weist auf das Thema Grenzen. Die Haut bringt uns in Kontakt mit Anderen, der Welt. Über sie erleben wir Beziehung, Berührung und Zärtlichkeit. Bei der Rosacea steht einem die Röte ins Gesicht geschrieben. Die Symptome lassen sich nicht verbergen. Sie lässt uns an Scham denken. Wenn wir beschämt werden, dann werden wir rot im Gesicht.

www.krankheit-als-bild.de

Eine kreative Umsetzung körperlicher Symptome schafft eine erweiterte Ebene. Kunst und Körper unterhalten sich in derselben Sprache. Es ist die Sprache der fühlenden intuitiven Seite in uns. Diese metaphorische Sprache erscheint nicht in Buchstaben, sondern in Bildern, Symbolen oder auch Eingebungen. Häufig drücken sich unterdrückte Themen im Körper aus. Es bilden sich Symptome aus, die eine bildhafte Sprache sprechen. Die Übersetzung von symbolischen Krankheitsbildern ist, wie bei Träumen, inneren Bildern und auch dem künstlerischen Ausdruck, oft nicht einfach. Die  Kunst kann als Brücke dienen, um unsere assoziative Sprache besser zu verstehen. Dazu müssen wir Körpergefühle ermöglichen und einen verstehenden und mitfühlenden Kontakt zu unseren Symptomen schaffen.

Bluthochdruck – Krankheit als Bild

Das Herz rebelliert

Psychische Störungen und Prozesse finden oft im Körper einen Ausdruck, wenn sie im sprachlosen Raum gefangen sind. Unter den psychosomatischen Erkrankungen, die sich durch Körpersymptome zeigen, gibt es die so genannten „holy seven“: Magengeschwüre, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Bluthochdruck, Rheuma, Schilddrüsenüberfunktion, Neurodermitis (Siehe auch Neurodermitis) und Asthma. Es zeigen sich häufig somatoforme Störungen, bei denen keine körperliche Ursache für die Beschwerden zu finden ist. Typischerweise sind das Gelenkbeschwerden, Schwindel, Erschöpfung oder auch Schmerzen an der Wirbelsäule, ebenso wie eine allgemeine Unruhe und Nervosität. Auch Migräne, Angst- und Panikstörungen, Hörstürze, Schlafstörungen, chronische Entzündungen und Schlafstörungen können ein Hilferuf des Körpers sein. Viele Betroffene kennen auch die besondere Hautempfindlichkeiten (siehe auch  Rosacea ).

Bluthochdruck kann viele körperliche Ursachen haben. Eine umfassende Untersuchung ist daher unumgänglich. Bluthochdruck tritt oft auch im Zusammenhang mit  innerer Unruhe und Angst auf, vor allem nach psychisch stark belastenden Erlebnissen. Die metaphorische Ebene der Symptomatik deutet auf eine langanhaltende, dauerhafte Drucksituation hin. Betroffene sind in einer Art Dauererregungszustand. Etwas drückt von Innen, das nicht nach draußen kann.  Oft verbergen sich dahinter gehemmte Aggressionen und unterdrückte Wut, die aus Angst vor einer konflikthaften Auseinandersetzung verdrängt werden. Wenn der Druck im Außen erzeugt scheint, dann ist es der vom Bluthochdruck  Betroffene, der diesem Druck nicht entgegenwirkt, sondern ihn stattdessen aushält. Das Herz rebelliert.

www.krankheit-als-bild.de

Bluthochdruck: wie ein Dampfkochtopf ohne Ventil

Dahinter können Fragen stehen wie:

  • Was will sich Luft verschaffen und wird „unter dem Deckel gehalten“?
  • Darf ich den Konflikt aufsteigen lassen und lösen, der unter der Oberfläche brodelt?
  • Dürfen meine Aggressionen ans Licht kommen? Was passiert dann?
  • Kann ich die Kontrolle loslassen? Was will ins Fließen kommen?
  • Werde ich auch ohne Leistung geliebt?
  • Wo teile ich aus, statt mich mitzuteilen?
  • Wie kann ich meine eigenen Leistungsansprüche reduzieren?

Eine kreative Umsetzung körperlicher Symptome schafft eine erweiterte Ebene. Kunst und Körper unterhalten sich in derselben Sprache. Es ist die Sprache der fühlenden intuitiven Seite in uns. Diese metaphorische Sprache erscheint nicht in Buchstaben, sondern in Bildern, Symbolen oder auch Eingebungen. Häufig drücken sich unterdrückte Themen im Körper aus. Es bilden sich Symptome aus, die eine bildhafte Sprache sprechen. Die Übersetzung von symbolischen Krankheitsbildern ist, wie bei Träumen, inneren Bildern und auch dem künstlerischen Ausdruck, oft nicht einfach. Die Kunst kann als Brücke dienen, um unsere assoziative Sprache besser zu verstehen. Dazu müssen wir Körpergefühle ermöglichen und einen verstehenden und mitfühlenden Kontakt zu unseren Symptomen schaffen.

Zum Bild: „Die kreative Umsetzung dieses Themas in eine Bild hat mir neue Impulse gegeben. Ich war überrascht über die tiefen und farbigen Wurzeln, die sich im Werk zeigten. Ebenso berührte mich die Anbindung „nach oben“.  In mir entstand ein Gefühl davon, dass diese ganzen dunklen und schmerzhaften Seiten in uns, ins Fließen kommen müssen, sein dürfen, in die Wurzeln absickern können. Mein Impuls war, dass ich genau dort hinsehen muss, nicht wegsehen.“

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Kunstprojekt Kriegskinder

Wir starten ein neues Kunstprojekt: Kriegskinder – Die Schatten der Vergangenheit

Das Projekt startet im März 2020. Wir treffen uns zum Austauch in der Ev. Luth. Kirchengemeinde Harburg-Mitte in der Bremer Straße 15, 21073 Hamburg, Erstes Treffen 15.3.2020 … Infos hier entlang

Das Kunstprojekt wird im Rahmen der Harburger Gedenktage auf dem Harburger Kulturtag in der Kirchengemeinde St. Trinitatis Harburg mit einer einer Ausstellung der Werke eröffnet. Unter der Leitung des Kantors der Kirchengemeinde, Fabian Bamberg, wird das Thema zudem musikalisch aufgegriffen und zur Ausstellung in einem Musik-Potpourri präsentiert. Zudem planen wir auch noch einen Schreibworkshop mit Lesung.

Kunsttausch für Obdachlose

Das künstlerisch-kulturelle Integrations-Kunstprojekt zum sozialen Brennpunktthema Wohnen präsentiert im Habibi Atelier, Harburg Arcaden, Lüneburger Straße 39, 21073 Hamburg seine Werke:

  • Am Samstag, den 14.12.2019 von 14.00 bis 18.00 Uhr, mit künstlerischer Führung und Bürger*innendialog in Anwesenheit der Künstler*innen im Habibi Atelier um 15 Uhr, Projektleitung: Ulrike Hinrichs und
  • vom 2.12.2019, 16 Uhr bis 20.12.2019 im Rahmen des Kunsttausch für Obdachlose (Habibi Atelier, Projektleitung Sly)

Das Projekt „Wohnst du noch oder lebst du schon auf der Straße“ wird gefördert über das Bezirksamt Harburg durch den „Hamburger Integrationsfonds“

Was bedeutet Resonanz?

Rsonanz – Ulrike Hinrichs 2019

Resonanz

Um in Resonanz mit der Umgebung, anderen Menschen und Lebewesen zu wir gehen, müssen fühlen. Resonanz ist eine elementare Erfahrung von Lebewesen, die in uns etwas anklingen lässt. Wir schwingen mit, wir werden berührt, von anderen Menschen, Lebewesen, der Umgebung.

Wenn wir in Resonanz gehen, tanzen wir mit dem Leben.

Das Phänomen der Resonanz wird aktuell in unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen diskutiert.[1] Auch im Alltagssprachgebrauch hat sich der Begriff Resonanz manifestiert. Die Bedeutung von Resonanz hat zwar einen gemeinsamen Ursprung, allerdings werden Resonanzphänomene je nach wissenschaftlichem Ansatz und Weltbild unterschiedlich gedeutet. Übereinstimmend wird unter Resonanz ein Phänomen der wechselseitigen Bezogenheit, ein „Mitschwingen“, verstanden.[2]

In der Musik bezeichnet man das Mitschwingen einer nicht gespielten Saite beim Ertönen eines gleichgestimmten Instruments als Resonanz. In der Physik und Technik beschreibt Resonanz das verstärkte Mitschwingen eines schwingungsfähigen Systems.[3]Resonanz beschreibt darüber hinaus auch das Einschwingen des Einzelnen auf andere Menschen und die ihn umgebende Welt.

„Emotionale Resonanz als eine bestimmte Form zwischenmenschlicher Interaktion ist eine basale Erfahrung jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Sie meint eine ganzheitliche Form des Aufeinander-bezogen-Seins und bezieht als prä- bzw. extraverbales Beziehungsgeschehen die seelische, körperliche und geistige Ebene gleichermaßen mit ein. Emotionale Resonanz ist in einem weiteren Kontext ein „transverbales“ Phänomen, in dem letztlich das Geheimnis des Angerührt-Werdens zum Ausdruck kommt. Emotionale Resonanz lässt in uns etwas anklingen und berührt uns. Ob, wann und in welchem Ausmaß etwas in mir oder im Anderen anklingt, ist weder machbar noch kontrollierbar und erhält letztlich eine spirituelle Dimension“, konstatiert etwa die Musiktherapeutin Gindel.[4]

 

Mehr dazu in meinem Fachbuch Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824


[1] Hartmut Rosa (2016, S. 246). Resonanz

[2] Lumma, Klaus – Michels, Brigitte – Lumma, Dagmar (2009, S. 16). Quellen der Gestaltungskraft.

[3]Hartmut Rosa (2016). Resonanz.

[4]Gindel, Barbara (2001, S. 39). Anklang finden – emotionale Resonanz. In: Storz, Dorothee; Oberegelsbacher, Dorothea.Wiener Beiträge zur Musiktherapie, Band 3, Theorie und klinische Praxisals psychotherapeutisches Grundprinzip.