Trauergruppe

Wir sterben nicht, weil wir krank sind, sondern weil wir leben

Michel de Montaigne 1533 – 1592

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engel_hospizHeimreise Ulrike Hinrichs 2012 – Original hängt im Hospiz Nordheide gGmbh

Für meinen Vater * 01.05.1944 †10.10.2012


Trauer braucht Ausdruck

Jede Trauer ist ganz individuell, sie ist eine Reaktion der Seele, die schmerzlichen Geschehnisse zu verarbeiten. Trauer ist daher ein wichtiges und gesundes Gefühl. Sie ist das Spiegelbild der Liebe, unserer Liebe für den verlorenen Menschen. Der Verlust eines Menschen ist schwerwiegend. Die Trauer kann einem den Boden unter den Füßen wegreißen. Sie ist eines der schmerzlichsten Gefühle, das wir kennen. Im Schmerz fühlen wir uns oft allein gelassen. Es vermischen sich in der Trauer verwirrende und teils sich auch widersprechende Gefühlszustände, wie Verzweiflung, Sehnsucht, Leere und Einsamkeit, aber auch Wut und Zorn.

Gruppenangebote

Trauergruppe für Frauen: Abschied von meinem nie geborenen KindTrauergruppe für kinderlose Frauen

Trauergruppe TrauerKunst

Im künstlerischen Schaffen finden wir einen Raum zur Verarbeitung unserer manchmal auch widersprüchlichen Gefühle. Innere Bilder und fehlende Worte finden im kreativen Schaffen ihren Ausdruck. Wir arbeiten mit unterschiedlichen künstlerischen Materialien, Farben, Collage, Poesie, Musik. Durch das künstlerische Schaffen kommen wir ins Fühlen und nehmen den Moment wahr. Wir gestalten den kreativen Prozess intermedial. Nicht nur das Malen und plastische Gestalten, sondern begleitend auch Poesie und Musik setzen die Sprache der inneren Bilder frei. So kreieren wir auch immer wieder einfache Gedichte und Texte, die wir mit dem gemalten Werken kombinieren. Gedanken und Gefühle können sich auf diese textspielerische Weise schöpferisch lösen und poetisch verarbeitet werden.

Im schöpferischen Prozess können wir zum Beispiel:

  • auftauchende Erinnerungsbilder und Gefühle würdigen und verarbeiten,
  • Kontakt zu den Verstorbenen pflegen,
  • das innere Licht stärken,
  • Abschied nehmen,
  • wenn die Zeit reif ist, Frieden schließen und
  • erste neue Schritte wagen,
  • das eigene Kunstwerk als Tor für Zukünftiges erleben.

 

Beispiel aus einer Sitzung: Die Aufgabe bestand darin, den eigenen Handumriss zu malen und das Bild zu vervollständigen. Dem Bild wurde abschließend von der Künstlerin ein Titel gegeben. Der Titel lautet Verbundenheit.
Zu dem Bild haben wir im Anschluss ein „Wort-Akrostichon“ gefertigt. Man nimmt für diese intuitive Versform den Anfangsbuchstaben eines Wortes (hier den Titel des Bildes Verbundenheit) und fängt damit den Satz für die erste Verszeile des Gedichtes an. Für die zweite Zeile verwendet man den zweiten Buchstaben usw. So entsteht ein berührendes Gedicht.
Wir haben sogar noch einen weiteren Text gefertigt, indem wir ein so genanntes „Satz-Akrostichon“ ergänzt haben. Grundlage dazu war das entstandene Gedicht aus dem eine ganze Zeile nach Belieben ausgewählt wurde. Die Teilnehmerin entschied sich für den Satz: In der Welt sein. Das erste Wort dieser Zeile verwendet man für die erste Zeile des neuen Gedichtes und das folgende Wort im Satz für die zweite Zeile, usw. 

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Kinder- und Jugendgruppe Trauerkind

Kinder haben weniger als Erwachsene die Möglichkeit, sich mit ihrer Trauer zu artikulieren und reflektieren. Bei einem Verlust in der Familie sind sie doppelt belastet, da die Trauer das ganze familiäre Umfeld in eine Krise stürzt und daher oft die Gefühle des Kindes nicht aufgefangen werden können. Kinder fühlen sich einsam und nicht selten auch existenziell bedroht, da ihr Sicherheitsgefühl erschüttert ist. Andererseits haben Kinder einen ganz natürlichen Zugang zu ihrer Intuition und Kreativität, den man in der kunsttherapeutischen Beratung besonders gut unterstützen kann. Kinder haben in der Trauergruppe die Möglichkeit, sich an einem geschützten Ort mit ihrer Trauer kreativ auszuleben, um Wunden heilen zu lassen.

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Loslassen und Abschied

1982Als Teenager habe ich dem Tod schon einmal in die Augen gesehen, als ich an einer schweren Krankheit, einer aufsteigenden Polyneuropathie, die mein gesamtes Nervensystem lahm gelegt hat, erkrankte und über Monate von Kopf bis Fuß gelähmt im Krankenhaus lag. Die Sprache war ebenso beeinträchtigt wie das Sehen, ich musste wegen Schluckstörungen künstlich ernährt werden und stand kurz  vor einer oft tödlich verlaufenden Atemlähmung. Als die Symptome sehr langsam zurückgingen, musste ich unter starken Schmerzen wieder Laufen lernen, saß lange im Rollstuhl. Das Bild stammt aus den Jahren danach, 1982, als ich zwar physisch aber nicht seelisch wieder genesen war. Die Themen Loslassen und Trauer liegen mir nicht nur deshalb besonders am Herzen. Der Tod ist der größte Akt des Loslassens, Zeit unseres Lebens begegnen uns „kleine Tode“, vielleicht als Vorbereitung für den großen Abschied.

Der Tod gehört zu unserem Leben dazu und bleibt für uns gleichzeitig das größte und schmerzhafteste Rätsel des Menschseins. In unserer Gesellschaft wird der Tod aus dem Leben ausgegrenzt. Das ist nicht nur schade, sondern meines Erachtens auch ein großer Fehler. Ich bin davon überzeugt, dass nur die Einbeziehung des Todes in unser Leben eine Versöhnung mit dem Ende verschaffen kann.

Der Tod öffnet uns auch den Blick für die großen Menschheitsfragen: Was kommt danach? Meine Überzeugung ist, dass unser individuelles Bewusstsein als Bestandteil des Universums nach dem Tod in das universelle Bewusstsein zurückkehrt. Es gibt in der Quantenphysik Ansätze, die konstatieren, dass Bewusstsein neben den uns bekannten Dimensionen eine weitere von vielen anderen Dimension des Universums ist. Die Forschung geht derzeit davon aus, dass das Universum nicht nur aus drei bzw. vier Dimensionen (= Zeit (Einstein) ) besteht, sondern dass es sich aus bis zu zwölf oder sogar noch mehr Dimensionen (Stringtheorie) aufbauen könnte.

Ich bin offen für alle Religionen und interessiert an allen spirituellen Ansätze und Ideen, siehe auch unter Art&Spirit. Und ich habe auch großen Respekt vor Menschen, die keinen Glauben haben, denn auch ich habe lange Zeit in meinem Leben mehr als nur Zweifel am Glauben und an spirituellen Ideen gehabt. Und immer wieder einmal stelle ich mir kritische Fragen.

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Ich habe von 2014 bis 2016 ehrenamtlich die Trauergruppe Trauer kreativ des Hospizverein Hamburger Süden e.V. geleitet. Nunmehr betreue ich die Trauergruppe Trauerkunst im Biff Frauenberatungstelle.

Hospizbrief_Hospizverein Hamburger Südeb e.V. Nr13_2015 mit einem Beitrag von mir

Trauergedichte von Ulrike Hinrichs >>

Dantes Inferno – Akron 2000

Obwohl du glaubst, mich nicht zu kennen, bin ich dir näher als dein Atem, der in dir pulst. Ich bin alles, ich war alles und werde immer alles sein, wenn ich auch gestern weniger war als heute und morgen mehr sein werde als ich vielleicht heute bin. Mein Wesen ist das Unsterbliche, und es ist unmöglich, mich zu erfassen, ich bin mehr als du je sehen wirst, ich bin mehr als du begreifen kannst und trotz allem bin ich auch nur ein Teil von dir. Uns wurde ein Erlebnis zuteil, das uns verbindet, und auch wenn du mich wieder vergisst, wird dein Geist mich in Erinnerung behalten als der, mit dem er einen Atemzug lang schwanger ging. Nur die Erinnerung kann dich erretten vor den schattenhaften Spiegelungen deiner Seele, und du musst erkennen, dass du alles bist und doch nichts. Solange du nicht erkennst, gibt es kein Entrinnen, dein Schatten holt dich ein, wo immer du dich zu verstecken suchst. Aber wenn du mir deine Hand reichst und mit mir hinabtauchst zu den Quellen der Urgründe, so wirst du dich an Erlebnisse erinnern, die Seelen nicht sehen können, weil sie sie verdrängen, auf dieser Reise durch die Schatten, die mit diesen Worten sowohl neu beginnt wie auch zu Ende geht.