Weiblicher Narzissmus

Narzissmus sei nicht nur das egozentrische Kreisen um sich selbst, sondern, tiefer gefasst, die verzweifelte Suche nach sich selber und nach Grenzen, beschreibt es Bärbel Wardetzki in ihrem Buch „Weiblicher Narzissmus“.

Narzissmus lässt sich in männlichen und den weniger bekannten weiblichen Narzissmus unterscheiden. Diese Zuordnung beschreibt narzisstische Persönlichkeitsanteile und stellt keine Geschlechterzuordnung dar. Männer können weiblich narzisstische Anteile zeigen und Frauen männliche, ebenso gibt es Mischformen. Siehe dazu meinen Beitrag

Autonomie versus Symbiose

Diese unterschiedlichen Ausprägungen von männlichem und weiblichem Narzissmus äußern sich besonders deutlich im Bindungsverhalten. Während die männliche Form nach Autonomie strebt, spiegelt die weibliche Energie die Sehnsucht nach vollkommener Symbiose. Der männliche Typus reagiert mit Vermeidung, der weibliche mit Anklammern. Menschen mit starken weiblich-narzisstischen Anteilen reagieren mit Überanpassung. Dies führt oft zur vollständigen Selbstaufgabe. Beide Anteile sind im narzisstischen Störungsbild vorhanden, eine Variante dominiert nach außen aber die betroffene Person. Unter der grandiosen Fassade (männlicher Narzissmus) läge eine Depression (weiblicher Narzissmus), und vice versa, so Wardetzki.

Betroffene mit einer weiblich-narzisstischen Störung bestimmt ein schwaches Selbstwertgefühl, das oft mit Attraktivität, Leistung und Perfektionismus auszugleichen versucht wird. Nach außen wirken sie selbstbewusst, so dass sich ihre Minderwertigkeitsgefühle nicht vermuten lassen.

Tue dies nicht, mach das richtig“. Betroffene hören viele innere Verbotsstimmen. Versagen führt zu innerer Bestrafung. Die Bedürfniserfüllung der Wünsche anderer Menschen gelingt vom weiblichen Narzissmus Betroffenen gut, ihre eigenen Wünsche bleiben in Beziehungen jedoch auf der Strecke. „Das Fehlen einer äußeren Grenze zeigt sich in der Unfähigkeit, sich gegenüber anderen Menschen und deren Gefühlen abgrenzen zu können. Diese Frauen zeigen dann Tendenzen, sich in dem anderen aufzulösen und von fremden Gefühlen anstecken zu lassen“, so Wardetzki (S. 68). Begleitet wird der weibliche Narzissmus von einer unerträglichen Trennungsangst, die darauf hinweist, dass die betroffene Person in der Vergangenheit, vor allem in der Kindheit, keine sichere Beziehung erlebt hat.

Narzisstische Wut

Kennzeichnend ist auch eine unbändige „narzisstische Wut“, die im Ausmaß Explosionskraft hat. Sie kann oft auch als Verlassenheitsgebärde, wie ein Schrei nach Nähe, gedeutet werden kann. Die Wut ist vor allem aber auch ein Ausdruck der unterdrückten Autonomie. Die Form des weiblichen Narzissmus mit symbiotischer Selbstaufopferung, die bis zur völligen Selbstaufgabe gehen kann, unterdrückt die innere Freiheit und Selbstbestimmung, die sich einen Weg suchen.

Wut ist Energie

Wut hat keinen guten Ruf, sie wird auch gesellschaftlich als inakzeptabel bewertet. Allerdings hat die Wut eine unbändige positive Kraft. Wut ist Energie. Sie fordert uns auf, die Stimme zu erheben, die eigene Meinung zu äußern, für die eigenen Wünsche einzutreten, Grenzen zu setzen und handlungsfähig zu werden. Wut sagt: „Stopp, hier stimmt etwas nicht“. Wut schenkt die Kraft zur Veränderung. Erst wenn die Wut zu lange unterdrückt wird und sich dann explosionsartig Raum schafft, entfaltet sie eine zerstörerische Kraft.

Für Betroffene ist wichtig, die destruktiven Muster zu erkennen und der Wut Raum zu lassen, indem man kontrolliert die Kontrolle abgibt. Neben psychotherapeutischer Begleitung kann die auch der künstlerische Ausdruck dabei helfen. Betroffenen kann ich auch sehr das Buch „Wutkraft“ von Frederike von Aderkas empfehlen.

Siehe auch:

Wutausbruch

Ulrike Hinrichs (2022)

Literatur

  • Bärbel Wardetzki (2020). Weiblicher Narzissmus  – Der Hunger nach Anerkennung“ (Kösel)
  • Frederike von Aderkas (2021). Wutkraft. (Beltz)

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Unser Gehirn liebt Rituale und Zeremonien auf dem Weg der Heilung

Kettenreaktion

Gebetsketten kennen wir aus vielen Religionen. Im Buddhismus und Hinduismus ist es die Mala, im Islam die Tesbih und Christentum der Rosenkranz. In der schamanischen Praxis werden Perlenschnüre aus kleinen Knochen verwendet. Die Katholiken zählen an den Perlen des Rosenkranzes ihre Gebete ab. Im Buddhismus hilft die Mala zur Vertiefung in der Meditation. Im Islam benutzen die Moslems ihre Gebetskette um den Namen Allahs zu preisen. Gemeinsam haben die Gebetsketten die rituelle Wiederholung.  Bei diesen meditativen Erfahrungen werden im Gehirn durch die tiefe Entspannungssituation Theta Frequenzen aktiviert. Der Theta Bereich steigert die Empfänglichkeit für innere Bilder und die Intuition. Bei gemeinschaftlichen Gebeten synchronisieren und vernetzen sich die Gehirne der Menschen.[1] „Synchronisierte Schwingungsprozesse“ sind das „verknüpfende Prinzip der Interaktion von Gehirn, Körper und Umwelt“, so Fuchs.[2] Auch künstlerische Prozesse bringen uns in einen Flow und wecken bestenfalls diesen Bereich der Theta Wellen. In solchen Entspannungssituationen kommt es zu einem intensivierten inneren Erleben, das oft von einem verstärkten inneren Bilderfluss begleitet wird. Die Intuition wird in Problemsituationen durch vergangenheitsgeleitete Denk- und Gewohnheitsmuster eher blockiert und im Umkehrschluss durch Herausforderungen und neue Situationen geschärft.

Unser Gehirn liebt Rituale und Zeremonien

Wir können künstlerische Prozesse als Rituale und Zeremonie nutzen, um Veränderungsprozesse zu bewältigen. Vor allem unsere ältesten Gehirnteile, der Hirnstamm und das limbisches System, lieben Rituale und Zeremonien. Der Mandelkern  (Amygdala) und der Hippocampus als Teil des limbischen Systems regeln vor allem unsere emotionalen Reaktionen. Insbesondere die Entstehung von Angst ist im Mandelkern verankert. Das limbische System prüft einströmende Umweltreize und reagiert mit Emotionen wie  beispielsweise mit Wut, Gewalt und Angst auf Stresssituationen. Es sichert unser Überleben durch schnelle Reaktionen. In lebensbedrohlichen Gefahrensituation wird unmittelbar mit Flucht, Angriff oder Erstarrung reagiert. Durch unverarbeitete Traumata sind unsere Angstzentren oft übersensibel, reagieren also auch, wenn gar keine wirkliche Gefahr vorhanden ist. Gerade in Situationen, die an ein ursprüngliches Trauma erinnern, reagiert unser System hochsensibel.

Zeremonien verankern Lernerfahrungen

Zeremonien und Rituale helfen, Angst zu bewältigen und Veränderungsprozesse zu begleiten. Zeremonien durchbrechen die Alltagsroutine, ziehen damit Aufmerksamkeit und verankern Lernerfahrungen. Sie unterstützen Transformationsprozesse. Wir kennen solche Zeremonien für Übergangs- und Veränderungsprozesse in vielen Lebensbereichen. Taufe, Konfirmation oder Jugendweihe, Trauerfeiern, Hochzeiten, Geburtstage, sind einige davon.

Mit Zeremonien meine ich keine komplexen gar religiös gesetzten Abläufe. Eine kleine Zeremonie kann auch ein bewusst gestaltetes Bild zu einem schwierigen Lebensthema sein. Ich kann mir künstlerisch ein Krafttier oder einen sicheren Ort erschaffen oder auch ein altes Trauma begleitend künstlerisch verdauen (siehe zum Beispiel Die Weisheit der Wunde entdecken).

Jenseits unseres Verstandes, der zwar viele Dinge verstehen, aber nicht begreifen kann, sprechen wir mit Zeremonien unsere Seele an. Sie bevorzugt und versteht eine Sprache der Bilder, Mythen, Zeremonien, Märchen und Geschichten. Unser innerer Heiler/ unsere innere Ärztin wird erweckt.

Ulrike Hinrichs 2021

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Literatur


[1] Mehr dazu in meinem Buch “Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen “

[2] Fuchs, Thomas (2008, S. 7). Geleitwort. In: Scheuerle, Hans Jürgen. Das Gehirn ist nicht einsam. Resonanzen zwischen Gehirn, Leib und Umwelt. Stuttgart: Kohlhammer.

Symptombild – Der Beschützer

www.krankheit-als-bild.de

Das Kunstwerk ist Ausdruck einer Bildsprache, die sich in Metaphern und Symbolen zeigt. Kinder haben einen besonders guten Zugang zu dieser Bildersprache. Sie stellen Themen, Ängste und Anliegen ganz von selbst in symbolischer Form dar. Sie haben Zugang zu anderen Wesen, Hexen, Königen, Gespenstern, Monstern. Realität, Traumwelt und Fantasie sind für Kinder noch fließende Zustände.

Je älter wir werden, desto mehr setzen wir auf das rationale Denken. Die Kunst wird in Schulnoten bewertet. Malen, Singen, Tanzen, Märchen erzählen und Geschichten erfinden werden in einer leistungsorientierten Gesellschaft als nicht so wichtig angesehen. Dabei verbirgt sich hinter der vermeintlich kindlichen Beschäftigung unser Zugang zur Welt des Unbewussten.

Während unsere rationale Sprache von unserer linken Hirnhälfte dominiert wird, wechseln wir bei der metaphorischen Sprache der Bilder auf unserer rechte Hemisphäre. Hier treffen wir auf unsere Intuition. Der Ökonom und Manager Otto Scharmer spricht vom „Impuls aus der Zukunft“, den wir erhaschen. Scharmer entwickelte für das intuitive Führen in Unternehmen eine Anleitung für das Auffinden zukunftsgeleiteter Lösung über die Aktivierung der Intuition.[1] Er stellt dar wie vergangenheitsgeleitete Muster aus der Gewohnheitswelt (Ratio) unterbrochen  und Lösungen aus der im Entstehen begriffenen Zukunft gefunden (precencing) werden können (Intuition).[2]

„Was ist im Entstehen? Was will gesagt, gehört, gefühlt, gesehen werden?“

Diese zwei unterschiedlich funktionierenden Systeme, Ratio und Intuition, beschreibt der Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft Daniel Kahnemann als zwei Grundformen des Denkens.[3] Das langsame Denken entspricht dem uns bekannten rationalen Denken, während das schnelle Denken der Intuition entspringt. Die Ethnologin Dr. Kessler bezeichnet das schnelle Denken synonym als das nach innen gerichteten „wilde Denken“, ein Begriff, der mir besonders gefällt.

Nach dieser kurzen theoretischen Einführung schauen wir auf das entstandene Kunstwerk. Der Auftrag in unserer Gruppe Krankheit als Bild lautete, ein Bild vom Symptom zu malen. Das könnte ein Wesen sein, dass die Erkrankung darstellt, oder auch ein Abbild vom eigenen Körper mit Symptom. Die Aufgabe sollte frei interpretiert werden. „Symbole können zum einen die Wirklichkeit versinnbildlichen, zum anderen wohnt ihnen aber auch die Kraft inne, einen Transformationsprozess einzuleiten – also die Wirklichkeit zu verändern.“[4] Die symbolische Darstellung eines Symptoms in einem Bild ist bereits für sich genommen eine Transformation in etwas anderes, neues, unbekanntes.

Die Künstlerin des hier gezeigten Werkes leidet unter anderem unter Arthrose und auch unter wiederkehrenden Depressionen. Zudem berichtet sie von einer erhöhten Geräuschempfindlichkeit bei gleichzeitiger Schwerhörigkeit.

Zu dieser Symptomatik sehen wir auf dem Bild eine Figur mit elefantengroßen Ohren. Blitze dringen von außen in den Kopf der Gestalt. Die grüne Hand mit roter Markierung am Daumengelenk steht für die schmerzhaften Gelenkentzündungen und die Versteifung durch die Arthrose.

In der Gruppe kam u.a. die Assoziation einer Inka Statue auf. Auch ich musste an einen schamanischen Heiler denken. Die großen Ohren, die die Hörbeeinträchtigungen symbolisieren,  erinnern an Buddha, der ebenfalls mit großen Ohren dargestellt wird. Der dunkelgrüne Stab in der Mitte des Bildes sei nicht beabsichtigt gewesen, so die Klientin. Mir erscheint er wie ein Werkzeug, das die Figur mahnend bereithält, falls jemand die Grenze überschreiten sollte. Die grüne Hand zeigt plakativ eine Geste als Stoppzeichen.

Die Assoziationen der Gruppenbeteiligten hatten alle eine ähnliche Botschaft im Bild entdeckt. „Bis hierhin und nicht weiter, Stopp“. Es ist Zeit, … es ist überfällig, Stopp zu sagen. Diese Erkenntnis war auch für die Klientin stimmig. Und sie war auch nicht neu. Es ist aus meiner Sicht sehr hilfreich, wenn sich in einem Bild etwas manifestiert, das zwar nicht immer unbedingt eine neue Erkenntnis, dafür aber eine wichtige Bestärkung darstellt. Die Rückmeldungen der Gruppenteilnehmerinnen unterstreichen damit etwas, was für die Betroffene vielleicht noch mehr Unterstützung braucht. Es ist ein tiefes Bezeugen und Bekräftigen der Gruppe, eine elementare Einsicht auch wirklich umzusetzen.

Fragen könnten lauten:

  • Wie kannst du Stopp sagen? Wie sieht das ganz konkret im Alltag aus?
  • Welche Befürchtungen hast du, wenn du  Stopp sagst?
  • Zu wem oder was musst du sehr dringend Stopp sagen?
  • Wo musst du deine Grenzen erkennen und ziehen?
  • Wer oder was hat deine Grenzen schon überschritten?
  • Wie findest du Gehör?
  • Was soll und muss endlich gehört werden?
  • Wie kannst du das Geplapper im Außen reduzieren und mehr nach Innen kehren?
  • Wie kannst du trotz deiner Einschränkungen in deine Kraft gehen?
  • Wie kannst du die Pfeile und Blitze, die deinen Kopf beschießen, umdrehen, nach außen drehen?
  • Was muss von außen nach innen, was muss von innen nach außen gewendet werden?
  • Wovon brauchst du mehr, wovon weniger?
  • Was muss endgültig beendet, ein Schlussstrich gezogen werden?
  • Wie kannst du deine eigene Heilerin sein?

Ulrike Hinrichs 2021

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 


[1] Scharmer (2009), in der Organisationsentwicklung auch Roberston(2016).

[2] Scharmer, Otto C. (2009). Theorie U: Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik.

[3] Kahnemann, Daniel (2011). „Schnelles Denken, langsames Denken“,

[4] Vilolodo, Baron-Reid, Lobes (2021, S. 11). Das schamanische Seelenorakel. Begleitbuch Ansata Verlag

Krankheit als Bild – Die vier Elemente

www.krankheit-als-bild.de

Krankheit als Bild. Wie kann ich meinen Körper besser verstehen? Ich veröffentliche dazu regelmäßig Beiträge zu Praxisfällen unter www.krankheit-als-bild.de. Die Kunst hilft uns bei der Übersetzung der Sprache des Körpers. Denn Kunst und Körper sprechen dieselbe metaphorische Sprache.

Feuer – Wasser – Erde – Luft

Symbole kommen in unserer Welt immer wieder vor. Sie sind Sinnbilder; Zeichen, die für etwas Anderes stehen. Ein Symbol  schließt nicht aus, sondern ein. Anders als Worte, begrenzt es nicht. Symbole – wie die vier Elemente – geben zunächst einmal eine individuelle Resonanz, die sich oft auch mit einer kollektiven Bedeutung deckt. Die vier Elemente als Essenz des Lebens haben eine lange Tradition in unterschiedlichen Kulturen und Epochen, wie der griechischen Philosophie, dem Schamanismus, der Alchemie und der chinesischen Kultur (dort fünf Elemente).[1] 

Welches Element zieht dich im Kontext deiner Erkrankung an? Die Klientin aus meienr Gruppe Krankheit als Bild“ wählte für ihre Gelenkschmerzen am linken Daumen und Zeigefinger das Element Feuer.

„Feuer verzehrt alles, womit es in Berührung kommt. Seine Flammen erinnern uns an die Vergänglichkeit allen Seins und daran, wie schnell Situationen ins Gegenteil schlagen können. Feuer ist Leidenschaft, und das Tanzen der Flammen lädt uns ein, nach den Sternen zu greifen. Wäre und Licht sind himmlisch, doch allzu viel Hitze droht uns zu versengen.“[2]

Das Element Feuer versinnbildlicht eine innere Kraft. Das Feuer gibt uns Licht. Auf einer seelischen Ebene repräsentiert es vor allem Inspirationen, zündende Ideen und Geistesblitze. Wenn es außer Kontrolle gerät, kann es sehr schnell alles vernichten.

Wir haben zum Bild ein Elfchen gefertigt, ein Gedicht mit 11 Wörtern, das bestimmten Regeln folgt. Die Klientin hat die Poesie in das Kunstwerk eingearbeitet.

Hand

Im Feuer

Der Schmerz brennt

Ich will das nicht

Energie

.

Energie als stärkender Gegensatz zu Schmerz

Interessant für die Klientin war der Aspekt der Energie als stärkender Gegensatz zu Schmerz und des Widerstandes.

Fragen zum Feuer könnten lauten:

  • Wofür brennst du wirklich?
  • Wo brennt / schmerzt es?
  • Wo steckt der Schmerz fest?
  • Wie kannst du das Element Feuer in dein Leben holen?
  • Wie kannst du dein Herz an deinem inneren Feuer wärmen?
  • Ist dein Leben starr geworden?
  • Wo/ wie begegnet dir das Thema Feuer im Alltag?
  • Braust du leicht auf und wirst wütend?
  • Hast du das Gefühl, zu feurig zu sein?

Unser Gehirn liebt Rituale

Unser Gehirn liebt Rituale, wenn wir Veränderungsprozesse verstärken und durchalten wollen. Wir kennen Rituale für Übergangs- und Veränderungsprozesse in vielen Lebensbereichen. Taufe, Konfirmation oder Jugendweihe, Trauerfeiern, Hochzeiten, Geburtstage, sind einige davon. In allen Religionen und spirituellen Richtungen nehmen Zeremonien und Rituale einen großen Stellenwert ein. Wir sprechen damit unsere Seele an, die jenseits unseres Verstandes eine Sprache der Rituale, Bilder, Mythen, Märchen und Geschichten bevorzugt und versteht.

Rituale helfen, den Transformationsprozess einzuleiten. Lass daher ab und zu ganz bewusst ein Feuer (z.B. Kerze) für dich brennen.

Ulrike Hinrichs 2021

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 


[1] Siehe dazu auch in meinem Buch: Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen. Synergia Verlag

[2] Villoldo, Alberto; Baron-Reid, Colette; Lobos, Marcela (2021, S. 58). Das schamanische Seelenorakel. Begleitbuch. Ansata.

Symptombild – Die zerfließende Hand

„Symptombild“ – Drachenfinger

Krankheit als Bild

In meiner Sammlung von Artikeln zum Thema Krankheit als Bild möchte ich in diesem Beitrag ein „Symptombild“ beleuchten und mit Ihnen teilen.

www.krankheit-als-bild.de

Die Klientin hat Gelenkschmerzen im Daumen und Zeigefinger der linken Hand. Zudem sind die Fingerkuppen der betroffenen Glieder taub. Vor allem nach einer längeren Ruhephase, besonders nach dem Nachtschlaf. Die Finger fühlen sich dann sehr starr an.

Für die kreative Umsetzung des Symptoms habe ich angeregt Aquarellfarbe zu wählen, um den fließenden Farben Raum zu geben. Die Aufgabe lautete, das Symptom im Sinne eines Körperbildes zu malen. Für die Klientin lang nahe, im ersten Schritt ein Abbild der Hand zu zeichnen. Dazu hat sie die Handumrisse mit Bleistift nachgezogen und anschließend mit Farbe gefüllt.

Die Klientin war überrascht über den ausgefransten Symptombereich, der sich farblich deutlich von den anderen drei Fingern abgrenzt. Die ganze Hand wirke fragmentiert. Daumen und Zeigefinger erschienen wie in einem Auflösungsprozess oder gar Zerfall. Die teils dunkelrote Farbe erinnere sie an Blut.

Faszinierend sind auch die Vögelchen, die sich auf den Fingerspitzen zeigen, wobei sie in verschiedenen Richtungen schauen. Mir kam die Redewendung „Die Spatzen pfeifen es vom Dach“ in den Sinn.  Zwischen Daumen und Zeigefinger sitzt ein roter Drache, sein Schwanz baumelt in der Luft. Durch diesen Drachen erscheint die Hand nun mit sechs Fingern bzw. einem „Finger-Wurmfortsatz“. Der Wurm ist an dieser Stelle interessant, da er auch in einem anderen Werk der Klientin auftauchte, siehe Arthritis – Krankheit als Bild.

Die Kunst als Sprache ist oft rätselhaft, wie bedeutungsvolle Träume, die wir nicht immer gleich verstehen können. Daher ist es wichtig, welche Assoziationen uns und anderen kommen, wenn wir das Bild betrachten. Wir gehen bei der Bildbetrachtung in Resonanz mit unbewussten Themen. Auch die archetypische Bedeutung kann einem beim Verstehen der Bildsprache weiterbringen.

Daumen und Zeigefinger

Die symbolische Bedeutung der betroffenen Symptombereiche gibt uns erste Ansatzpunkte.

Nach dem Arzt Ruediger Dahlke (Buch: Krankheit als Symbol) macht der Daumen durch seine Sonderstellung das Greifen erst möglich. Er ist ein Polaritätssymbol. Er  steht für Durchsetzungskraft, das Leben in den Griff bekommen, zupacken. Der Zeigefinger zeigt uns die Richtung und den Weg. Als erhobener Zeigefinger steht er auch für Ermahnungen und Schuldzuweisung. Im Yoga deutet der Daumen auf Brahman, das Absolute, Gott; der Zeigefinger symbolisiert das Ego.

Das sind Fragen, die relevant sein könnten:

  • Wie kann ich Älterwerden und trotzdem noch beherzt zupacken?
  • Wie kann ich die belastende Vergangenheit und Schuldzuweisungen loslassen?
  • Wie bekomme ich das Ego (mit der großen Angst vor dem Tod) und die spirituelle Weisheit in Einklang?
  • Wie kann ich die Taubheitsgefühle aus alten Zeiten überwinden?

Drachenfinger

Der Drache als mystisches Wesen steht für Ganzheit und uraltes Wissen. Auch hier geht es um das Zusammenbringen und Vereinigen von Polaritäten. Zum „Drachenfinger“ fällt mir der „sechste Sinn“ ein. Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken, die fünf Sinne sind uns allen bekannt. Sie eröffnen uns den Zugang zur Welt. Doch es gibt einen sechsten oft vernachlässigt Sinn, der die Tiefensensibilität beschreibt. Er überliefert etwa die Haltung unseres Körpers im Raum. Durch ihn wissen wir, ob wir stehen, sitzen, liegen oder welche Haltung wir haben. Nach dem sechsten Sinn folgt in meinen Gedanken noch der siebte Sinn als unsere Intuition. Ich berichtete der Klientin von meinen Gedanken und frage, ob sie damit etwas anfangen könne.

Die Frage „wo stehe ich?“ macht für mich in einer übertragenen Bedeutung Sinn. Ich fühle mich in einer großen Umbruchphase, die auch mit meinem fortgeschrittenen Alter zu tun hat. Tod, Zerfall, Auflösung, Transformation sind oft präsent in meinen Gedanken. Es ist eine innere Ausrichtung und Neuorientierung nötig. Ein Zusammenführen von Polaritäten, Leben und Tod.

Die Spatzen pfeifen es vom Dach

Der Vogel ist ein Symbol der körperlosen Seele, der freien Gedanken und der Transzendenz. Vögel sind Geister der Luft. Nach der Bibel stehen Vögel als Symbol des Wandels. Und auch das sprachliche Bild, wonach Vögel die Geheimnisse verbreiten, geht schon auf die Bibel zurück. Die Redewendung „Die Spatzen pfeifen es vom Dach“ besagt, dass es eigentlich doch schon alle wissen. Das Geheimnis wird schon lange ausgeplappert. Also kann doch auch ich es glauben, fragt die Klientin laut. Sie sei in einer rational geprägten Welt aufgewachsen und wende sich immer mehr auch spirituellen Ideen zu, die mit ihren alten Grundüberzeugungen nicht zusammenpassen. Auch wenn schon vieles an meiner Weltsicht neujustiert wurde, komme ich trotzdem immer wieder ins Zweifeln.

Was ist wahr, frage ich sie, geht es darum?

Genau, die Botschaft der Vögel lautet für mich: vertraue dem, was du denkst UND fühlst!

Altes Blut

Blut steht für Lebensenergie und Lebensfluss. Auch an Menstruationsblut und das große Weibliche denke ich dabei. Es kommen mir Verletzungen und blutende Wunden in den Sinn. Die Auflösung, die ich im Bild wahrnehme, könnte für mich daher auch für die Auflösung bzw. Transformation alter Verletzungen stehen… ist es so oder ist es nur eine Hoffnung, frage ich die Klientin.

Das Resümee der Klientin zu ihrem Symptombild: es geht um Umbruch, Richtung, Neuorientierung und Hinwendung zu mehr Vertrauen ins Leben, bei gleichzeitigem Loslassen des irgendwann endenden Lebens.

Die Kunst als Sprache liefert keine Wahrheiten, sondern Impulse, die uns aus alten Denkspiralen rausholen und neue Räume öffnen.

Ulrike Hinrichs 2021

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Hexenenergie – Krankheit als Bild

Künstlerische Prozesse können den Weg der Heilung unterstützen. Durch das authentische künstlerische Schaffen mobilisieren wir unsere Selbstheilungskräfte. Wir können dieses Leitsystem auch Intuition oder intuitive Führung nennen.

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„Wie sieht dein innerer Heiler, deine innere Heilerin aus?“ (siehe auch Die innere Heilerin)

Das Bild zu dieser Frage entstand in meiner Gruppe Krankheit als Bild. Die Klientin, die das Kunstwerk malte, leidet unter einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich. Das Bild zeigt eine Hexe, die aus einem lilafarbenen Netz hervorlugt. Mir scheint es, als wenn auch Schlangen und eine Doppelhelix sich durch das Wirrwarr bewegen. Die Hexe ist ein altes archaisches Symbol für die weibliche Kraft. Lange wurde die machtvolle Seite des Weiblichen kollektiv unterdrückt, in den Schatten verdrängt. Erwünscht waren schöne brave Frauen. Die wilde Frau galt als gefürchtet und abstoßend. Dir Hexe ist ein gutes Beispiel dafür. In vielen Märchen wie in „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm gilt die Hexe als unheilbringende Schwarzmagierin. Wer ihr in den Weg kommt wird verhext oder getötet. Sie wird als ein dämonisches Wesen gezeigt, das mit dem Teufel verbündet ist. Meist hat sie die Gestalt einer buckligen und hässlichen alten Frau mit langer, krummer Nase, die mit ihrem Zaubertrank anderen Schaden zufügt.

Die Hexe hat Zugang zum weiblichen Urwissen

Im Mittelalter, das für seine Hexenprozesse bekannt ist, wurden Hexen verfolgt und ermordet. Wie in allen patriarchalen Kulturen wurde die Hexe mit negativen Deutungen des Weiblichen abgewertet. Doch der Urgrund der Hexe ist ein anderer. Sie steht für die weiblichen archaischen Urkräfte. Der Ursprung des Wortes bedeutet „heilige Frau“ oder auch „Hebamme“. Sie ist die Schamanin. Die Hexe hat Zugang zum weiblichen Urwissen. Sie kennt die weisen Wege der Natur, der Heilung, der Weissagung, der Künste und Traditionen.[1] In ihrem Hexenkessel braut sie heilende Kräutermixturen. Sie ist mit dem Tod und der Vergangenheit ebenso verbunden wie mit der Zukunft und den großen Geheimnissen des Universums. „In Mythen bewohnt sie den undurchdringlichen Teil des Walds, den geheimen Tiefpunkt von Quellen, düstere Höhlen und abgelegenen Nebenwegen“, so Ronneberg, jene Orte, die dem Schattenbereich zugeordnet werden. Die Hexe lebt die Urkräfte des Weiblichen bedingungslos aus. Wie in vielen symbolischen Motiven wird aber oft nur der abschreckende Anteil einer Figur dargestellt. Die Kraft der Hexe versetzt uns in unsere wahre Natur, bricht Stillstand, setzt Dinge in Bewegung, ist Matrix schicksalhafter Transformationen.[2] Sie fordert dich auf kreativ, spielerisch und grenzenlos zu sein.

Das Weiche

Auch die symbolische Bedeutung von Krankheitssymptomen ist ein hilfreicher Wegweiser. Zum Bandscheibenvorfall beschreibt der Mediziner Ruediger Dahlke auszugsweise in seinem Buch „Krankheit als Symbol“ (S.2007, S. 191): „existentieller Überdruck; das Weiche, Weibliche wird vom harten männlichen Element in die Zange genommen; der weibliche Pol ist in der Klemme, er wird gepresst (erpresst?), innerer Druck bricht sich Bahn“.

Im Bild und Symptom spiegelt sich hier vor allem das Thema der weiblichen Urkraft.

Fragen könnten lauten:

  • Wie kannst du in deinem Alltag wild, grenzenlos und bedingungslos sein?
  • Wie kannst du mehr deine weibliche Kraft leben?
  • Wie wäre es, nur das zu tun was du willst, dich gegen das wehren, was du nicht willst?
  • Was will  gelebt werden, egal was andere dazu sagen?
  • Wem willst/ musst du gefallen? Musst du?
  • Wo kannst du weniger Leistung und dafür mehr Liebe ins Leben bringen?
  • Was soll über Bord geworfen werden, muss vernichtet, losgelassen werden?
  • Wo willst du dich neu ausrichten, so dass es für dich stimmt, egal was andere dazu sagen?
  • Wo brauchst du weniger äußere und mehr innere Beweglichkeit?
  • Was möchtest du nur für dich neu entstehen lassen?
  • Wie steht es um dein inneres Feuer, deine Leidenschaft für das Leben?
  • Gibt es Menschen, die dir nicht guttun? Du darfst dich von ihnen verabschieden.

Ulrike Hinrichs 2021


Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Quellen

[1] Walker, Barbara G. (1988, S. 347). Die geheimen Symbole der Frauen. Lexikon der weiblichen Spiritualität. München: Sphinx.

[2]Ronneberg, Ami (2017, S. 702). Archive for Research in Archetypal Symbolism ARAS. Das Buch der Symbole. Betrachtungen zu archetypischen Bildern. Köln: Taschen

Neues Wissen – Altes Wissen

„Welche Weisheit steckt hinter deiner Erkrankung?“

Neues Wissen – Altes Wissen

www.kranheit-als-bild.de

Wir befinden uns in einer Zeitenwende. Überall sind Vorzeichen einer großen Veränderung sichtbar. Das kollektive Pendel schwingt von der männlichen zur weiblichen Energie. Mit diesen polaren Kräften sind keine Geschlechterzuschreibungen gemeint, sondern Zustände, die in allem Lebendigem gleichzeitig wirken. Tun und Sein, Denken und Fühlen. Nur im Gleichgewicht der Polaritäten kann sich das Leben in seiner vollen Kraft ausdrücken.

Wir sind energetische Wesen, die als menschliche Familie durch das Bewusstsein unserer rechten Hirnhälfte miteinander verbunden sind, beschreibt es die Neurowissenschaftlerin, Jill Bolte Taylor.[1] Die weibliche Energie stützt sich naturgemäß auf das Intuitive, das Fühlende. Sie nimmt den ganzheitlichen vernetzten Raum ein, wie es beispielsweise in der schamanischen Tradition üblich ist. Die Schamanin erhebt den Blick auf das größere Ganze, schaut auf die Verbindungen und Vernetzungen. Die Makroebene ist für den schamanischen Heiler maßgebend.

Die männliche Urkraft finden wir in der klassischen westlichen Medizin, die bis in die kleinsten Details hinein untersucht und forscht. Hier geht es um Zerlegen und Zerteilen, um das mikroskopisch Kleine, um bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall. Es werden Symptome ausgemacht und behandelt. Für das Auge nicht sichtbare Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze können unter dem Mikroskop dargestellt werden. Das Blut wird mittels analytischer Geräte in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und analysiert. Und im  Elektrokardiogramm (EKG) kann die elektrische Aktivität des Herzens gemessen werden, um nur einige klassische Beispiele zu nennen.

Wie können wir diese wichtigen Qualitäten zusammenbringen? Beide Wege sind richtig und wichtig, sie müssen in Einklang gebracht werden.

In meiner Praxis nutze ich den künstlerischen Ausdruck als eine Form der intuitiven Sprache, die sich in Bildern, Metaphern, Geschichten und Symbolen ausdrückt.  Sie entspringt der Kraft des großen Weiblichen. Intuition, Hingabe, Empfangen, Sein. In der Arbeit mit der „Krankheit als Bild“ bedeutet das, dass die Klient*innen zunächst eine gründliche medizinische Untersuchung vornehmen lassen und wir anschließend einen Blick in die Symbolik der Erkrankung wagen, das große Ganze betrachten.

Die Kunst ist eine Sprache, die in die Tiefe geht

Der künstlerische Ausdruck befreit uns aus unserem Denkgefängnis und schafft neue Perspektiven. Kunst ist ein Werkzeug des wilden assoziativen Denkens. Durch die Kunst können wir fühlen, erkennen und die Zukunft erspüren. Die Kunst ist eine Sprache, die in die Tiefe geht, uns unmittelbar im Inneren berührt. Kunst ist Ausdruck, der Eindruck hinterlässt.

In der schamanischen Tradition versucht ein Schamane/ eine Schamanin vor jeder Behandlung herauszufinden, welche Weisheit sich in der Krankheit spiegelt.

„Welche Weisheit steckt hinter deiner Erkrankung, was solltest du daraus lernen?“

Wir kennen diese erweiterte Perspektive ähnlich auch aus dem Neurolinguistischen Programmieren. „Was ist die positive Absicht der Krankheit, was will sie bezwecken?“

Oder auch in der klassischen Medizin: „Was ist der Krankheitsgewinn?“

Während wir uns aus der westlichen Perspektive allerdings nur auf das Individuum, bestenfalls noch auf sein Umfeld konzentrieren, bedeutet der schamanische Meta-Blick, dass wir auch in kollektive Felder eintauchen. Diese Betrachtung geht bis weit in die Ahnenreihe zurück. Wir sind Teil der Natur und leben in ihr. Schamanen vernetzten, nähren, verbinden sich mit allem, dem ganzen Universum. Sie haben Zugang zu ihren Ahnen. Sie sind eng verbunden mit Mutter Erde, sprechen mit der Natur, den Pflanzen, den Bäumen, Geistwesen.

Wir alle verfügen über die Sensoren, die für den erweiterten Weg des Sehens notwendig sind, beschreibt es der medizinische Anthropologe Alberto Villoldo, der fünfundzwanzig Jahre lang die Hochländer der Anden und des Amazonas bereiste und die schamanischen Heilpraktiken studierte. „Sie bestehen aus dem sechsten Chakra (das mystische „dritte Auge“ in der Mitte der Stirn) und dem vierten Chakra, dem Herzen. Indem wir das dritte Auge und das Herz-Chakra mit dem visuellen Kortex verbinden, können wir mit den Augen des Geistes und des Herzens sehen. Die Aufgabe besteht darin, ein „Kabel“ von diesen Chakras zur Leinwand im Gehirn zu legen.“[2]

Wir „sehen“ auf dieser intuitiven-ahnenden Ebene alle unterschiedlich. Vom Grundprinzip ist unser gesamter Körper wie eine Art „Lesegerät“ für die intuitive Wahrnehmung zu betrachten. Mit unseren Sinnen, unserem Körper, erfahren wir die Welt. Wir können vier Merkmale der intuitiven Wahrnehmung hervorheben: das wache Auge, die innere Stimme, das Bauchgefühl und das innere Wissen. Es gibt Menschen, die sehen tatsächlich konkrete Bilder, andere hören besonders deutlich ihre innere Stimme. Andere wissen es plötzlich einfach. Und ich beispielsweise fühle eher auf der intuitiven Ebene. Es ist eine fühlende Ahnung, die sich als Bauchgefühl ausdrückt. Über den künstlerischen Ausdruck können wir die Intuition sichtbar machen, manifestieren.

Ausführlich haben wir (meine Co-Autorin Andrea Wandel und ich) uns mit diesem Thema in unserem neuen Buch „Die Weisheit der weiblichen Wunde“ beschäftigt.[3] Das Buch erscheint in Kürze im Synergia Verlag.  Wissenschaftlich habe ich das Thema zudem ausführlich in meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ vertieft.[4]

Die größte Herausforderung bleibt, diese metaphorische Sprache zu verstehen. Sie funktioniert oft wie in Träumen, zeigt sich beispielsweise in Symbolen, plötzlichen Erinnerungen, mythischen Figuren. Das assoziative wilde Denken, über das wir Zugang zu unserer Intuition haben,  können wir bei der Bildbetrachtung nutzen.  

Was kommt dir in den Sinn, wenn du auf das Werk schaust, wo zieht es dich hin? Gibt es Erinnerungen, Geistesblitze, Worte, Sätze, ein Lied, eine Musik, ein Gefühl u.v.m.

Ich möchte das an einem eigenen Symptom verdeutlichen. Weitere Praxisbeispiele finden Sie unter www.krankheit-als-bild.de

Seit längerem leide ich unter Bluthochdruck, der von einem beängstigenden Herztrommeln begleitet wird. Vor allem in der Nacht raubt das laute Trommeln und Klopfen mir den Schlaf. Bluthochdruck ist einer der „holy seven“ der psychosomatischen Erkrankungen. Es überraschte mich daher nicht, dass für die Symptome keine körperliche Ursache gefunden werden konnte. Die mir verordneten Tabletten zur Senkung des Blutdrucks wirken nicht.

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, ich gehöre nun also dazu. Ich praktiziere nun Atemübungen, die den Parasympathikus aktivieren. Aber auch das hilft nicht immer. Nachdem mich das Herztrommel wieder einmal eine ganze Nacht nicht schlafen lies, beschloss ich mit der Kunst als Sprache der Sache auf den Grund zu gehen.

Es entstand das Herz-Bild, das eingans abgebildet ist. Ich war erstaunt darüber, ein so prall-leuchtend rotes Herz zu erblicken, das mir viel Lebensenergie und Power signalisiert. Allerdings kommt mir durch die Fäden und Farbspuren auch so etwas wie „Verstrickungen“ und „Verheddern“ in den Sinn. Der schwarze Fleck am oberen Bildrand erinnert mich an eine Spinne, die mit ihren langen Beinen nach dem Herz zu greifen scheint.

Die Spinne deutet in der Psychoanalyse auf eine gestörte Mutter-Tochter-Beziehung hin. In der schamanischen Krafttierdeutung hilft die Spinne „jene Kräfte ausfindig zu machen, welche deine Lebensenergie lähmen und dich in Abhängigkeit und Täuschung fesseln. Die Spinne geht mit dir in dunkle Ecken und Winkel, damit du Ordnung schaffen kannst“, so Ruland.[5] Die Spinne ruft uns auf, das Netz der Verstrickungen zu lösen und die feinen Zusammenhänge in allem zu erkennen. Sie weiht in die höhere Ordnung der Welt ein, indem sie uns mit Alter, Gefahr, Vergänglichkeit und Tod konfrontiert.

All dies sind Themen, die mich tief berühren. Das Thema Tod und Vergänglichkeit schafft sich aufgrund meines fortschreitenden Alters immer mehr Raum. Ich habe tatsächlich große Angst vor dem Tod. Diese Angst bringt mich zurück zu meiner schweren Krankheit als Teenager, an der ich fast gestorben wäre. Ich war über Monate in einem Lock-In Zustand (Guillain Barré Syndrom, siehe Wenn der Körper sich abschaltet )

Der schädliche Einfluss meiner schwierigen Vergangenheit, vor allem in der Kindheit und Jugend, ist zwar schon seit langem in einer kontinuierlichen Verarbeitung, kommt aber immer wieder zum Vorschein. Vielleicht bleiben diese Wunden, die viele von uns kennen, eine Lebensaufgabe.  Für mich hat die Spinne eine belastende Bedeutung. Sie erinnert mich an den narzisstischen Missbrauch, den ich als Kind erfahren habe. Kontrolle, Liebesentzug, Abwertung, Vernachlässigung sind einige Stichworte dazu. Big mother ist wathing you.

Die Spinne ruft uns aber auch auf, wie Ruland schreibt, das Netz der Illusion zu zerreißen und die Wirklichkeit dahinter zu schauen. „Sie fordert auf, Geschichten zu weben und zu erzählen, damit die kreative Vorstellungsgabe, die Schöpferkraft des Menschen niemals versiegt“.[6]

Ich liebe an der ganzheitlichen Betrachtung, dass sich neben problematischen Themen immer auch Optionen und neue Perspektiven eröffnen.

Ulrike Hinrichs 2021


[1] In einem Vortrag „My stroke of inside“ https://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_my_stroke_of_insight (18.09.2021)

[2] Alberto Villoldo (2001, S. 151) Das geheime Wissen der Schamanen. Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können.

[3] Ulrike Hinrichs und Andrea Wandel (2022). Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der holistischen Kreativapotheke.

[4] Ulrike Hinrichs (2019). Kunst als Sprache der Intuition. Synergia Verlag

[5] Ruland, Jeanne (2006, S 325). Krafttiere begleiten dein Leben. Hannover: Schirner Verlag

[6] Ruland, Jeanne (2006, S 325). Krafttiere begleiten dein Leben. Hannover: Schirner Verlag

Die Weisheit der Wunde entdecken

Moosbild – Drei Steine für deine drei größten Traumata

Viele von uns werden von traumatischen Ereignissen aus der Kindheit bis ins hohe Alter verfolgt. Traumata bedingen einen schwerwiegenden Kontrollverlust bis hin zu Ohnmachtsgefühlen. Das führt zur Dissoziation, der Abtrennung vom Fühlen. Und das ist in der akuten traumatischen Situation eine großartige Reaktion unseres Körpers, denn sie ermöglicht uns, dass wir eine solche Situation überleben. Bleibt dieser Zustand erhalten, dann behindert er unser Leben. Unser Nervensystem ist hochempfindlich, Gefahren lauern überall. Wir fühlen uns wie ein Astronaut im eigenen Körper. Durch Kontrolle des Lebens und der Umstände, versuchen wir die Wiederholung traumatischer Ereignisse zu vermeiden. Dabei greifen viele zu Alkohol und anderen Betäubungsmittel, werden zu Workaholics oder verfallen in unkontrollierte Kaufräusche, um die innere Leere zu stopfen. Das Leben wird eng und kontrolliert.

Trauma braucht Großzügigkeit

Fühlen ist der erste Schritt zur Heilung, uns aus der Erstarrung lösen, den tiefen Schmerz zulassen. Wir müssen uns der (Todes-)Angst stellen, die traumatischen Ereignissen innewohnt. Trauma braucht Großzügigkeit, sich selbst zuhören, für sich selbst da sein, den Schmerz bezeugen. Wir dürfen auftauen. Trauma-Transformation verflüssigt die Realität. Die Weisheit der Wunde hinter unserem Trauma können wird nur erfahren. Das kann ein langer Prozess sein, therapeutische Unterstützung ist dafür angezeigt. Gleichzeitig bedarf es eines hohen Maßes an Selbstfürsorge. Oft erlebe ich, dass Klientinnen trotz Therapie und Selbsterkenntnis sich selbst bestrafen und beschimpfen, ungnädig mit sich sind, wenn sie Fehler machen. Wenn du dich fragst, was du tun kannst, dann geht es in einem ersten Schritt um eine  Selbstfürsorge.

Kontrolliert die Kontrolle abgeben

Ich möchte dir ein wundervolles Ritual vorschlagen, das auch ich für mich zelebriert habe. Es kommt aus der schamanischen Tradition. In einem ersten Schritt suchen wir uns drei Steine (ganz gewöhnliche Steine, z.B. aus dem Wald oder vom Meer). Diesen Steinen hauchen wir anschließend unsere drei größten Wunden (Traumata) ein. Widme jedem Stein ein Trauma.  Mit diesen Steinen kreieren wir ein Sandbild, das von einem Kreis gehalten wird. Das Bild darf mit anderen Fundstücken geschmückt werden, wie etwas Federn, Tannenzapfen, Muscheln, Obst. Auch diesen Utensilien hauchen wir etwas ein, Wünsche, Bedürfnisse oder Themen, die mit den Traumata zusammenhängen. Bei so einem Sandbild geht es aus der schamanischen Sicht darum, die schwersten Traumata zu transformieren und die Steine in Heilsteine zu verwandeln. Der Schamane nutzt sie für seine Heilarbeit. Denn unsere größten Kraftquellen verbergen sich hinter unseren traumatischen Erfahrungen.

Da ich am Fuße der Harburger Berge wohne, wo Sand Mangelware ist, wurde aus meinem Sandbild ein Moos-Bild. Das Naturbild lassen wir einige Tage liegen, schenken ihm Aufmerksamkeit, beobachten es, geben intuitiv neue Dinge hinzu, nehmen andere heraus. Bei mir flog vom Winde verweht eine Feder aus dem Kreis heraus. Ein schönes Symbol, dachte ich mir. Die Eichhörnchen klauten sich die Nüsse, die ich ins Bild gefügt hatte. Nachdem das Bild mindestens 3-4 Tage gelegen hat, übergeben wir die Einzelteile der Natur. Aus deinen Trauma-Steinen sind Heilsteine geworden. Ein schöner Anker, um dich an deine Kraft zu erinnern. Das ist die Weiheit der Wunde.

Bei dieser Übung passiert ganz automatisch etwas Beachtliches: wir beschäftigen uns mühelos und spielerisch mit den Ressourcen und Kräften, die uns ein traumatisches Erlebnis geschenkt hat, während wir sonst oft nur über die Qualen nachdenken.

Unser Gehirn liebt Zeremonien, Rituale und Bilder, wenn es darum geht, Veränderungsprozesse zu bewältigen. Wir kennen solche Zeremonien kulturell zu allen möglichen Anlässen, Hochzeiten, Konfirmation oder Jugendweihe, Beerdigungen, Geburtstage, Feiern zu bestimmten Ereignissen. Spirituelle Richtungen und alle Religionen sind voll von Ritualen und Zeremonien. Sie helfen uns, gerade schwierige Wandlungsprozesse durchzuhalten und zu vollziehen. Auch künstlerische Prozesse unterstützen Wandelungsprozesse.

Ich möchte das nun noch etwas anschaulicher illustrieren. Über mein größtes Trauma habe ich schon oft berichtet. Siehe dazu auch Wenn der Körper sich abschaltet – Guillain Barré Syndrom

Medusa 1981

Im Jahre 1979, mit 14 Jahren, erkrankte ich an einer „aufsteigenden Polyneuropathie mit Hirnnervenbeteiligung“ (Akute Polyneuroradikulitis (Guillain-Barré-Syndrom), eine schwere Autoimmunerkrankun. Folgen dieser Erkrankung sind entzündete Nervenwurzeln im Rückenmark, durch die die Nervenfasern beschädigt werden. Ich war über sechs Wochen in meinem komplett gelähmten Körper gefangen, konnte nicht mehr sprechen, schlucken, mich artikulieren, sah nur noch Doppelbilder. Das einzige, was im Kontakt zur Außenwelt funktionierte, war mein Höhrsinn. Ich hatte zu dieser Zeit dem Tod in die Augen geschaut. Ich stand kurz davor, dass die Krankheit die inneren Organe wie Herz und Lunge lähmte. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich. Es war unklar, ob ich wieder vollständig genesen würde.

Nach meiner Krankenhausentlassung dauerte die Rekonvaleszenz  noch etwa ein Jahr. Lange Zeit saß ich im Rollstuhl. In dieser Zeit entstand das Bild von Medusa, eine der drei Gorgonen – Gespenster mit Schlangenhaaren –  aus der griechischen Mythologie. Nach der Sage heißt es, dass jeder der in ihre Augen blickt, augenblicklich in Stein verwandelt wird. Man erkennt in meinem Kunstwerk aus Teenagerjahren die Eiseskälte, den elektrisierenden Blick aus leeren Augen.

Medusa ist ein archetypisches Bild von  Wut, Verrat und Scham, beschreibt es auch Ursula Wirtz in ihrem Buch: Stirb und werde, die Wandlungskraft traumatischer Erfahrungen. Das Symbol der Versteinerung, das Medusa repräsentiert, steht im Traumakontext auch für emotionale Betäubung. Der Mythos von Medusa  wird auch als Aspekt der Dissoziation gesehen, das Abtrennen des Kopfes vom Körper. Und genau das ist auch in der Symbolik der Krankheit geschehen. Gleichzeitig steht Medusa in der Mythologie, was weniger bekannt ist, auch für eine helle schützende Seite. Sie ist die Göttin der Masken, des wilden Blickes und des „weisen Blutes“. Als Schlangengöttin verkörpert Medusa weibliches intuitives Wissen. Die Schlangen, die ihrem Kopf entspringen, symbolisieren Weisheit und Erkenntnis. Schon lange bin ich auf der Fährte der hellen und lichten Seite der Medusa als Schlangengöttin; ihrer Weisheit.

Was kann ich durch diese Erfahrung besonders gut? Das habe ich mich anlässlich meines Moos-Bildes noch einmal gefragt.

Medusa 2.0

Ich habe eine Medusa 2.0. dazu erschaffen. Sie trägt die Schlangen als wunderschöne Haartracht. Sie blickt nach innen, nicht nach außen. Eine meiner Stärken, die durch das Trauma erweckt wurden, sind meine ausgeprägten Sinne. Oft höre, fühle, sehe ich Themen, die unausgesprochen in der Luft liegen. Ich habe keine Berührungsängste vor den tiefen Wunden und Schmerzen meiner Klientinnen. Meine größte Dissoziation durch die Erkrankung lässt mich auch die Dissoziation und den tiefen Schmerz anderer fühlen. Ich kann Themen wie Folter und Todesnähe, die mir in meinen Flüchtlingsgruppen begegnen oder auch Gewalterfahrungen, die in meiner Frauengruppe oft Thema sind, nehmen, aushalten, bezeugen. Für traumatisierte Menschen ist besonders wichtig, dass andere ihren Schmerz bezeugen können, indem ihnen jemand wirklich zuhört. Ich habe zudem ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl für verletzte Wesen. Der Tod in meinem Leben ist für mich eine Inspiration und Quelle geworden. Durch das Aufwachsen in einem narzisstischen Familiensystem (was den psychologischen Hintergrund zu meiner Erkrankung erklärt) wittere ich narzisstischen Missbrauch bei meinen Klientinnen unmittelbar. Viele berichten mir, dass sie schon Jahre Therapie gemacht haben, ohne dass sie vom Thema Narzissmus wussten. Für viele ist es daher eine große Hilfe. Dies sind einige Beispiele für meine Kraftquellen. Welches sind deine?

Ulrike Hinrichs 2021

Kunst hilft heilen!

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Die innere Heilerin

Herzblut

Die innere Heilerin

Durch das authentische künstlerische Schaffen mobilisieren wir unsere Selbstheilungskräfte. Wir können dieses Leitsystem auch Intuition oder intuitive Führung nennen. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. Hans Hein, der das Vorwort zu meiem Buch geschieben hat, konstatiert, dass der/die innere Heiler/in so etwas wie ein eingebauter Resonanzdetektor sei, der sensibel auf die Wahrnehmung von körperlichen, emotionalen und seelischen Unstimmigkeiten ausgerichtet sei.[1]

„Der physiologische Hintergrund dieser Fähigkeit speist sich aus all den Anteilen in unserem Nervensystem, die mit dem evolutionären und archaischen „Urwissen“ unserer Körperinformation verbunden sind. Die Kunst ist es genau das wahrnehmbar und zugänglich zu machen. Der Zugang gelingt über das Training der Intuition und die Übersetzung der inneren Wahrnehmungen in Bilder von Gestalten, die sehr oft mythischen Charakter haben, also eine Verbindung zum kollektiven Unbewussten herstellen. Mittlerweile gibt es eine wissenschaftliche Betrachtung von zwei Grundformen des Denkens, das schnelle und das langsame. Das schnelle entspricht der intuitiven holografischen Wahrnehmung, das langsame eher der dem logisch sequenziellen. Der innere Heiler ist eine Funktion der unmittelbaren  Wahrnehmung der individuellen Realitäten mit der Chance die verzerrenden und krankmachenden Schwingungsmuster zu identifizieren und zu verändern“, so Hein.[2]

Künstlerische Prozesse können den Weg der Heilung unterstützen.

Wie sieht dein innerer Heiler, deine innerer Ärztin aus? Lass dich überraschen. Das kann ein konkretes Wesen sein, aber auch in abstrakten Bildern können sich diese Energien ausdrücken. Welche Farbe zieht dich an? Welche Form? Fühle intuitiv, ob es sich um einen männliche oder weibliche Energie, einen Arzt oder eine Ärztin, handelt. Hier geht es nicht um Geschlechterzuschreibungen, sondern um die polaren Urkräfte, Tun und Sein. Die männliche Urkraft steht für anderer Impulse als die weibliche.

Diffus, fließend und formlos

Das weibliche Prinzip steht in seiner positiven Ausprägung für Hingabe und Empfänglichkeit. „Tief in uns verborgen leben eine innere Frau, eine Magierin und Feuerhüterin. Sie kümmert sich darum, dass das innere Leuchten, die Urkraft, nie erlischt. Sie ist ganz lebendig, voller Ideen, Mut und grenzenloser Loyalität, angefüllt mit weisen Einsichten und Liebevollen Empfindungen“, beschreibt es Westphalen.[3] Die weibliche Energie ist eher diffus, fließend und formlos. Gleichzeitig ist sie schöpferisch-gestaltend, gebärend, verwandelnd und heilend. Die weibliche Kraft, die etwa in der Medizin der schamanischen Tradition vertreten ist, sieht das größere Ganze, hat einen Meta-Blick.[4]

Impulsiv, spontan und zielgerichtet

Das männliche Prinzip beschreibt das Denken, Handeln und die Aktivität. Die männliche Energie ist impulsiv, spontan, zwanglos, triebhaft, fokussiert und zielgerichtet, kämpferisch, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert. Die männliche Urkraft finden wir auch in der klassischen Medizin vertreten, die bis in die kleinsten Details hinein untersucht und forscht. Positiv gelebte männliche Kraft führt zu Mut, Entschlossenheit, Klarheit, Akzeptanz und größtmöglicher Freiheit.

Welche Botschaft hat deine innere Heilerin für dich?


Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

[1] Hein, Hans in Hinrichs (2019, S.74). Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

[2] Ulrike (2019, S. 74). Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

[3] Westphalen, Jutta (2016, S. 659). Die Urkraft der Weiblichkeit oder weshalb Frauen die besseren Lebenskünstler sind“

[4] Croissier, Getrude R. (2006), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung.

Fibromyalgie – Krankheit als Bild

Wenn deine Krankheit eine Landschaft wäre, wie sähe die aus?

Fibromyalgie

Die 57-jährige Klientin   leidet seit vielen Jahren unter Fibromyalgie, eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen äußert. Die Schmerzen können auf der Haut, in den Muskeln und Gelenken spürbar sein. Andere typische Beschwerden sind Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.

In unserer Gruppe „Krankheit als Bild“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für unbewusste Problemthemen. Symbole können diese Themen auf einer metaphorischen Ebene verdichten und auf den Punkt bringen.  

Wenn dein Schmerz, dein Symptome, deine Erkrankung eine Landschaft wäre, wie würde diese aussehen? So lautete der Auftrag für ein Bild. Durch solche metaphorischen Verwandlungen von Körpersymptomen wechseln wir vom rational analytischen Denken zum intuitiven Fühlen. Wir schöpfen aus der Quelle des Unbewussten.

www.krankheit-als-bild.de

Die Klientin malte einen Vulkanausbruch, vor dem sich talabwärts eine friedlich wirkende Weidelandschaft ausbreitet. Sie berichtete, dass sie ursprünglich eine Berglandschaft habe malen wolle. Im Malprozess sei sie ganz hibbelig geworden. Voller Energie. Aus den Bergen wollten Vulkane werden, die ihre Lava ins Tal ergießen.

Neben ganz individuellen Assoziationen der Klientin und der Gruppenteilnehmer*innen helfen bei der Kunst als Sprache der Intuition auch kollektive Deutungen von Symbolen. C.G. Jung hat sie als Archetypen beschrieben. Auch die Landschaft selbst zeigt ihre Potentiale im Kontext der Erkrankung. Bei einem Vulkan brodelt es lange Zeit unter der Oberfläche, bis sich plötzlich und unerwartet die heiße Lava in Feuerfontänen erbricht. Wie aus einem Drachenschlund speit der aktive Vulkan Feuer. „Das Feuer entzündet bei Sonnenhitze die Natur, brennt lichterloh und mit züngelnden Flammen, glüht und schwelt es unterirdisch, bricht mit einem Mal aus und verwandelt sich in ein rasendes Inferno. Alles Lebende wird auf irgendeine Art von Feuer befruchtet, temperiert, zur Reife gebracht oder vernichtet“, beschreibt es Ami Ronneberg (Das Buch der Symbole. Betrachtungen zu archetypischen Bildern, S. 82)

Im übertragenen Sinne kann die Symbolik des Vulkans und des Feuers beuteten, dass etwas nach draußen will, was unter der Oberfläche gefangen ist. Lebensfeuer?! Leidenschaft!? Lebenskraft? Wünsche, Ideen werden möglicherweise unter dem Deckel gehalten. Gefühle werden kontrolliert. Es gibt viel unterdrückte Wut. Der Ärger wird festgehalten.

Auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er zu  einzelnen Symptomen die jeweilige Deutungsebene und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen auf. Zur Fibromyalgie schreibt er auszugsweise: große Angst vor Veränderungen, enorme Vorsicht und Rücksicht (auf sich selbst), lieber am Gewohnten festhalten, als Ausbruchsversuche wagen, die Umsetzung innerer Impulse in äußere Aktivitäten funktioniert nicht gut oder nur unter Schmerzen.

„Die Krankheit hält mich vom Leben ab“, so die Klientin, „aber vielleicht bedeutet der Vulkan tatsächlich auch noch etwas anderes. Ich kann nämlich seit Jahren nicht  mehr über meine Situation weinen. Es kann mir noch so schlecht gehen, Tränen kommen nicht. Vielleicht bräuchte ich mal so einen Vulkanausbruch.“

Einige Impulsfragen könnten lauten:

  • Wofür brennst du wirklich?
  • Wo willst du ausbrechen?
  • Wofür brauchst du deine Kraft wirklich?
  • Wo brennt es unter der Oberfläche, in der Seele?
  • Wo unterdrückst du Lebensenergie, Leidenschaft?
  • Welche Wünsche und Ideen wollen verwirklicht werden?
  • Wo steckt der Schmerz fest?
  • Wir kannst du deine inneren Kräfte mobilisieren?
  • Was macht dir Druck? Was unterdrückst du?
  • Wer oder was ärgert dich?
  • Wie steht es um deine Wut, darf sie ein Ventil bekommen?
  • Was will befruchtet was will vernichtet werden?
  • Was will zu Leben erwachen?
  • Wer oder was darf und muss aus deinem Leben gehen?
  • Wovon brauchst du mehr oder weniger?
  • Was nährt dich? Was gibt dir Kraft?
  • Wann bist du in deiner Kraft, Lebensenergie?
  • Wie steht es um deine Balance zwischen TUN und SEIN?

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Magie to go

In der Gruppe haben wir zu unserer Bildern noch ein kleines Experiment gewagt. Die Teilnehmer*innen haben sich zu ihrer Erkrankung eine Frage aufgeschrieben, die den anderen vorborgen blieb. Bei der Bildbetrachtung durch die Gruppe lautete der Auftrag. „Wie ist die Antwort auf die unbekannte Frage?“ Ein Auftrag, der unseren Verstand durcheinander bringt. Denn wie soll man eine Frage beantworten, die man nicht kennt? Die Antwort liegt im Bild. Wir können die Antworten intuitiv wahrnehmen.

„Wozu willst du mich bringen“, lautete die geheime Frage der Klientin, die die Gruppe erst nach den folgenden Antworten der anderen Kursteilnehmer*innen erfuhr: 

  • Lass es raus
  • Mach es so wie DU es möchtest
  • Lebe wieder

Die Klientin war überrascht, wie passgenau die Antworten zutrafen. So funktioniert die Kunst als Sprache der Intuition. Es ist immer wieder Magie für mich.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Multiple Sklerose – Krankheit als Bild

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Die Ameise für Multiple Sklerose

Die 30-jährige Klientin bekam vor einem halben Jahr die Diagnose Multiple Sklerose, eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Körpereigene Zellen greifen die Myelinscheiden von Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark an.

In unserer Gruppe Krankheit als Bild arbeiten wir  mit der Kunst als Ausdrucksform. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für unbewusste Problemthemen. Symbole können diese Themen auf einer metaphorischen Ebene verdichten und auf den Punkt bringen. Gern arbeite ich mit Tiersymbolen.

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Das für die Erkrankung typische und sehr unangenehme Kribbeln assoziierte die junge Frau mit einer Ameise.

Für die Bedeutungen der Tiersymbolik können wir auf die Lebensweise der Tiere blicken, ebenso wie auf kollektive Deutungen aus Mythen und Geschichten. Bei  Tieren liefern auch Krafttiere aus dem Schamanismus hilfreiche Impulse.

www.krankheit-als-bild.de

Eine schwere Last tragen

Ameisen zählen zu den stärksten Lebewesen überhaupt. Sie können bis zum Vierzigfachen ihres eigenen Gewichts tragen. Einige Ameisen in Afrika können einen ganzen Wald leer räumen, wenn die Nahrung knapp ist. Ihre Bauten sind architektonische Meisterwerke. Ihre Staaten perfekt organisiert. Die Botschaft der Ameise ist daher die Strategie der Geduld. Auch steht sie für Gemeinschaft und eine natürliche Ordnung. Gleichzeitig kann die Ameise auch darauf hindeuten, eine schwere Last zu tragen, zu perfektionistisch zu sein oder zu sehr zu planen.

Ameisengift als Ausdruck von Wut und Zorn

Das Ameisengift und sein Brennen ist das Gegengift zum inneren Brennen, verursacht durch unterdrückte Wut und Zorn. Die Ameise spiegelt die Wutkraft, die man gegen sich selbst richtet, statt sie auszuleben. Wenn du anderen Menschen Macht über dich gibst, dich klein machst, dich unwichtig glaubst, dann unterdrückst du deine eigene feurige Kraft.  Die Ameise zeigt dir den Weg, dir diese Kraft zurückzuerobern, so die Krafttierbotschaft. Vielleicht sagt sie dir auch, dass du dich zu sehr um die Angelegenheiten anderer Menschen kümmerst, statt um dich selbst. Die Ameise wird dich so lange stören und nerven, bis du deinen Platz gefunden hast. Sie kann auch darauf hinweisen, dass du zu viel Verantwortung tragen musst. (Krafttierdeutung aus: Jeanne Ruland, Krafttiere begleiten dein Leben)

Auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er von A-Z zu einzelnen Symptomen die jeweilige Deutungsebene und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen auf. Zur Multiple Sklerose weist Dahlke vor allem auf eine hohe Eigendisziplin, Unterdrückung von Impulsen und zu viel Kontrolle hin. Sich selbst mit größter Härte zurücknehmen, Abkehr von den eigenen Stärken und Möglichkeiten, sind weitere wichtige Stichpunkte. Sich selbst bremsen und lähmen, einen Weg gehen, der nicht der eigene ist, sich nach den Bedürfnissen und Wünschen anderer richten, können ebenso von Bedeutung sein.

Einige Fragen können lauten:

  • Bist du oft hart zu dir selbst?
  • Gehst du deinen eigenen Weg?
  • Kümmerst du dich viel um andere Menschen?
  • Nimmst du deine unbändige Wut wahr?
  • Was unterdrückst du?
  • Was lähmt dich?
  • Kontrollierst du, planst du viel im Voraus?
  • Welche Kraft unterdrückst du in dir?
  • Was will zu Leben erwachen?
  • Was willst Du vom Leben?
  • Welchen Platz möchtest du einnehmen?
  • Nimmst du dir genug Raum?
  • Wo und mit wem bist du gern in Gemeinschaft, wo ist es zu viel?
  • Trägst du zu viel Verantwortung?
  • Wer unterstützt dich?
  • Bist du geduldig?
  • Machst du dich klein?
  • Fühlst du dich unbedeutend?

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Arthritis – Krankheit als Bild

www.krankheit-als-bild.de

Der Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft Daniel Kahnemann unterscheidet zwei Grundformen des Denkens. Das langsame Denken entspricht dem bekannten rationalen Denken. Das schnelle Denken, welches sich beispielsweise Bildern, Märchen, Mythen, Geschichten und Träumen bedient, entspringt der Intuition. Die Ethnologin Dr. Kessler bezeichnet es synonym als das nach innen gerichteten „wilde Denken“.

Kunst ist wildes Denken

Während das planmäßige und lineare Denken über Faktenchecks, Analysieren und Zerlegen von Bestandteilen in ihre Einzelteile langsame Schlüsse zieht, agiert das wilde Denken für den aktiven Geist blitzschnell und oft unbewusst in endlosen vernetzten Assoziationsketten. „Wie Kräuselwellen auf der Oberfläche eines Teiches breitet sich die Aktivierung durch einen kleinen Teil des riesigen Netzwerks assoziativer Vorstellungen aus“, schreibt Kahnemann („Schnelles Denken, langsames Denken“, S. 71). Unser Unbewusstes kann mühelos unendliche Assoziationen hervorrufen.

Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für das wilde Denken. Worum geht es gerade bei einem bestimmten Thema, das uns belastet? Was will uns der Körper mitteilen? Dazu können wir auf individuelle wie kollektive Assoziationen zurückgreifen. Kollektive Deutungen finden wir beispielsweise in der Mythologie und bei Tieren auch in der Krafttiersymbolik. Ebenso die Lebenseise der Tiere kann uns Aufschluss geben.

Arthritis – Regenwurm

Arthritis

Die 60-jährige Klientin berichtet von Gelenkschmerzen im Daumen und Zeigefinger der linken Hand. Vor allem nachts verschlimmere sich der Zustand. Zudem habe sie an der Spitze des Daumens ein unangenehmes Taubheitsgefühl. Diagnose: Arthritis.

Tiersymbole können Themen verdichten und auf den Punkt bringen. In diesem Fall habe ich auch Wortspiele mit eingearbeitet. Denn auch bei Worten und Sätzen können wir intuitiv arbeiten.

Wenn das Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Die Klientin assoziierte den Regenwurm.

Zudem bat ich die Klientin aus einem alten Türkisch-Wörterbuch eine Seite herauszureißen, und zu schauen, welches Wort sie auf der Seite magisch anzieht. Bei solchen Aufgaben ist es sinnvoll, mit den Augen über die Seite zu fliegen, statt jedes Wort zu lesen. Die Klientin blieb bei „Natur“, „Wesen“ und „Gewohnheit“ (Türkisch: tabiat) hängen.

Aus Tier und Wort fertigte sie eine Collage.

„Der Regenwurm sieht etwas verängstigt aus. Die feurig kraftvolle Umgebung erinnert mich an einen Vulkanausbruch. Gleichzeitig wirkt der Wurm sehr weiblich, mit den rosa Bäckchen und dem grünen Lidschatten. Was soll ich hier jetzt machen?, scheint er zu fragen. Der Hintergrund erscheint chaotisch, gleichzeitig wie in eine natürliche Ordnung eingebunden. Alles ist durchtränkt von farbiger Fülle. Aber der Wurm guckt müde, erschöpft und ratlos.“

Altes will verdaut werden

Regenwürmer sind lichtscheue Wesen, die unter der Erde leben. Sie durchgraben die Erde, fressen Pflanzenreste und Bodenpartikel. Die Abfälle kompostieren sie zu wertvollem Humus. Damit deutet das Würmchen auch auf Vergänglichkeit, Tod, Zerfall und den Kreislauf des Lebens hin. Er steht ebenso für Transformation alter, belastender und verdrängten Lebensthemen.

Buddelt sich der Regenwurm als Krafttier ins Leben, möchte er auf die Kraft der Erlösung, Transformation und  Heilung aufmerksam machen. Er zeigt auf die Schattenanteile, die geheilt werden wollen. Dazu müssen wir uns der Dunkelheit und den  Ängsten stellen. Das Krafttier Regenwurm macht darauf aufmerksam, festgefahrene Ideen und Glaubenssätze zu hinterfragen und zu lockern.

Mich fasziniert immer wieder, wie sich die Symbolik von Tieren mit der Symbolik der Erkrankung bzw. der Symptome deckt. Denn auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er die jeweilige Deutungsebene der Symptome und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen.

Arthritis deutet auf alte überlebte Themen hin, die die Entwicklung blockieren. Das Leben scheint für den Erkrankten schwer in den Griff zu bekommen. Die Symptome können auch darauf hindeuten, dass dem Leben zu sehr mit Starrheit begegnet wird. Die unterdrückten Lebensimpulse laufen in unbewusste Attacken gegen den eigenen Körper. Vor allem auch unterdrückte Aggressionen und ungelebte unterdrückte Kritik verbergen sich hinter den autoaggressiven Impulsen. Alte Verletzungen und Probleme müssen verdaut werden, um die Erstarrung zu überwinden.

Die Klientin berührte vor allem das Thema Tod und Zerfall, aber auch Transformation belastender und überlebter Lebensthemen. Ebenso die Deutungen zur Routine und Starre, brachten sie ins Grübeln. Überrascht war sie, dass sich das Thema „Gewohnheit“ sogar schon in der Wörtersuche gezeigt hatte. Und mit der Natur, die ebenso als Wort auftauchte, verbände sie eine wichtige Kraftquelle. Sie könne gerade aber tatsächlich sehr schwer loslassen, denke viel an vergangene Zeiten und schöbe Erlebnisse. Sie fühle sich in einer Zwischenphase von Leben und dem immer näher kommenden Tod.

Die Symbolik des Regenwurms mache ihr Mut, nämlich „Verdauung“. Altes muss verdaut  und dann losgelassen werden.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Blutdruckschwankungen – Krankheit als Bild

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Kunst als Sehhilfe

Wir geraten aus der Balance, sind im Stress oder psychisch stark beeinträchtigt. Solche Störungen können im Körper einen Ausdruck finden, wenn sie im sprachlosen Raum gefangen sind.  Wir können die Kunst nutzen, um unseren Körper besser zu verstehen. Der künstlerische Ausdruck macht nicht nur die Beeinträchtigungen und Schmerzen metaphorisch sichtbar, sondern kann vor allem auch die Ressourcen in schweren Themen aufzeigen. Die Kunst hilft uns bei der Befreiung aus dem Gefängnis. Die Kunst als authentischer Ausdruck bringt Inneres nach außen und manifestiert es in einem Werk. Die intuitive Seite in uns denkt in bildhaft metaphorischen Assoziationsnetzen, die wir durch künstlerische Prozesse wecken. Assoziationen und innere Bilder sind eher wie Träume, die man erst einmal verstehen muss. Der künstlerische Ausdruck dient der Intuition dabei als eine Sehhilfe. Wir können uns fragen: welche Assoziation kommen mir in den Sinn? Welche kollektive Deutung enthält für mich eine wichtige Information? Und welche Rückmeldung von anderen berührt mich, so dass ich zu der Erkenntnis gelange, all das betrifft tatsächlich auch mein Thema, mein Anliegen. Das sind Fragen, die die analytische und reflektierende Seite in uns zur Überprüfung stellen kann. Ich möchte das anhand eines Beispielsfall illustrieren.

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Diagnose Herz- Kreislauf, Blutdruckschwankungen

Die 59-jährige Klientin berichtete von Blutdruckschwankungen. Manchmal schlage der Blutdruck plötzlich und ohne ersichtlichen Grund vor allem nach oben aus. Sie fühle sich erschöpft und müde. Oft habe sie vor allem am Morgen Kopfschmerzen. Das beunruhige sie sehr. Eine organische Ursache sei nicht gefunden worden.

Siehe zum Thema Herz-Kreislauf auch Bluthochdruck – Krankheit als Bild

Auf die Frage welches Tier ihr in den Sinn käme, das für ihre Symptome stehen könnte, sagte sie spontan: Der Grashüpfer.

Das Herz macht Luftsprünge

„Der Grashüpfer  kann urplötzlich und für seine Größe extrem hoch springen. Von der absoluten Ruhe in der satten Wiese kann er unmittelbar umschalten und hochspringen. Gleichzeitig kann er stundenlang zirpen. Ich mag das Geräusch, es hat etwas Meditatives“, so die Klientin. „Auf dem Bild wirkt der Grashüpfer sehr verliebt, so als ob er mit gesenktem Kopf und „Hundeblick“ jemanden anhimmelt. Oder er flirtet mit dem Leben, genießt den Moment, das Grün um ihn herum?“

In einem ersten Schritt können wir über die Bildbetrachtung auf Überraschendes und Neues schauen. Was kommt uns in den Sinn, wenn wir auf das Bild blicken? Über dieses freie Assoziieren schalten wir auf das „wilde Denken“, wie es die Ethnologin Kessler nennt. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann spricht vom „schnellen Denken“.

Für die symbolische Deutung können wir uns die Lebensweise des Tieres anschauen und auch in mythologische oder schamanische Betrachtungen von Tieren eintauchen. Diese Informationen können wertvolle Anhaltspunkte liefern und neue Perspektiven schaffen.

Der  Grashüpfer gibt zur Anlockung von Partnertieren sowie zur Abgrenzung seines Territoriums zirpende Laute von sich. Die Klientin hatte auch den meditativen Ton erwähnt, den sie sehr möge. Beziehung, Grenzen setzen, hatte auch für die Klientin eine wesentliche Bedeutung.

In der Symbolik erinnert uns das beruhigende Zirpen des Grashüpfers daran, einen harmonischen Grundton im Leben anzuschlagen. Ist unsere Lebensmelodie gereizt, angespannt, harmonisch? Der Grashüpfer ruft dazu auf, nervenzerrendes Verhalten zu unterlassen, stattdessen Ruhe und Erholung ins Leben zu holen. Als Krafttier symbolisiert er auch Leichtigkeit, Erneuerung, Selbstentfaltung, Mut und Kreativität. Seine plötzlichen Höhensprünge weisen auf große Umbrüche hin. Das Leben muss in einem radikalen Ausmaß verändert werden, um in die volle Lebenskraft zu kommen, so die Grashüpfer-Botschaft. Das erfordert einen großen Schritt ins Unbekannte. Auch in Bezug auf diese kollektive Deutung fühlte sich die Klientin angesprochen.

Durch ihr Kunstwerk sei sie mehr auch an ihre Kraftquellen gekommen, das Leben genießen, „im Gras herumspringen“. Das Herz mache Luftsprünge.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824