Psychologie: Kunst ist Elefantensprache

Seniorenresidenz Harburg – Kreativer Begegnungsraum“

Warum hilft uns die Kunst als Ausdrucksform, um die Sprache unserer Seele zu verstehen? Dazu möchte ich dir anhand des Modells von Elefant und Reiter etwas zum Hintergrund unserer zwei Denksysteme erzählen. Die Metapher von Elefant und Reiter geht auf den amerikanischen Psychologen John Haidt zurück.[1] Haidt beschreibt damit das Zusammenspiel von rationalem Denken und der automatischen Verarbeitung von Reizen. Diese unterschiedlichen Systeme kennen wir auch von Daniel Kahneman, Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft. Er unterscheidet das langsame, rationale Denken und das schnelle, assoziative Denken, welches der Intuition entspringt. Die Ethnologin Dr. Kessler bezeichnet es synonym als das nach innen gerichteten „wilde Denken“.[2]

Das rationale, langsame Denken läuft linear. Das bedeutet, dass solche Prozesse von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft laufen. Es steht im Zentrum unseres Bewusstseins. Die Verarbeitung ist begrenzt. Im Vergleich zu intuitiven Prozessen ist es langsam. Kontrollierte Prozesse erfordern, die Sprache der Buchstaben und Worte sprechen zu können. Während das planmäßige und lineare Denken über Faktenchecks, Analysieren und Zerlegen von Bestandteilen in ihre Einzelteile langsame Schlüsse zieht, agiert das wilde Denken für den aktiven Geist blitzschnell und oft unbewusst in endlosen vernetzten Assoziationsketten. „Wie Kräuselwellen auf der Oberfläche eines Teiches breitet sich die Aktivierung durch einen kleinen Teil des riesigen Netzwerks assoziativer Vorstellungen aus“, konstatiert Kahneman.[3]

Intuitive Prozesse laufen mühelos und automatisch. Ein großer Teil dieser Prozesse ist unbewusst. Das wilde Denken erfordert keine Anstrengung oder Lenkung. Gleichzeitig sind seine Botschaften nicht immer leicht zu verstehen. Sie sind eher Symbolisch und metaphorisch. Die Metapher des Elefant und Reiter beschreibt anschaulich die Dynamik zwischen diesen beiden Polen. Der Reiter steht für den rationalen Geist, der auf dem Rücken des Elefanten sitzt und diesen lenkt. Der Reiter spricht die Sprache der Worte. „Der Reiter (…) ist das bewusste, kontrollierte Denken. Der Elefant ist dagegen alles andere. Zum Elefanten gehören Bauchgefühl, instinktive Reaktionen, Emotionen und Ahnungen, die die automatische Verarbeitung großteils ausmachen. Elefant und Reiter haben jeweils ihre eigene Intelligenz, und wenn sie gut zusammenarbeiten, kann die einzigartige Genialität der Menschen zutage treten.“[4]

Das wilde Denken ist Elefantensprache. Der Elefant steht für die weibliche Urkraft. Er mag die Künste, Mythen, Märchen und Geschichten. Er reagiert auf Emotionen. Es ist die Symbolsprache der Seele, die der Elefant versteht. Die Kunst ist eine Ausdrucksform dafür. Sie kann mühelos in dunklen Ecken schauen, in die wir oft nicht blicken wollen oder können. Der künstlerische Ausdruck ist eine Lichtquelle, um der Dunkelheit in uns zu begegnen. Oft ist ihre Sprache rätselhaft und für den Verstand nicht immer auf Anhieb zu verstehen. Es ist als seist du auf der Fährte des Elefanten unterwegs, die dich durch das Dickicht des Waldes auf eine Lichtung führt.

(c) Ulrike Hinrichs – Die Texte sind urheberrechlich geschützt.

Erscheint in Kürze:

Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der Kreativapotheke (mit Andrea Wandel)

Literatur


[1] Haid, Jonathan (2007). Die Glückshypothese. Was uns wirklich glücklich macht. Die Quintessenz aus altem Wissen und moderner Glücksforschung. Kirchzarten: VAK Verlag.

[2] https://christinakessler.com/wildes-denken-im-einklang-mit-der-welt/ (15.10.2022)

[3] Kahneman, Daniel (2011). Schnelles Denken, langsames Denken. München: Penguin Verlag

[4] Haidt, (2007, S. 34)

Weiblicher Narzissmus

Narzissmus sei nicht nur das egozentrische Kreisen um sich selbst, sondern, tiefer gefasst, die verzweifelte Suche nach sich selber und nach Grenzen, beschreibt es Bärbel Wardetzki in ihrem Buch „Weiblicher Narzissmus“.

Narzissmus lässt sich in männlichen und den weniger bekannten weiblichen Narzissmus unterscheiden. Diese Zuordnung beschreibt narzisstische Persönlichkeitsanteile und stellt keine Geschlechterzuordnung dar. Männer können weiblich narzisstische Anteile zeigen und Frauen männliche, ebenso gibt es Mischformen. Siehe dazu meinen Beitrag

Autonomie versus Symbiose

Diese unterschiedlichen Ausprägungen von männlichem und weiblichem Narzissmus äußern sich besonders deutlich im Bindungsverhalten. Während die männliche Form nach Autonomie strebt, spiegelt die weibliche Energie die Sehnsucht nach vollkommener Symbiose. Der männliche Typus reagiert mit Vermeidung, der weibliche mit Anklammern. Menschen mit starken weiblich-narzisstischen Anteilen reagieren mit Überanpassung. Dies führt oft zur vollständigen Selbstaufgabe. Beide Anteile sind im narzisstischen Störungsbild vorhanden, eine Variante dominiert nach außen aber die betroffene Person. Unter der grandiosen Fassade (männlicher Narzissmus) läge eine Depression (weiblicher Narzissmus), und vice versa, so Wardetzki.

Betroffene mit einer weiblich-narzisstischen Störung bestimmt ein schwaches Selbstwertgefühl, das oft mit Attraktivität, Leistung und Perfektionismus auszugleichen versucht wird. Nach außen wirken sie selbstbewusst, so dass sich ihre Minderwertigkeitsgefühle nicht vermuten lassen.

Tue dies nicht, mach das richtig“. Betroffene hören viele innere Verbotsstimmen. Versagen führt zu innerer Bestrafung. Die Bedürfniserfüllung der Wünsche anderer Menschen gelingt vom weiblichen Narzissmus Betroffenen gut, ihre eigenen Wünsche bleiben in Beziehungen jedoch auf der Strecke. „Das Fehlen einer äußeren Grenze zeigt sich in der Unfähigkeit, sich gegenüber anderen Menschen und deren Gefühlen abgrenzen zu können. Diese Frauen zeigen dann Tendenzen, sich in dem anderen aufzulösen und von fremden Gefühlen anstecken zu lassen“, so Wardetzki (S. 68). Begleitet wird der weibliche Narzissmus von einer unerträglichen Trennungsangst, die darauf hinweist, dass die betroffene Person in der Vergangenheit, vor allem in der Kindheit, keine sichere Beziehung erlebt hat.

Narzisstische Wut

Kennzeichnend ist auch eine unbändige „narzisstische Wut“, die im Ausmaß Explosionskraft hat. Sie kann oft auch als Verlassenheitsgebärde, wie ein Schrei nach Nähe, gedeutet werden kann. Die Wut ist vor allem aber auch ein Ausdruck der unterdrückten Autonomie. Die Form des weiblichen Narzissmus mit symbiotischer Selbstaufopferung, die bis zur völligen Selbstaufgabe gehen kann, unterdrückt die innere Freiheit und Selbstbestimmung, die sich einen Weg suchen.

Wut ist Energie

Wut hat keinen guten Ruf, sie wird auch gesellschaftlich als inakzeptabel bewertet. Allerdings hat die Wut eine unbändige positive Kraft. Wut ist Energie. Sie fordert uns auf, die Stimme zu erheben, die eigene Meinung zu äußern, für die eigenen Wünsche einzutreten, Grenzen zu setzen und handlungsfähig zu werden. Wut sagt: „Stopp, hier stimmt etwas nicht“. Wut schenkt die Kraft zur Veränderung. Erst wenn die Wut zu lange unterdrückt wird und sich dann explosionsartig Raum schafft, entfaltet sie eine zerstörerische Kraft.

Für Betroffene ist wichtig, die destruktiven Muster zu erkennen und der Wut Raum zu lassen, indem man kontrolliert die Kontrolle abgibt. Neben psychotherapeutischer Begleitung kann die auch der künstlerische Ausdruck dabei helfen. Betroffenen kann ich auch sehr das Buch „Wutkraft“ von Frederike von Aderkas empfehlen.

Unser neues Buch behandelt das Thema Narzissmus ausführlich

Siehe dazu auch meine Beiträge:

Wutausbruch

Ulrike Hinrichs (2022)

Literatur

  • Bärbel Wardetzki (2020). Weiblicher Narzissmus  – Der Hunger nach Anerkennung“ (Kösel)
  • Frederike von Aderkas (2021). Wutkraft. (Beltz)

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Heilende Wurzeln

Heilende Wurzeln

Viele Frauen sind in einem toxischen Umfeld aufgewachsen. Sie haben Vernachlässigung, Gewalt, emotionalen Missbrauch erlitten. Sie fühlen sich nicht verbunden mit ihren Wurzeln, im Gegenteil, ihre Wurzeln sind vergiftet.

Ich kenne das Gefühl mit toxischen Wurzeln zu leben. Mir hat es geholfen, mich mit mir selbst und „Mutter Erde“ zu verbinden, viel Zeit in der Natur zu verbringen. Mutter Erde liebt ihre Sprösslinge bedingungslos, lässt wachsen, nährt und unterstützt, gibt Raum, Luft zum Atmen, Schutz und Sicherheit, hält Balance, spendet Licht und Schatten, fügt sich den natürlichen Rhythmen von Werden und Vergehen, Ruhen und Tun, existiert jenseits der Zeit, lässt fließen, ist geduldig und gelassen, tröstet, ehrt alle Geschöpfe, urteilt und bewertet nicht, akzeptiert Vielfalt, schließt nicht aus, sondern ein, schafft Verbundenheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Ulrike Hinrichs 1981

Die Erde ist unsere wahre Mutter

„Die Erde ist unsere wahre Mutter. Wir sind aus ihren Elementen gemacht, sie unterstützt uns und versorgt uns auf liebevolle und wunderschöne Weise mit Fülle.“[1] Die Natur verbindet uns mit den Gesetzmäßigkeiten und Rhythmen des Universums.

Warum hat die christliche Religion Mutter Erde vergessen, stattdessen ihren Blick nur auf den Vater im Himmel gerichtet? In allen indigenen Völkern, schamanischen Weisheiten und fernöstlichen Traditionen wird das weibliche Prinzip, für das Mutter Erde steht, geehrt. Auch in der frühen christlichen Tradition wurde die Erde noch geheiligt. Hildegard von Bingen (1098-1179) appellierte auf Gott zu blicken und auf die Erde. Auch im Sonnengesang der Franziskaner wird Mutter Erde gepriesen (auszugsweise):

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Mit der Neuzeit trat mehr und mehr die Wissenschaft, das analytische Denken und Forschen, in den Vordergrund. Die Wissenschaft müsse uns zu „Herren und Besitzern der Natur“ machen, so Descartes (1596-1650).[2] Die heilige Mutter Erde wurde damit unterjocht, die weibliche Kraft unterdrückt. Die weibliche und männliche Urkraft standen nicht mehr in einer Balance.

Wir erleben gerade eine Zeitenwende (siehe auch: Neues Wissen – Altes Wissen). Die weibliche Energie erobert sich ihren Platz zurück. Im Individuellen wie Kollektiven können wir nur in der Ausgewogenheit der Kräfte gesund leben. Die weibliche Kraft erwecken wir mit unserer intuitiv-fühlenden Seite (Die weibliche Urkraft). Die Künste sind eine Ausdrucksform dieser Kraft.

Ulrike Hinrichs 2021

Bald mehr dazu in unserem neuen Buch (erscheint 2022): Ulrike Hinrichs & Andrea Wandel. Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der holistischen Kreativapotheke, Syngeria Verlag

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 


[1]Pritam (2019) unter „Element: Erde“

[2] Perler (2006, S. 226)

Die innere Heilerin

Herzblut

Die innere Heilerin

Durch das authentische künstlerische Schaffen mobilisieren wir unsere Selbstheilungskräfte. Wir können dieses Leitsystem auch Intuition oder intuitive Führung nennen. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. Hans Hein, der das Vorwort zu meiem Buch geschieben hat, konstatiert, dass der/die innere Heiler/in so etwas wie ein eingebauter Resonanzdetektor sei, der sensibel auf die Wahrnehmung von körperlichen, emotionalen und seelischen Unstimmigkeiten ausgerichtet sei.[1]

„Der physiologische Hintergrund dieser Fähigkeit speist sich aus all den Anteilen in unserem Nervensystem, die mit dem evolutionären und archaischen „Urwissen“ unserer Körperinformation verbunden sind. Die Kunst ist es genau das wahrnehmbar und zugänglich zu machen. Der Zugang gelingt über das Training der Intuition und die Übersetzung der inneren Wahrnehmungen in Bilder von Gestalten, die sehr oft mythischen Charakter haben, also eine Verbindung zum kollektiven Unbewussten herstellen. Mittlerweile gibt es eine wissenschaftliche Betrachtung von zwei Grundformen des Denkens, das schnelle und das langsame. Das schnelle entspricht der intuitiven holografischen Wahrnehmung, das langsame eher der dem logisch sequenziellen. Der innere Heiler ist eine Funktion der unmittelbaren  Wahrnehmung der individuellen Realitäten mit der Chance die verzerrenden und krankmachenden Schwingungsmuster zu identifizieren und zu verändern“, so Hein.[2]

Künstlerische Prozesse können den Weg der Heilung unterstützen.

Wie sieht dein innerer Heiler, deine innerer Ärztin aus? Lass dich überraschen. Das kann ein konkretes Wesen sein, aber auch in abstrakten Bildern können sich diese Energien ausdrücken. Welche Farbe zieht dich an? Welche Form? Fühle intuitiv, ob es sich um einen männliche oder weibliche Energie, einen Arzt oder eine Ärztin, handelt. Hier geht es nicht um Geschlechterzuschreibungen, sondern um die polaren Urkräfte, Tun und Sein. Die männliche Urkraft steht für anderer Impulse als die weibliche.

Diffus, fließend und formlos

Das weibliche Prinzip steht in seiner positiven Ausprägung für Hingabe und Empfänglichkeit. „Tief in uns verborgen leben eine innere Frau, eine Magierin und Feuerhüterin. Sie kümmert sich darum, dass das innere Leuchten, die Urkraft, nie erlischt. Sie ist ganz lebendig, voller Ideen, Mut und grenzenloser Loyalität, angefüllt mit weisen Einsichten und Liebevollen Empfindungen“, beschreibt es Westphalen.[3] Die weibliche Energie ist eher diffus, fließend und formlos. Gleichzeitig ist sie schöpferisch-gestaltend, gebärend, verwandelnd und heilend. Die weibliche Kraft, die etwa in der Medizin der schamanischen Tradition vertreten ist, sieht das größere Ganze, hat einen Meta-Blick.[4]

Impulsiv, spontan und zielgerichtet

Das männliche Prinzip beschreibt das Denken, Handeln und die Aktivität. Die männliche Energie ist impulsiv, spontan, zwanglos, triebhaft, fokussiert und zielgerichtet, kämpferisch, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert. Die männliche Urkraft finden wir auch in der klassischen Medizin vertreten, die bis in die kleinsten Details hinein untersucht und forscht. Positiv gelebte männliche Kraft führt zu Mut, Entschlossenheit, Klarheit, Akzeptanz und größtmöglicher Freiheit.

Welche Botschaft hat deine innere Heilerin für dich?


Ulrike Hinrichs

„Krankheit als Bild“ bald überall im Buchhandel

[1] Hein, Hans in Hinrichs (2019, S.74). Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

[2] Ulrike (2019, S. 74). Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

[3] Westphalen, Jutta (2016, S. 659). Die Urkraft der Weiblichkeit oder weshalb Frauen die besseren Lebenskünstler sind“

[4] Croissier, Getrude R. (2006), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung.

Multiple Sklerose – Krankheit als Bild

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Die Ameise für Multiple Sklerose

Die 30-jährige Klientin bekam vor einem halben Jahr die Diagnose Multiple Sklerose, eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Körpereigene Zellen greifen die Myelinscheiden von Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark an.

In unserer Gruppe Krankheit als Bild arbeiten wir  mit der Kunst als Ausdrucksform. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für unbewusste Problemthemen. Symbole können diese Themen auf einer metaphorischen Ebene verdichten und auf den Punkt bringen. Gern arbeite ich mit Tiersymbolen.

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es? Das für die Erkrankung typische und sehr unangenehme Kribbeln assoziierte die junge Frau mit einer Ameise.

Für die Bedeutungen der Tiersymbolik können wir auf die Lebensweise der Tiere blicken, ebenso wie auf kollektive Deutungen aus Mythen und Geschichten. Bei  Tieren liefern auch Krafttiere aus dem Schamanismus hilfreiche Impulse.

www.krankheit-als-bild.de

Eine schwere Last tragen

Ameisen zählen zu den stärksten Lebewesen überhaupt. Sie können bis zum Vierzigfachen ihres eigenen Gewichts tragen. Einige Ameisen in Afrika können einen ganzen Wald leer räumen, wenn die Nahrung knapp ist. Ihre Bauten sind architektonische Meisterwerke. Ihre Staaten perfekt organisiert. Die Botschaft der Ameise ist daher die Strategie der Geduld. Auch steht sie für Gemeinschaft und eine natürliche Ordnung. Gleichzeitig kann die Ameise auch darauf hindeuten, eine schwere Last zu tragen, zu perfektionistisch zu sein oder zu sehr zu planen.

Ameisengift als Ausdruck von Wut und Zorn

Das Ameisengift und sein Brennen ist das Gegengift zum inneren Brennen, verursacht durch unterdrückte Wut und Zorn. Die Ameise spiegelt die Wutkraft, die man gegen sich selbst richtet, statt sie auszuleben. Wenn du anderen Menschen Macht über dich gibst, dich klein machst, dich unwichtig glaubst, dann unterdrückst du deine eigene feurige Kraft.  Die Ameise zeigt dir den Weg, dir diese Kraft zurückzuerobern, so die Krafttierbotschaft. Vielleicht sagt sie dir auch, dass du dich zu sehr um die Angelegenheiten anderer Menschen kümmerst, statt um dich selbst. Die Ameise wird dich so lange stören und nerven, bis du deinen Platz gefunden hast. Sie kann auch darauf hinweisen, dass du zu viel Verantwortung tragen musst. (Krafttierdeutung aus: Jeanne Ruland, Krafttiere begleiten dein Leben)

Auch Symptome zeigen eine symbolische Bedeutung. Der Mediziner und Arzt Ruediger Dahlke ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter. In seinem Buch „Krankheit als Symbol“ beschreibt er von A-Z zu einzelnen Symptomen die jeweilige Deutungsebene und zeigt Wege zur Einlösung der unbewussten Themen auf. Zur Multiple Sklerose weist Dahlke vor allem auf eine hohe Eigendisziplin, Unterdrückung von Impulsen und zu viel Kontrolle hin. Sich selbst mit größter Härte zurücknehmen, Abkehr von den eigenen Stärken und Möglichkeiten, sind weitere wichtige Stichpunkte. Sich selbst bremsen und lähmen, einen Weg gehen, der nicht der eigene ist, sich nach den Bedürfnissen und Wünschen anderer richten, können ebenso von Bedeutung sein.

Einige Fragen können lauten:

  • Bist du oft hart zu dir selbst?
  • Gehst du deinen eigenen Weg?
  • Kümmerst du dich viel um andere Menschen?
  • Nimmst du deine unbändige Wut wahr?
  • Was unterdrückst du?
  • Was lähmt dich?
  • Kontrollierst du, planst du viel im Voraus?
  • Welche Kraft unterdrückst du in dir?
  • Was will zu Leben erwachen?
  • Was willst Du vom Leben?
  • Welchen Platz möchtest du einnehmen?
  • Nimmst du dir genug Raum?
  • Wo und mit wem bist du gern in Gemeinschaft, wo ist es zu viel?
  • Trägst du zu viel Verantwortung?
  • Wer unterstützt dich?
  • Bist du geduldig?
  • Machst du dich klein?
  • Fühlst du dich unbedeutend?

Ulrike Hinrichs

Überall im Buchhandel

Die weibliche Urkraft

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Ich sehe in dir den goldenen Buddha

Die weibliche Urkraft

Wir alle leben zwischen den Polen der weiblichen und männlichen Kraft. Die Begrifflichkeiten haben nichts mit der Geschlechterzuordnung  zu tun. Beide Pole leben in jedem Menschen, schon C.G. Jung hat die Archetypen der Anima, als Urbild der Frau im Mann und des Animus als Urbild des Mannes in der Frau beschrieben. Das weibliche Prinzip steht für Hingabe und Empfänglichkeit. Die Energie ist eher diffus, fließend und formlos. Gleichzeitig ist sie schöpferisch-gestaltend, gebärend, verwandelnd und heilend. Das männliche Prinzip beschreibt das Denken, Handeln und die Aktivität. Die männliche Energie gibt Inspiration. Sie ist fokussiert und zielgerichtet, kämpferisch, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert. Die männliche Energie schützt und hält die weibliche Energie. Beide Kräfte sind gleichwertig, die männliche Energie ist allerdings in unserer westlichen Kultur durch die materialistisch-mechanistische Weltsicht überbetont worden. Wettbewerb, Leistung und wissenschaftliche Fakten stehen im Fokus der Gesellschaft. Das Weltbild bzw. die Werte der Gesellschaft sind allerdings im Wandel. Sinnsuche, Respekt vor der Natur und ihren Geschöpfen sowie eine nährende Gemeinschaft treten mehr und mehr in den Vordergrund.

Das bewusste Zurückkehren zur weiblichen Energie wird durch eine Veränderung des Fokus erreicht, indem wir die Aufmerksamkeit nach innen richten. „Empfangen, Weiten, Austragen und Hergeben – dies ist das Mysterium des Großen Weiblichen, das Grundmuster der weiblichen Schöpfungskraft“, beschreibt es Croissier.[1]  Umhüllen, Bergen, Halten, Bewahren, Nähren und Schützen sind Stärken der weiblichen Urkraft, in ihrer übertriebenen Ausprägung gehören zum Großen Weiblichen: „Einengen, Festhalten, Abhängigmachen, Verschlingen, Fressen, Töten (…).“[2]

Zur Wiedererweckung der weiblichen Urkraft geht es darum, sich dieser Kraft bewusst zu werden und sie ins Leben zu integrieren.

Fragen dazu können lauten:

Was steht für die weibliche Urkraft, die große Mutter?

Wie sieht es mit meiner weiblichen Kraft aus?

Wo umhülle ich jemanden oder etwas, halte und nähre?

Wo enge ich ein?

Wo halte ich fest, obwohl ich loslassen müsste?

Wo verschlinge ich jemanden oder etwas?

Von wem oder was bin ich abhängig?

Wen oder was mache ich von mir abhängig?

Wo kann ich einfach nur sein?

Was tut mir gut, um nichts zu tun?

Was hält mich davon ab, nichts zu tun?

Mit wem oder was fühle ich mich tief verbunden, wäre ich gern verbunden?

Anschließend können Sie ihre weibliche Kraft künstlerisch umsetzen.

Wie sieht sie aus, die weibliche Kraft? Was Ihnen fällt auf? Welche Farben hat sie? Was gefällt Ihnen, was nicht ….?

© Ulrike Hinrichs

Ähnliche Themen:

Literatur

[1] Getrude R. Croissier (2006, S. 28), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung. Schalksmühle: fabrica libri

[2] Getrude R. Croissier (2006, S. 155)

Blutdruckschwankungen – Krankheit als Bild

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Kunst als Sehhilfe

Wir geraten aus der Balance, sind im Stress oder psychisch stark beeinträchtigt. Solche Störungen können im Körper einen Ausdruck finden, wenn sie im sprachlosen Raum gefangen sind.  Wir können die Kunst nutzen, um unseren Körper besser zu verstehen. Der künstlerische Ausdruck macht nicht nur die Beeinträchtigungen und Schmerzen metaphorisch sichtbar, sondern kann vor allem auch die Ressourcen in schweren Themen aufzeigen. Die Kunst hilft uns bei der Befreiung aus dem Gefängnis. Die Kunst als authentischer Ausdruck bringt Inneres nach außen und manifestiert es in einem Werk. Die intuitive Seite in uns denkt in bildhaft metaphorischen Assoziationsnetzen, die wir durch künstlerische Prozesse wecken. Assoziationen und innere Bilder sind eher wie Träume, die man erst einmal verstehen muss. Der künstlerische Ausdruck dient der Intuition dabei als eine Sehhilfe. Wir können uns fragen: welche Assoziation kommen mir in den Sinn? Welche kollektive Deutung enthält für mich eine wichtige Information? Und welche Rückmeldung von anderen berührt mich, so dass ich zu der Erkenntnis gelange, all das betrifft tatsächlich auch mein Thema, mein Anliegen. Das sind Fragen, die die analytische und reflektierende Seite in uns zur Überprüfung stellen kann. Ich möchte das anhand eines Beispielsfall illustrieren.

www.krankheit-als-bild.de

Diagnose Herz- Kreislauf, Blutdruckschwankungen

Die 59-jährige Klientin berichtete von Blutdruckschwankungen. Manchmal schlage der Blutdruck plötzlich und ohne ersichtlichen Grund vor allem nach oben aus. Sie fühle sich erschöpft und müde. Oft habe sie vor allem am Morgen Kopfschmerzen. Das beunruhige sie sehr. Eine organische Ursache sei nicht gefunden worden.

Siehe zum Thema Herz-Kreislauf auch Bluthochdruck – Krankheit als Bild

Auf die Frage welches Tier ihr in den Sinn käme, das für ihre Symptome stehen könnte, sagte sie spontan: Der Grashüpfer.

Das Herz macht Luftsprünge

„Der Grashüpfer  kann urplötzlich und für seine Größe extrem hoch springen. Von der absoluten Ruhe in der satten Wiese kann er unmittelbar umschalten und hochspringen. Gleichzeitig kann er stundenlang zirpen. Ich mag das Geräusch, es hat etwas Meditatives“, so die Klientin. „Auf dem Bild wirkt der Grashüpfer sehr verliebt, so als ob er mit gesenktem Kopf und „Hundeblick“ jemanden anhimmelt. Oder er flirtet mit dem Leben, genießt den Moment, das Grün um ihn herum?“

In einem ersten Schritt können wir über die Bildbetrachtung auf Überraschendes und Neues schauen. Was kommt uns in den Sinn, wenn wir auf das Bild blicken? Über dieses freie Assoziieren schalten wir auf das „wilde Denken“, wie es die Ethnologin Kessler nennt. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann spricht vom „schnellen Denken“.

Für die symbolische Deutung können wir uns die Lebensweise des Tieres anschauen und auch in mythologische oder schamanische Betrachtungen von Tieren eintauchen. Diese Informationen können wertvolle Anhaltspunkte liefern und neue Perspektiven schaffen.

Der  Grashüpfer gibt zur Anlockung von Partnertieren sowie zur Abgrenzung seines Territoriums zirpende Laute von sich. Die Klientin hatte auch den meditativen Ton erwähnt, den sie sehr möge. Beziehung, Grenzen setzen, hatte auch für die Klientin eine wesentliche Bedeutung.

In der Symbolik erinnert uns das beruhigende Zirpen des Grashüpfers daran, einen harmonischen Grundton im Leben anzuschlagen. Ist unsere Lebensmelodie gereizt, angespannt, harmonisch? Der Grashüpfer ruft dazu auf, nervenzerrendes Verhalten zu unterlassen, stattdessen Ruhe und Erholung ins Leben zu holen. Als Krafttier symbolisiert er auch Leichtigkeit, Erneuerung, Selbstentfaltung, Mut und Kreativität. Seine plötzlichen Höhensprünge weisen auf große Umbrüche hin. Das Leben muss in einem radikalen Ausmaß verändert werden, um in die volle Lebenskraft zu kommen, so die Grashüpfer-Botschaft. Das erfordert einen großen Schritt ins Unbekannte. Auch in Bezug auf diese kollektive Deutung fühlte sich die Klientin angesprochen.

Durch ihr Kunstwerk sei sie mehr auch an ihre Kraftquellen gekommen, das Leben genießen, „im Gras herumspringen“. Das Herz mache Luftsprünge.

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 

Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

 

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Die Intuition ist wie eine Katze. Sie kommt nicht auf Befehl.
Sondern nur dann, wenn sie sich sicher fühlt.

Jan Becker[1]

Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

Die auf inneren Bildern, Gefühlen und Empfindungen basierende Intuition konkret zu definieren, ist wegen ihrer Subjektivität bereits ein schwieriges Unterfangen. Sie kann als ein unmittelbares, nicht diskursives, nicht auf Reflexion beruhendes oft ahnendes bzw. plötzliches Erfassen beschrieben werden.[2] Die Quelle der Intuition liegt jenseits des rationalen Denkens.[3] „Intuition als Ahnung ist nicht ein Produkt eines willkürlichen Aktes, sondern ein unwillkürliches Geschehen, das von inneren und äußeren Umständen abhängt. Intuition ist eher wie eine Sinneswahrnehmung (…)“, beschreibt es C.G. Jung anschaulich.[4] Die Intuition dient aus holografischer Perspektive als Schwingungskanal für die Wahrnehmung von Feldinformationen. Die Informationen zeigen sich in Gefühlen, inneren Bildern, inneren Stimmen und plötzlichen Eingebungen und Inspirationen. Die Intuition wird durch die Fokussierung auf den Moment, durch ein Gewahrsein, eine Achtsamkeit für das Jetzt, begünstigt. Sie „entspringt aus dem riesigen Ozean des Nichtwissens. Sie bringt das Unerwartete und Nonverbale zum Vorschein. Sie lebt außerhalb der mentalen Grenzen und verleiht Gefühlen und dem Geist eine Stimme“, so Cassou.[5]

„Aus dem Nichts heraus zu sprechen und zu handeln führt zu einer anderen Wahrnehmung der Welt und zu einem anderen kreieren der Welt. Das große Nichts ist prozesshaft, unberechenbar, frei und fühlt im Hier und Jetzt, im echten wahrhaftigen Sein“, beschreibt es Hueber.[6] Der Mensch, der künstlerisch tätig wird, „befindet sich im Fluss des schöpferisch-seelischen Prozesses, er ist ganz bei sich, kann über das Gestalten seinem Seelenzustand Ausdruck verleihen, sich darüber aus seiner Isolation holen, seine Identität finden und formen. Ein direkter Bezug zu sich selbst in der Gegenwart entsteht. In diesem Zustand geistiger seelischer Verdichtung kann der eigene Sinn wieder gefunden werden.“[7] Diese Verdichtung, das Gewahrsein im Moment fördert intuitive Prozesse. Die Kunst basiert auf einer sinnlichen Wahrnehmung, statt auf rational analytischen Denkprozessen. „Echtes sinnliches Erleben ist auch bewusstes intuitives Erleben.“[8] 

Jenseits der Einordnung von Kunst in Denkschablonen wie „spiritueller Akt“ oder „Muse“ kann festgehalten werden, dass sowohl das Betrachten von Kunst als auch das schöpferische Tun die Intuition befördern. Das Kunstwerk spricht unbewusste intuitive Themen an. Es „spricht“ mit dem  Betrachter in einer metaphorischen Bildsprache, die sich jenseits der Ratio bewegt. Der Betrachter geht in Resonanz mit dem Werk. Oft sind die durch Kunstbetrachtung hervorgebrachten Gefühle und Eingebungen rational nicht nachvollziehbar. Oder sie bringen erst in der Reflexion auch einen rational nachvollziehbaren Aspekt zu Tage. Die intuitiven Empfindungen schaffen oft einen Sprung auf eine Metaebene der Betrachtung, die auf einen größeren Zusammenhang anspielt.

Ulrike Hinrichs (2017)

Zum Thema auch meine Beiträge:

Literatur

[1] Jan Becker, (2016). Das Geheimnis der Intuition. Man spürt, was man nicht wissen kann.  S. 23

[2] Duden Online, Begriff.

[3] Cameron, Julia (2009). Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Verlagsgruppe Droemer Knaur.

[4] Franz, Marie-Luise von; Henderson, Joseph L.; Jacobi, Jolande; Jaffé, Aniela (2012, S. 61). C.G. Jung. Der Mensch und seine Symbole. Ostfildern: Patmos.

[5] Cassou, Michele (2015, S. 156)  Point Zero – entfesselte Kreativität. Bielefeld: Aurum Kamhausen Mediengruppe GmbH.

[6] Hueber Simone Leona (2017, S. 64). Das Große Nichts. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  72, 2017, S. 64 ff.

[7] Leutkart, Christine; Wieland, Elke;Wirtensohn-Baader,Irmgard(2003, S. 14). Kunsttherapie – aus der Praxis für die Praxis: Materialien – Methoden – Übungsverläufe. Dortmund: vml Verlag.

[8] Wallner, Sabrina (2016, S. 100). Hypersensitiv. Das unbegrenzte Potenzial des menschlichen Geistes. Nördlingen: C.H. Beck.

TraumAtelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Das Wissen ist nicht im Gehhirn, sondern das Hirn im Wissen.

Dr. Hans Hein

 

Traumatelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Die klassische Traumdeutung geht zurück auf C. G. Jung, der Träume als ein Phänomen des „vorbewussten Wissens“ beschreibt, das dem kollektiven Unbewussten entspringt. Das kollektive Unbewusste sei eine Zusammenfassung aller Erfahrungen unserer Vorfahren, zu denen wir von Geburt an Zugang haben. Die Idee eines erweiterten, kollektiven Bewusstseins prägt heute auch den holografischen Ansatz, der sich in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen durchsetzt.

Das holografische Weltbild überschreitet die Grenzen der dreidimensionalen Realität, der Materie, in den virtuellen universellen Raum. Jedes System ist danach ein Holon, Teil eines größeren Ganzen, das gleichzeitig das Ganze repräsentiert. Auch der Mensch ist als ein Bestandteil und Spiegel des gesamten Universums, eines Mikrokosmos im Makrokosmos, zu verstehen. Mit der Annahme einer holografischen Sichtweise einher geht die Idee, dass die Verarbeitung und Speicherung von Erfahrungen im Gehirn des Menschen nach Prinzipien der Holografie erfolgt, so wie auch bei einem Hologramm Bilder als Frequenzmuster gespeichert werden. Der deutsche Astrophysiker von Ludwiger konstatiert, dass das Gehirn weder das Bewusstsein vorbringe, noch sich das Bewusstsein auf die somatische Struktur des Hirns setze.[1] Bewusstsein und damit auch Wissen liegen außerhalb des Gehirns, wie auch der Biologe Krall[2] feststellt. Der Physiker und Heisenberg-Schüler Heim definiert in seiner einheitlichen zwölf-dimensionalen Quantenfeldtheorie Bewusstsein sogar als eine Dimension des Universums.[3] Er beschreibt einen universellen Hyperraum, mit dem der Mensch über seine DNS verbunden ist. Im Hyperraum sei das Langzeitgedächtnis abgespeichert. Auch das Gehirn sei mit dem universalen Umfeld verbunden. Dabei gelten im Hyperraum andere Ordnungskriterien als in der langsamer schwingenden vierdimensionalen (Einstein’schen) Raumzeit. Hein beschreibt die Verbindung zwischen Mensch und intelligenten Feldern auf der Grundlage des neuronalen Nervensystems.[4] Ebenso Weichmann[5] geht in Annäherung an die Theorie des Physikers Bohm davon aus, dass es eine höherdimensionale Realität gibt, die unserer Wirklichkeit zugrunde liegt. Und nicht zuletzt Böckle stellt Bewusstsein als eine Existenz einer immateriellen Sphäre dar.[6]  Laszlo konstatiert, dass „der menschliche Geist kein isoliertes Etwas ist“.[7] Das von ihm beschriebene universelle In-Formationsfeld, das er „A-Feld“ nennt, nimmt „seinen Platz unter den fundamentalen Feldern des Universums, neben dem G-Feld (Gravitation) und den vereinigten elektromagnetischen und nuklearen Feldern und den Quantenfeldern“ ein.[8] In-Formation ist nach Laszlo eine „feine, quasi augenblickliche, nicht flüchtige und energielose Verbindung zwischen Dingen an verschiedenen Orten im Raum zu verschiedenen Zeitpunkten.“[9] Warnke nennt es eine „übergeordnete Hyper-Intelligenz“, die alles Leben durchdringt.[10] Der Biologe Sheldrake[11] beschreibt die Existenz von so genannten morphogenetischen Feldern, die wie eine Art Gedächtnis der Natur zu verstehen sind. Der Begriff des morphogenetischen Feldes geht auf den Botaniker Reinke[12] zurück, der eine formgebende Kraft in der Natur konstatiert. Goethe, der heute im Alltagswissen mehr wegen seiner Künste als seiner naturwissenschaftlichen Forschungen bekannt ist, berief sich auch auf ein kontinuierlich tätiges, unsichtbares Bildungsprinzip im Lebendigen,[13]  das an die Annahmen des hundert Jahre später lebenden Sheldrake erinnert. Ziemke knüpft heute wieder an Goethes Idee der  Metamorphose an.[14] Nach dem Zellbiologen Lipton[15] kontrollieren nicht unsere Gene unsere Körper, sondern unsere Wahrnehmung kontrolliert unsere Biologie. Lipton stellt die herkömmliche Annahme auf den Kopf, dass unsere DNS unser physisches Dasein bestimme. Vielmehr werde sowohl unser individuelles Leben als auch unser kollektives Dasein durch die Verbindung von innen und außen, zwischen Geist und Materie gesteuert. Davon geht auch der Mediziner Dossey aus, der die heilende Wirkung von Gebeten als nicht lokale medizinische Ereignisse erforscht hat.[16] Die Idee eines universellen Heilungsfeldes findet auch in der Medizin Gehör.[17] Die Theologen Küstenmacher und Haberer[18] beschreiben „oben wie unten, im Mikro- wie im Makrobereich gigantische Einheiten, die sich darum bemühen, eine kollektive Intelligenz zu erzeugen“.

Diese wissenschaftlichen Ansätze nähern sich damit auch uralten spirituellen Ideen an, die in allen Religionen wiederzufinden sind. Der Philosoph Wilber hat mit seiner integralen Theorie die Grenzen der herkömmlichen Wissenschaften überschritten und konkurrierende Denkschulen und Wissenschaftsdisziplinen sowie auch spirituelle Ansätze zu einem allumfassenden Modell verbunden.[19] Der Physiker Dürr beschreibt unsere Realität so: „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere.“[20] Der Historiker Bähr weist darauf hin, dass erst seit dem Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Hinwendung zur Vernunft Emotionen dem Individuum zugeschrieben wurden.[21] In der davor liegenden Menschheitsgeschichte hatten Gefühle ihren Ursprung in Gott. Der handelnde Mensch verstand sich nicht als abgeschlossenes Individuum, sondern als Ausgrabungsort von Ereignissen im göttlichen Kosmos. Die alten vedischen Lehren gingen davon aus, dass das Universum ein schwingendes Feld ist.[22] Dieses Energiefeld nannten sie Akasha. Das mythologische Bild aus dem Mahayana Buddhismus – Indras Netz – ist eine weitere Metapher zur Beschreibung einer noch viel älteren vedischen Lehre, die ebenfalls verdeutlicht wie die Struktur des Universums in einem Netz verflochten ist. Dieses Energiefeld, das aus spiritueller Sicht Gott genannt wird, ist die gemeinsame Wurzel aller Religionen. Diese Entwicklung geht einher mit einem Erstarken von Spiritualität in den westlichen Gesellschaften. Auch zahlreiche Kunsttherapeuten weisen auf das Potential der Spiritualität, wie etwa exemplarisch Baer und Schuster oder auch Decker-Voigt in Bezug auf die Musiktherapie.[23]

Die Idee von kollektiven Bewusstseinsfeldern verbreitet sich auch in der Gesellschaft. Es gibt bereits virtuelle Verbindungen von einer Vielzahl von Menschen, die ortsunabhängig sowie Länder und Kontinente übergreifend gemeinsam zur Heilung von kollektiven Traumata[24] wie etwa der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit[25], der Fukushima[26] Katastrophe oder jüngst im Februar 2016 für den Frieden in Syrien[27] meditieren. Das von der Universität Princeton initiierte Global Consciousness Project (Globale Bewusstseinsprojekt) geht in einem mit weltweit ca. hundert Forschern und Ingenieuren langfristig angelegten Experiment wissenschaftlich der Frage der Existenz eines globalen Bewusstseins nach.[28] Die Annahme universeller Wissensfelder, mit denen das Lebendige in Interaktion steht, birgt eine völlig neue Herangehensweise auch für die Betrachtung und Heilung psychischer Beeinträchtigungen in der Therapie.

Mit diesem paradigmatischen Perspektivwechsel von einem materialistisch-mechanistisch hin zu einem holografischen Weltbild erklären sich viele Ebenden der Realität ganz neu. Wissen und Erfahrungen sind in universellen Feldern gespeichert, mit denen der Mensch in Resonanz steht. Psychische Beeinträchtigungen und seelischen Nöte wechselwirken ebenso mit diesen Feldern wie kollektive Verletzungen und Traumata. Neben inneren Bildern, intuitiven Impulsen, „Bauchgefühlen“,  Eingebungen und den Hellsinnen sind auch Träume Sprachrohr dieser Wissensfelder. Traumbotschaften sind sehr komplex und ihre Deutung durch festgeschriebene Zuweisungen schwierig.  Das Geträumte lässt sich aber oft symbolisch erfassen. Am besten eignet sich das wertfreie Assoziieren, um diese metaphorischen Botschaften zu entschlüsseln. Eine hilfreiche Unterstützung bietet dabei die Kunsttherapie, die innere Bilder sichtbar machen kann. Das Kunstwerk kann einen Kanal für eine bildhafte Kommunikation bieten, es wird zum Sprachrohr der Intuition werden.

© Ulrike Hinrichs (2017)

Literatur

[1] von Ludwiger, I. (2013, S. 153 f.). Unsterblich in der 6-Dimensionlaen Welt: Das neue Weltbild des Physikers Burkhard Heim. München: Komplet-Media.

[2] Krall, S.  (2017). ). Zwischen Biologie, Philosophie und Parapsychologie. Hans Diesch, der Vitalist. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  65, 2015, S. 18 ff

[3] von Ludwiger, I. 2010), Wilber (2007), so auch Laszlo (2007); so auch Schwartz, Beauregard, Miller (2016) in ihrem Manifest für eine post-materialistische Wissenschaft.

[4] http://www.forumsynergie.de

[5] Weichmann, J. (2015). Annäherung an Gott. Sein, 2015, Nr. 233, S. 9 ff.

[6] Böckle, R. 2014, S. 25 ff. Ist das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns? TattvaViveka,Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  61, 2014, S. 25 ff.

[7] Laszlo (2007, S. 116). Zu Hause im Universum. Die neue Vision der Wirklichkeit.  Berlin: Allegria.

[8] Laszlo (2007, S. 73). ebenda

[9] Laszlo (2007, S. 57). ebenda

[10] Warnke (2017, S. 19). ebenda

[11] Sheldrake, R.  (2002). Das Gedächtnis der Natur: Das Geheimnis der Entstehung der Formen in der Natur. Bern, München, Wien: Scherz.; auch Krall (2015, S. 18) ebenda

[12] Reinke, J. (1922, S. 82, 89). Grundlagen einer Biodynamik.Abhandlungen zur theoretischen Biologie, Band 16. Berlin: Borntraeger.

[13] Merker, W. (2015, S. 52 ff.; 2015b, S. 18). Vom mechanistischen zum organischen Denken. Wege zur Erkenntnis des Lebendigen. Münster: Monsenstein&Vannerdat.

[14] Ziemke, A. (2016). Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Die Wiedergeburt von Goethes Metamorphoseidee in der Evolutionären Entwicklungsbiologie. Frankfurt a.M.: Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG.

[15] Lipton, H. B. (2009). Intelligente Zellen: Wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Burgrain: Koha Verlag.

[16] Dossey, L.  (2013). Heilende Worte. Die Kraft der Gebete als Schlüssel zur Heilung.

[17] Michel, K. u.a. (2016). Das universelle Heilungsfeld. Die neue Dimension des Heilens. Grafing: Aquamarin Verlag.

[18] Küstenmacher & Haberer (2015, S. 199). Gott 9.0. Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

[19] Wilber (2001), Ganzheitlich handeln: Eine integrale Vision für Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Spiritualität. Freimat: Arbor.

[20] Dürr, H. (Hrsg.)  (2008). Physik und Transzendenz. Die großen Physiker unserer Zeit über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Tschechische Republik: Driediger.

[21] Bähr (2013). Furcht und Furchtlosigkeit: Göttliche Gewalt und Selbstkonstitution im 17. Jahrhundert. Göttingen: V&R Unipress.

[22] Siehe etwa Laszlo (2007), ebenda.

[23] Baer, U. (2014) Gefühlssterne, Angsfresser, Verwandlungsbilder. Kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle. Neukichen- Vluyn: Semnos; Schuster, M. ((2008) Rituale, Kunst und Kunsttherapie. Berlin: MWV Medizinische Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ; Decker Voigt, H. (2016), ). „…das berührt mich tief“ – Musiktherapie und Basale Stimulation/Basale Bildung. Wiesbaden: Reichert Verlag.

[24] Global Mediation via facebook für Globale Heilung mit knapp 80.000 Followern.

[25] Siehe etwa Thomas Hübel, 24.4.2010, Healing Event.

[26] Global Meditation für Fukushima mit über 32.000 Followern.

[27] Global Meditation für Syrien, Initiator James Twyman

[28] TatvaViveka (2016), aktuelle Meldungen.