Psychologie: Kunst ist Elefantensprache

Seniorenresidenz Harburg – Kreativer Begegnungsraum“

Warum hilft uns die Kunst als Ausdrucksform, um die Sprache unserer Seele zu verstehen? Dazu möchte ich dir anhand des Modells von Elefant und Reiter etwas zum Hintergrund unserer zwei Denksysteme erzählen. Die Metapher von Elefant und Reiter geht auf den amerikanischen Psychologen John Haidt zurück.[1] Haidt beschreibt damit das Zusammenspiel von rationalem Denken und der automatischen Verarbeitung von Reizen. Diese unterschiedlichen Systeme kennen wir auch von Daniel Kahneman, Professor für Psychologie und Nobelpreisträger für Wirtschaft. Er unterscheidet das langsame, rationale Denken und das schnelle, assoziative Denken, welches der Intuition entspringt. Die Ethnologin Dr. Kessler bezeichnet es synonym als das nach innen gerichteten „wilde Denken“.[2]

Das rationale, langsame Denken läuft linear. Das bedeutet, dass solche Prozesse von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft laufen. Es steht im Zentrum unseres Bewusstseins. Die Verarbeitung ist begrenzt. Im Vergleich zu intuitiven Prozessen ist es langsam. Kontrollierte Prozesse erfordern, die Sprache der Buchstaben und Worte sprechen zu können. Während das planmäßige und lineare Denken über Faktenchecks, Analysieren und Zerlegen von Bestandteilen in ihre Einzelteile langsame Schlüsse zieht, agiert das wilde Denken für den aktiven Geist blitzschnell und oft unbewusst in endlosen vernetzten Assoziationsketten. „Wie Kräuselwellen auf der Oberfläche eines Teiches breitet sich die Aktivierung durch einen kleinen Teil des riesigen Netzwerks assoziativer Vorstellungen aus“, konstatiert Kahneman.[3]

Intuitive Prozesse laufen mühelos und automatisch. Ein großer Teil dieser Prozesse ist unbewusst. Das wilde Denken erfordert keine Anstrengung oder Lenkung. Gleichzeitig sind seine Botschaften nicht immer leicht zu verstehen. Sie sind eher Symbolisch und metaphorisch. Die Metapher des Elefant und Reiter beschreibt anschaulich die Dynamik zwischen diesen beiden Polen. Der Reiter steht für den rationalen Geist, der auf dem Rücken des Elefanten sitzt und diesen lenkt. Der Reiter spricht die Sprache der Worte. „Der Reiter (…) ist das bewusste, kontrollierte Denken. Der Elefant ist dagegen alles andere. Zum Elefanten gehören Bauchgefühl, instinktive Reaktionen, Emotionen und Ahnungen, die die automatische Verarbeitung großteils ausmachen. Elefant und Reiter haben jeweils ihre eigene Intelligenz, und wenn sie gut zusammenarbeiten, kann die einzigartige Genialität der Menschen zutage treten.“[4]

Das wilde Denken ist Elefantensprache. Der Elefant steht für die weibliche Urkraft. Er mag die Künste, Mythen, Märchen und Geschichten. Er reagiert auf Emotionen. Es ist die Symbolsprache der Seele, die der Elefant versteht. Die Kunst ist eine Ausdrucksform dafür. Sie kann mühelos in dunklen Ecken schauen, in die wir oft nicht blicken wollen oder können. Der künstlerische Ausdruck ist eine Lichtquelle, um der Dunkelheit in uns zu begegnen. Oft ist ihre Sprache rätselhaft und für den Verstand nicht immer auf Anhieb zu verstehen. Es ist als seist du auf der Fährte des Elefanten unterwegs, die dich durch das Dickicht des Waldes auf eine Lichtung führt.

(c) Ulrike Hinrichs – Die Texte sind urheberrechlich geschützt.

Erscheint in Kürze:

Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der Kreativapotheke (mit Andrea Wandel)

Literatur


[1] Haid, Jonathan (2007). Die Glückshypothese. Was uns wirklich glücklich macht. Die Quintessenz aus altem Wissen und moderner Glücksforschung. Kirchzarten: VAK Verlag.

[2] https://christinakessler.com/wildes-denken-im-einklang-mit-der-welt/ (15.10.2022)

[3] Kahneman, Daniel (2011). Schnelles Denken, langsames Denken. München: Penguin Verlag

[4] Haidt, (2007, S. 34)

Die weibliche Urkraft

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Ich sehe in dir den goldenen Buddha

Die weibliche Urkraft

Wir alle leben zwischen den Polen der weiblichen und männlichen Kraft. Die Begrifflichkeiten haben nichts mit der Geschlechterzuordnung  zu tun. Beide Pole leben in jedem Menschen, schon C.G. Jung hat die Archetypen der Anima, als Urbild der Frau im Mann und des Animus als Urbild des Mannes in der Frau beschrieben. Das weibliche Prinzip steht für Hingabe und Empfänglichkeit. Die Energie ist eher diffus, fließend und formlos. Gleichzeitig ist sie schöpferisch-gestaltend, gebärend, verwandelnd und heilend. Das männliche Prinzip beschreibt das Denken, Handeln und die Aktivität. Die männliche Energie gibt Inspiration. Sie ist fokussiert und zielgerichtet, kämpferisch, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert. Die männliche Energie schützt und hält die weibliche Energie. Beide Kräfte sind gleichwertig, die männliche Energie ist allerdings in unserer westlichen Kultur durch die materialistisch-mechanistische Weltsicht überbetont worden. Wettbewerb, Leistung und wissenschaftliche Fakten stehen im Fokus der Gesellschaft. Das Weltbild bzw. die Werte der Gesellschaft sind allerdings im Wandel. Sinnsuche, Respekt vor der Natur und ihren Geschöpfen sowie eine nährende Gemeinschaft treten mehr und mehr in den Vordergrund.

Das bewusste Zurückkehren zur weiblichen Energie wird durch eine Veränderung des Fokus erreicht, indem wir die Aufmerksamkeit nach innen richten. „Empfangen, Weiten, Austragen und Hergeben – dies ist das Mysterium des Großen Weiblichen, das Grundmuster der weiblichen Schöpfungskraft“, beschreibt es Croissier.[1]  Umhüllen, Bergen, Halten, Bewahren, Nähren und Schützen sind Stärken der weiblichen Urkraft, in ihrer übertriebenen Ausprägung gehören zum Großen Weiblichen: „Einengen, Festhalten, Abhängigmachen, Verschlingen, Fressen, Töten (…).“[2]

Zur Wiedererweckung der weiblichen Urkraft geht es darum, sich dieser Kraft bewusst zu werden und sie ins Leben zu integrieren.

Fragen dazu können lauten:

Was steht für die weibliche Urkraft, die große Mutter?

Wie sieht es mit meiner weiblichen Kraft aus?

Wo umhülle ich jemanden oder etwas, halte und nähre?

Wo enge ich ein?

Wo halte ich fest, obwohl ich loslassen müsste?

Wo verschlinge ich jemanden oder etwas?

Von wem oder was bin ich abhängig?

Wen oder was mache ich von mir abhängig?

Wo kann ich einfach nur sein?

Was tut mir gut, um nichts zu tun?

Was hält mich davon ab, nichts zu tun?

Mit wem oder was fühle ich mich tief verbunden, wäre ich gern verbunden?

Anschließend können Sie ihre weibliche Kraft künstlerisch umsetzen.

Wie sieht sie aus, die weibliche Kraft? Was Ihnen fällt auf? Welche Farben hat sie? Was gefällt Ihnen, was nicht ….?

© Ulrike Hinrichs

Ähnliche Themen:

Literatur

[1] Getrude R. Croissier (2006, S. 28), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung. Schalksmühle: fabrica libri

[2] Getrude R. Croissier (2006, S. 155)

Portraits from heaven

Portrait from heaven

Das Universum schafft künstlerisch. Um mit ihm zu kommunizieren müssen wir kreativ sein.

Ulrike Hinrichs

Während meine Eltern in den 1970er mit Religion nichts am Hut hatten, ging ich mit meiner Großmutter in der Diaspora in Hamburg  oft in die Kirche. Sie stammte aus Aachen und war erzkatholisch. Ich lernte von ihr all die Mythen und Geschichten um Jesus von Nazareth. Es gab viele Gebete, die ich in der Kirche mitsprechen konnte. Ich lernte das Glaubensbekenntnis, in dem mich ein Satz über Jesus Christus besonders beeindruckte: „hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel …“

Wie sollte das gehen? Ein Toter fährt in den Himmel wie mit einem Fahrstuhl? Ich war verwirrt, fragte mich, wo all die seit Jahrhunderten Verstorbenen Platz finden sollten. Der Himmel müsste maßlos überfüllt sein, sinnierte ich in meiner kindlichen Naivität. Je älter ich wurde, desto mehr zweifelte ich an all den Regeln und Vorschriften, die mich die katholische Kirche lehrte. Leider brachte mich das ganze System Kirche ganz weg von spirituellen Gedanken. Ich glaubte fest an das, was mir in der Schule, unserer Gesellschaft, beigebracht wurde: Die Welt, sogar der Mensch, funktionieren wie eine Maschine. Bewusstsein wird vom Gehirn produziert. Der Stärkere setzt sich durch. Die ganze evolutionäre Entwicklung ist mit „Zufällen“ zu erklären. Und so weiter und so fort.

Es sollte Jahrzehnte dauern, bis ich mich wieder für spirituelle Themen öffnen konnte. Paradoxerweise war es die Wissenschaft, die mich an neue Impulse und Perspektiven führte. Immer öfter begegnete mir die Verbindung zwischen Wissenschaft und Spiritualität. In verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebieten breitete sich die Idee einer holistischen Weltsicht jenseits der materialistischen Perspektive immer mehr aus (ausführlich dazu in meinem Buch Kunst als Sprache der Intuition). Wir sind alle miteinander verbunden. Wir sind Teil des Ganzen und spiegeln gleichzeitig das Ganze. Wir können über große Distanzen hinweg, ohne körperliche Anwesenheit, miteinander in Kontakt sein. Die Welt ist ein lebender Organismus, der wiederum Teil eines lebendigen Universums ist.

Was mich besonders faszinierte waren die neuen Idee der Quantenphysik, wonach es mehr als die drei uns bekannten Dimensionen gibt. Albert Einstein brachte bereits die vierte Dimension (Raum-Zeit) mit ins Spiel. Mittlerweile gibt es Wissenschaftler, die von teils bis zu zwölf Dimensionen (zum Beispiel der Physiker Burkhard Heim) ausgehen. Und es entwickelte sich die Annahme, dass unser Bewusstsein eine Dimension des Universums darstellt. Das würde bedeuten, dass das individuelle Bewusstsein als Teil eines größeren universellen Bewusstseins, vergleichbar mit einer Welle im Ozean, zur Entwicklung des gesamten Bewusstseinsfeldes beiträgt. So wie es elektromagnetische Felder oder Gravitationsfelder gibt, bestehen Bewusstseinsfelder, die Bestandteil der universellen Prinzipien sind. Das ganze Universum entwickelt sich durch unser Bewusstsein weiter. Und wenn wir auf die gesamte Menschheitsgeschichte blicken, dann sehen wir tatsächlich eine beeindruckende evolutionäre Entwicklung, einen gigantischen  Zuwachs an Wissen bis hin zu einer globalen Vernetzung der Menschheit durch die heute mögliche virtuelle Verbindung im Internet.

Die Wissenschaft entwickelt sich mit der Menschheit weiter, bringt neue Erkenntnisse und Perspektiven. Sie schafft gleichzeitig immer nur eine Momentaufnahme auf die gerade aktuelle Zeit. Oder um es mit dem Mediziner und Coach Dr. Hans Hein zu sagen, der das Vorwort zu meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ geschrieben hat:

Wissenschaft ist der gegenwärtige Stand des Irrtums

Hans Hein

Wenn wir uns also auf die Idee einlassen, dass Bewusstsein ein Teil des gesamten Universums ist, dann müsste das Bewusstsein eines Menschen nach dem Tod erhalten bleiben. Wie eine Welle im großen Meer verschwindet, könnte auch das individuelle Bewusstsein ins Bewusstseinsfeld eintauchen. Davon gehen im Übrigen alle Religionen und spirituellen Lehren aus.

Eine Frage bleibt offen, nämlich ob dieses „individuelle Bewusstsein“ dann noch „wiederzufinden“ ist im großen Ganzen. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: können wir Lebenden mit diesen Bewusstseinsrückständen in Kontakt kommen? Denn alles ist Energie, alles ist verbunden. Schamanen, Medien, spirituelle Lehrer gehen ganz selbstverständlich in Kontakt mit ihren Ahnen.

Meine Neugierde zu dieser Frage spülte mich ins Arthur Findlay College, das ich erstmals 2008 besuchte. Es ist weltweit das einzige College, das sich ausschließlich der spirituellen Philosophie widmet. Als ich mich mit dem Taxi vom Flughafen London Standsted dem Anwesen näherte, überwältigte mich das  „Harry-Potter-Schloss“, das sich aus dem Grün der englischen Landschaft emporhob.

Arthur Findlay College im grauen November, London

Hochkarätige Medien aus ganz England lehren hier den Kontakt zur „spirituellen Welt“. Menschen aus allen Teilen der Erde, Australien, Asien, USA, Europa, Afrika, finden sich im College zusammen. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich war überwältigt. Zehn Jahre später besuchte ich in diesem  spirituellen Wunderland einen Kurs bei Alan Stuttle, der den Kontakt zur „spirituellen Welt“ über den künstlerischen Ausdruck herstellt. Und vor kurzem absolvierte ich nun einen online Kurs des Arthur Findlay Colloge „Portraits from Heaven“ bei Lynn Cottrell, die ebenfalls mit der Kunst arbeitet. Mich beeindruckt immer wieder, wie einfach und spielerisch eine Verbindung zum Bewusstseinsfeld über den künstlerischen Ausdruck funktioniert. Die Kunst ist die Sprache des Universums. Das Universum schafft künstlerisch.

Soul to soul painting

Lynn Cottrell erklärte uns über den Kontakt mittels Kunst zum Bewusstseinsfeld etwas sehr wertvolles. Aus ihrer Sicht gibt es zwei Formen des Zugangs. Wir können den Kontakt intuitiv von Herz zu Herz etwa über den künstlerischen Ausdruck herstellen. Lynn nennt es Soul-to-soul painting. Wir fühlen uns in den anderen ein, bekommen dadurch Zugang zu der Welt und den Themen des anderen. Im Kunstwerk drücken sich die oft noch unbewussten Anliegen in Symbolen und Bildern aus. Ich erkannte in dieser Beschreibung meine Arbeit in der Kunsttherapie. Ich nenne es „Kunst als Sprache der Intuition“. Die Kunst dient uns als Übersetzungshilfe für Informationen aus dem Feld.

Spirit world

Lynn berichtete sodann über den zweiten Zugangskanal zu Feldinformationen. Als Medium nehme sie direkt mit der „spirituellen Welt“ Kontakt auf und ließe sich von den „Guides“ in der geistigen Welt führen. Sie sagen und zeigen ihr, was gesehen werden will.

Ich habe mich auf diese Idee eingelassen, auch wenn ich einen solchen Kontakt nicht glaubte herstellen zu können. Ich experimentiere gern und lasse mich überraschen, was sich mir zeigt, wenn ich alle Vorgaben und Einschränkungen beiseitelege.

Während einer Übung entstand das hier abgebildete Portrait einer alten Schamanin, die mir kürzlich schon einmal in einem anderen Kontext bei einer schamanischen Ahnenmediation begegnet ist. Ich war beeindruckt, berührt und verwundert. Für mich fühlt sie sich wie eine Seelenführerin an.  

Ich traute mir im Laufe der Übungen nun immer mehr zu, auch für mein Gegenüber „Portraits from Heaven“ zu malen und die mir gebotenen Informationen preiszugeben. Eine wichtige Lernerfahrung war für mich, dass ich mutig genug sein musste, wirklich all das auszusprechen, was sich mir zeigte, auch wenn ich Sorge hatte, ob mein Gegenüber damit irgendetwas anfangen kann. Es war für mich magisch zu erleben, wie viel der von mir erlangten Informationen, von Nationalsozialismus über Autounfall bis Banalitäten wie Lakoste-Hemd, bei meinen Übungs-Klient*innen passte.

Ich möchte jedem, der sich für diese Weltsicht öffnen kann, den Zugang über die Kunst nahelegen. Wenn ich von Kunst spreche, dann geht es um den authentischen Ausdruck, jenseits irgendwelcher Bewertungen. Die Kunst ist eine Form des wilden assoziativen Denkens. Sie dient als Übersetzungshilfe für Informationen aus dem Bewusstseinsfeld.

Ulrike Hinrichs ist intermediale Kunsttherapeutin (Master of Expressive Arts), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Mediatorin, kreativer Coach, NLP Master, Ausbilderin für Kreative Therapien und Autorin. Sie versteht und nutzt den künstlerischen Ausdruck als eine integrative und allverständliche Sprache der Intuition. In ihrer Heimat Hamburg initiiert sie künstlerisch-kulturelle Integrationsprojekte mit Bürger*innen aus dem Stadtteil, um die Kunst auch als kollektive Ausdrucksform für gesellschaftsrelevante Themen zu nutzen. http://www.lösungskunst.com

Ulrike Hinrichs ist Autorin des Fachbuchs

Ulrike Hinrichs

Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen.

Synergia Verlag, 224 Seiten mit 40 farb. Abbildungen, ISBN: 9783906873824 22,90 €

Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

 

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Die Intuition ist wie eine Katze. Sie kommt nicht auf Befehl.
Sondern nur dann, wenn sie sich sicher fühlt.

Jan Becker[1]

Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

Die auf inneren Bildern, Gefühlen und Empfindungen basierende Intuition konkret zu definieren, ist wegen ihrer Subjektivität bereits ein schwieriges Unterfangen. Sie kann als ein unmittelbares, nicht diskursives, nicht auf Reflexion beruhendes oft ahnendes bzw. plötzliches Erfassen beschrieben werden.[2] Die Quelle der Intuition liegt jenseits des rationalen Denkens.[3] „Intuition als Ahnung ist nicht ein Produkt eines willkürlichen Aktes, sondern ein unwillkürliches Geschehen, das von inneren und äußeren Umständen abhängt. Intuition ist eher wie eine Sinneswahrnehmung (…)“, beschreibt es C.G. Jung anschaulich.[4] Die Intuition dient aus holografischer Perspektive als Schwingungskanal für die Wahrnehmung von Feldinformationen. Die Informationen zeigen sich in Gefühlen, inneren Bildern, inneren Stimmen und plötzlichen Eingebungen und Inspirationen. Die Intuition wird durch die Fokussierung auf den Moment, durch ein Gewahrsein, eine Achtsamkeit für das Jetzt, begünstigt. Sie „entspringt aus dem riesigen Ozean des Nichtwissens. Sie bringt das Unerwartete und Nonverbale zum Vorschein. Sie lebt außerhalb der mentalen Grenzen und verleiht Gefühlen und dem Geist eine Stimme“, so Cassou.[5]

„Aus dem Nichts heraus zu sprechen und zu handeln führt zu einer anderen Wahrnehmung der Welt und zu einem anderen kreieren der Welt. Das große Nichts ist prozesshaft, unberechenbar, frei und fühlt im Hier und Jetzt, im echten wahrhaftigen Sein“, beschreibt es Hueber.[6] Der Mensch, der künstlerisch tätig wird, „befindet sich im Fluss des schöpferisch-seelischen Prozesses, er ist ganz bei sich, kann über das Gestalten seinem Seelenzustand Ausdruck verleihen, sich darüber aus seiner Isolation holen, seine Identität finden und formen. Ein direkter Bezug zu sich selbst in der Gegenwart entsteht. In diesem Zustand geistiger seelischer Verdichtung kann der eigene Sinn wieder gefunden werden.“[7] Diese Verdichtung, das Gewahrsein im Moment fördert intuitive Prozesse. Die Kunst basiert auf einer sinnlichen Wahrnehmung, statt auf rational analytischen Denkprozessen. „Echtes sinnliches Erleben ist auch bewusstes intuitives Erleben.“[8] 

Jenseits der Einordnung von Kunst in Denkschablonen wie „spiritueller Akt“ oder „Muse“ kann festgehalten werden, dass sowohl das Betrachten von Kunst als auch das schöpferische Tun die Intuition befördern. Das Kunstwerk spricht unbewusste intuitive Themen an. Es „spricht“ mit dem  Betrachter in einer metaphorischen Bildsprache, die sich jenseits der Ratio bewegt. Der Betrachter geht in Resonanz mit dem Werk. Oft sind die durch Kunstbetrachtung hervorgebrachten Gefühle und Eingebungen rational nicht nachvollziehbar. Oder sie bringen erst in der Reflexion auch einen rational nachvollziehbaren Aspekt zu Tage. Die intuitiven Empfindungen schaffen oft einen Sprung auf eine Metaebene der Betrachtung, die auf einen größeren Zusammenhang anspielt.

Ulrike Hinrichs (2017)

Zum Thema auch meine Beiträge:

Literatur

[1] Jan Becker, (2016). Das Geheimnis der Intuition. Man spürt, was man nicht wissen kann.  S. 23

[2] Duden Online, Begriff.

[3] Cameron, Julia (2009). Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Verlagsgruppe Droemer Knaur.

[4] Franz, Marie-Luise von; Henderson, Joseph L.; Jacobi, Jolande; Jaffé, Aniela (2012, S. 61). C.G. Jung. Der Mensch und seine Symbole. Ostfildern: Patmos.

[5] Cassou, Michele (2015, S. 156)  Point Zero – entfesselte Kreativität. Bielefeld: Aurum Kamhausen Mediengruppe GmbH.

[6] Hueber Simone Leona (2017, S. 64). Das Große Nichts. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  72, 2017, S. 64 ff.

[7] Leutkart, Christine; Wieland, Elke;Wirtensohn-Baader,Irmgard(2003, S. 14). Kunsttherapie – aus der Praxis für die Praxis: Materialien – Methoden – Übungsverläufe. Dortmund: vml Verlag.

[8] Wallner, Sabrina (2016, S. 100). Hypersensitiv. Das unbegrenzte Potenzial des menschlichen Geistes. Nördlingen: C.H. Beck.

TraumAtelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Das Wissen ist nicht im Gehhirn, sondern das Hirn im Wissen.

Dr. Hans Hein

 

Traumatelier: Was sagen uns Intuition, innere Bilder und Träume?

Die klassische Traumdeutung geht zurück auf C. G. Jung, der Träume als ein Phänomen des „vorbewussten Wissens“ beschreibt, das dem kollektiven Unbewussten entspringt. Das kollektive Unbewusste sei eine Zusammenfassung aller Erfahrungen unserer Vorfahren, zu denen wir von Geburt an Zugang haben. Die Idee eines erweiterten, kollektiven Bewusstseins prägt heute auch den holografischen Ansatz, der sich in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen durchsetzt.

Das holografische Weltbild überschreitet die Grenzen der dreidimensionalen Realität, der Materie, in den virtuellen universellen Raum. Jedes System ist danach ein Holon, Teil eines größeren Ganzen, das gleichzeitig das Ganze repräsentiert. Auch der Mensch ist als ein Bestandteil und Spiegel des gesamten Universums, eines Mikrokosmos im Makrokosmos, zu verstehen. Mit der Annahme einer holografischen Sichtweise einher geht die Idee, dass die Verarbeitung und Speicherung von Erfahrungen im Gehirn des Menschen nach Prinzipien der Holografie erfolgt, so wie auch bei einem Hologramm Bilder als Frequenzmuster gespeichert werden. Der deutsche Astrophysiker von Ludwiger konstatiert, dass das Gehirn weder das Bewusstsein vorbringe, noch sich das Bewusstsein auf die somatische Struktur des Hirns setze.[1] Bewusstsein und damit auch Wissen liegen außerhalb des Gehirns, wie auch der Biologe Krall[2] feststellt. Der Physiker und Heisenberg-Schüler Heim definiert in seiner einheitlichen zwölf-dimensionalen Quantenfeldtheorie Bewusstsein sogar als eine Dimension des Universums.[3] Er beschreibt einen universellen Hyperraum, mit dem der Mensch über seine DNS verbunden ist. Im Hyperraum sei das Langzeitgedächtnis abgespeichert. Auch das Gehirn sei mit dem universalen Umfeld verbunden. Dabei gelten im Hyperraum andere Ordnungskriterien als in der langsamer schwingenden vierdimensionalen (Einstein’schen) Raumzeit. Hein beschreibt die Verbindung zwischen Mensch und intelligenten Feldern auf der Grundlage des neuronalen Nervensystems.[4] Ebenso Weichmann[5] geht in Annäherung an die Theorie des Physikers Bohm davon aus, dass es eine höherdimensionale Realität gibt, die unserer Wirklichkeit zugrunde liegt. Und nicht zuletzt Böckle stellt Bewusstsein als eine Existenz einer immateriellen Sphäre dar.[6]  Laszlo konstatiert, dass „der menschliche Geist kein isoliertes Etwas ist“.[7] Das von ihm beschriebene universelle In-Formationsfeld, das er „A-Feld“ nennt, nimmt „seinen Platz unter den fundamentalen Feldern des Universums, neben dem G-Feld (Gravitation) und den vereinigten elektromagnetischen und nuklearen Feldern und den Quantenfeldern“ ein.[8] In-Formation ist nach Laszlo eine „feine, quasi augenblickliche, nicht flüchtige und energielose Verbindung zwischen Dingen an verschiedenen Orten im Raum zu verschiedenen Zeitpunkten.“[9] Warnke nennt es eine „übergeordnete Hyper-Intelligenz“, die alles Leben durchdringt.[10] Der Biologe Sheldrake[11] beschreibt die Existenz von so genannten morphogenetischen Feldern, die wie eine Art Gedächtnis der Natur zu verstehen sind. Der Begriff des morphogenetischen Feldes geht auf den Botaniker Reinke[12] zurück, der eine formgebende Kraft in der Natur konstatiert. Goethe, der heute im Alltagswissen mehr wegen seiner Künste als seiner naturwissenschaftlichen Forschungen bekannt ist, berief sich auch auf ein kontinuierlich tätiges, unsichtbares Bildungsprinzip im Lebendigen,[13]  das an die Annahmen des hundert Jahre später lebenden Sheldrake erinnert. Ziemke knüpft heute wieder an Goethes Idee der  Metamorphose an.[14] Nach dem Zellbiologen Lipton[15] kontrollieren nicht unsere Gene unsere Körper, sondern unsere Wahrnehmung kontrolliert unsere Biologie. Lipton stellt die herkömmliche Annahme auf den Kopf, dass unsere DNS unser physisches Dasein bestimme. Vielmehr werde sowohl unser individuelles Leben als auch unser kollektives Dasein durch die Verbindung von innen und außen, zwischen Geist und Materie gesteuert. Davon geht auch der Mediziner Dossey aus, der die heilende Wirkung von Gebeten als nicht lokale medizinische Ereignisse erforscht hat.[16] Die Idee eines universellen Heilungsfeldes findet auch in der Medizin Gehör.[17] Die Theologen Küstenmacher und Haberer[18] beschreiben „oben wie unten, im Mikro- wie im Makrobereich gigantische Einheiten, die sich darum bemühen, eine kollektive Intelligenz zu erzeugen“.

Diese wissenschaftlichen Ansätze nähern sich damit auch uralten spirituellen Ideen an, die in allen Religionen wiederzufinden sind. Der Philosoph Wilber hat mit seiner integralen Theorie die Grenzen der herkömmlichen Wissenschaften überschritten und konkurrierende Denkschulen und Wissenschaftsdisziplinen sowie auch spirituelle Ansätze zu einem allumfassenden Modell verbunden.[19] Der Physiker Dürr beschreibt unsere Realität so: „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere.“[20] Der Historiker Bähr weist darauf hin, dass erst seit dem Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Hinwendung zur Vernunft Emotionen dem Individuum zugeschrieben wurden.[21] In der davor liegenden Menschheitsgeschichte hatten Gefühle ihren Ursprung in Gott. Der handelnde Mensch verstand sich nicht als abgeschlossenes Individuum, sondern als Ausgrabungsort von Ereignissen im göttlichen Kosmos. Die alten vedischen Lehren gingen davon aus, dass das Universum ein schwingendes Feld ist.[22] Dieses Energiefeld nannten sie Akasha. Das mythologische Bild aus dem Mahayana Buddhismus – Indras Netz – ist eine weitere Metapher zur Beschreibung einer noch viel älteren vedischen Lehre, die ebenfalls verdeutlicht wie die Struktur des Universums in einem Netz verflochten ist. Dieses Energiefeld, das aus spiritueller Sicht Gott genannt wird, ist die gemeinsame Wurzel aller Religionen. Diese Entwicklung geht einher mit einem Erstarken von Spiritualität in den westlichen Gesellschaften. Auch zahlreiche Kunsttherapeuten weisen auf das Potential der Spiritualität, wie etwa exemplarisch Baer und Schuster oder auch Decker-Voigt in Bezug auf die Musiktherapie.[23]

Die Idee von kollektiven Bewusstseinsfeldern verbreitet sich auch in der Gesellschaft. Es gibt bereits virtuelle Verbindungen von einer Vielzahl von Menschen, die ortsunabhängig sowie Länder und Kontinente übergreifend gemeinsam zur Heilung von kollektiven Traumata[24] wie etwa der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit[25], der Fukushima[26] Katastrophe oder jüngst im Februar 2016 für den Frieden in Syrien[27] meditieren. Das von der Universität Princeton initiierte Global Consciousness Project (Globale Bewusstseinsprojekt) geht in einem mit weltweit ca. hundert Forschern und Ingenieuren langfristig angelegten Experiment wissenschaftlich der Frage der Existenz eines globalen Bewusstseins nach.[28] Die Annahme universeller Wissensfelder, mit denen das Lebendige in Interaktion steht, birgt eine völlig neue Herangehensweise auch für die Betrachtung und Heilung psychischer Beeinträchtigungen in der Therapie.

Mit diesem paradigmatischen Perspektivwechsel von einem materialistisch-mechanistisch hin zu einem holografischen Weltbild erklären sich viele Ebenden der Realität ganz neu. Wissen und Erfahrungen sind in universellen Feldern gespeichert, mit denen der Mensch in Resonanz steht. Psychische Beeinträchtigungen und seelischen Nöte wechselwirken ebenso mit diesen Feldern wie kollektive Verletzungen und Traumata. Neben inneren Bildern, intuitiven Impulsen, „Bauchgefühlen“,  Eingebungen und den Hellsinnen sind auch Träume Sprachrohr dieser Wissensfelder. Traumbotschaften sind sehr komplex und ihre Deutung durch festgeschriebene Zuweisungen schwierig.  Das Geträumte lässt sich aber oft symbolisch erfassen. Am besten eignet sich das wertfreie Assoziieren, um diese metaphorischen Botschaften zu entschlüsseln. Eine hilfreiche Unterstützung bietet dabei die Kunsttherapie, die innere Bilder sichtbar machen kann. Das Kunstwerk kann einen Kanal für eine bildhafte Kommunikation bieten, es wird zum Sprachrohr der Intuition werden.

© Ulrike Hinrichs (2017)

Literatur

[1] von Ludwiger, I. (2013, S. 153 f.). Unsterblich in der 6-Dimensionlaen Welt: Das neue Weltbild des Physikers Burkhard Heim. München: Komplet-Media.

[2] Krall, S.  (2017). ). Zwischen Biologie, Philosophie und Parapsychologie. Hans Diesch, der Vitalist. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  65, 2015, S. 18 ff

[3] von Ludwiger, I. 2010), Wilber (2007), so auch Laszlo (2007); so auch Schwartz, Beauregard, Miller (2016) in ihrem Manifest für eine post-materialistische Wissenschaft.

[4] http://www.forumsynergie.de

[5] Weichmann, J. (2015). Annäherung an Gott. Sein, 2015, Nr. 233, S. 9 ff.

[6] Böckle, R. 2014, S. 25 ff. Ist das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns? TattvaViveka,Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  61, 2014, S. 25 ff.

[7] Laszlo (2007, S. 116). Zu Hause im Universum. Die neue Vision der Wirklichkeit.  Berlin: Allegria.

[8] Laszlo (2007, S. 73). ebenda

[9] Laszlo (2007, S. 57). ebenda

[10] Warnke (2017, S. 19). ebenda

[11] Sheldrake, R.  (2002). Das Gedächtnis der Natur: Das Geheimnis der Entstehung der Formen in der Natur. Bern, München, Wien: Scherz.; auch Krall (2015, S. 18) ebenda

[12] Reinke, J. (1922, S. 82, 89). Grundlagen einer Biodynamik.Abhandlungen zur theoretischen Biologie, Band 16. Berlin: Borntraeger.

[13] Merker, W. (2015, S. 52 ff.; 2015b, S. 18). Vom mechanistischen zum organischen Denken. Wege zur Erkenntnis des Lebendigen. Münster: Monsenstein&Vannerdat.

[14] Ziemke, A. (2016). Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Die Wiedergeburt von Goethes Metamorphoseidee in der Evolutionären Entwicklungsbiologie. Frankfurt a.M.: Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG.

[15] Lipton, H. B. (2009). Intelligente Zellen: Wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Burgrain: Koha Verlag.

[16] Dossey, L.  (2013). Heilende Worte. Die Kraft der Gebete als Schlüssel zur Heilung.

[17] Michel, K. u.a. (2016). Das universelle Heilungsfeld. Die neue Dimension des Heilens. Grafing: Aquamarin Verlag.

[18] Küstenmacher & Haberer (2015, S. 199). Gott 9.0. Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.

[19] Wilber (2001), Ganzheitlich handeln: Eine integrale Vision für Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Spiritualität. Freimat: Arbor.

[20] Dürr, H. (Hrsg.)  (2008). Physik und Transzendenz. Die großen Physiker unserer Zeit über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Tschechische Republik: Driediger.

[21] Bähr (2013). Furcht und Furchtlosigkeit: Göttliche Gewalt und Selbstkonstitution im 17. Jahrhundert. Göttingen: V&R Unipress.

[22] Siehe etwa Laszlo (2007), ebenda.

[23] Baer, U. (2014) Gefühlssterne, Angsfresser, Verwandlungsbilder. Kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle. Neukichen- Vluyn: Semnos; Schuster, M. ((2008) Rituale, Kunst und Kunsttherapie. Berlin: MWV Medizinische Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ; Decker Voigt, H. (2016), ). „…das berührt mich tief“ – Musiktherapie und Basale Stimulation/Basale Bildung. Wiesbaden: Reichert Verlag.

[24] Global Mediation via facebook für Globale Heilung mit knapp 80.000 Followern.

[25] Siehe etwa Thomas Hübel, 24.4.2010, Healing Event.

[26] Global Meditation für Fukushima mit über 32.000 Followern.

[27] Global Meditation für Syrien, Initiator James Twyman

[28] TatvaViveka (2016), aktuelle Meldungen.