Aus Buchstabensuppe wird wir Götterspeise für die Ohren

.

Götter.online, ein Kunstprojekt der Künstlergruppe für Flüchtlinge und Künstlerinnen aus dem Hamburger Süden, erweckt die Götter der griechischen, keltischen und ägyptischen Mythologie sowie andere Götter und Symbole mit Farbe und Pinsel zum Leben. Die Götter sind als universelle Kräfte zu verstehen. Dieser Idee wollen wir uns auch in unserem Schreibworkshop widmen und die Götter-Kunstwerke zum Sprechen bringen. Experimentelle Texte sind ebenso erwünscht wie Geschichten und Poesie. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Texte werden gemeinsam mit den Göttern auf dem Harburger Kulturtag am 4.11.2018 ausgestellt und gern auch gelesen.

Infos zum Projekt www.götter.online

harburger-kulturtag-flyer-2018

Termin: Sonntag, den 14.10.2018 von 13.00 bis 16.00 Uhr

Ort: Dreifalt – Kunst, Kultur, Kreativität (ehemalige Dreifaltigkeitskirche=, Neue Straße 44, 21073 Hamburg.

Die Teilnahme ist kostenfrei

Um Anmeldung wird gebeten

ulrike.hinrichs @ web. de

040 81977616

 

 

Ein Text von Sonja Alphonso

GÖTTLICH

Meine Füße laufen über Stock und Stein, waten durch Matsch und tasten über trockene
Tannenzweige. Dann überquere ich auf dem großen Rundweg im Barfußpark die Obstwiese
und komme vor einem Schild an, auf dem geschrieben steht:
Ja, das ist es! denke ich und lausche. Andächtig.
Trotz guter Übersetzung verstehe ich Gott immer noch nicht, aber der Klang erfüllt mich.
Menschen suchten schon immer nach Erklärungen für Naturphänomene und fingen an zu
glauben. Sie gaben der Allmacht Namen, ersannen Gleichnisse und erfanden Geschichten,
in denen sie selber auch eine Rolle spielen.
Wir nutzen die geistige Gabe, zu beschreiben und zu besingen, was wir von der Welt erahnen.
Doch ich nehme Glauben nicht wörtlich. Für mich ist Gott weder ein alter Mann noch einer von
vielen aus einer großen Familie mit komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen. Das Göttliche
ist weder männlich noch weiblich, weder Licht noch Finsternis, sondern über alle Dimensionen
erhaben, die wir uns je vorstellen können.
Die Natur bringt mich der Idee von Gott am nächsten. Nichts ist so umfassend, so voller
Geheimnisse, so übersinnlich. Auf einer unhörbaren Frequenz stellt sich der Menschheit die
ewige Frage nach dem Sinn des Daseins und uns vor die Entscheidung, wie wir leben wollen.
Glauben wir tatsächlich, Gottes Wille zu kennen?
Halten wir uns für seine Schafe, Kinder oder Krieger?
Sind wir unmündig und zum Gehorsam gezwungen, wenn er vermeintlich zu uns spricht, durch
wen oder was auch immer? Oder bleiben wir selbst verantwortlich?
Ich weiß nicht, ob Gott gütig und gerecht ist oder Gnade kennt, aber ich wünschte, wir alle
hätten mehr Ehrfurcht vor dem Leben und handelten nach all den Werten, die uns angeblich
heilig sind. Den Streit über Religionen begreife ich nicht und mag nicht glauben, dass Gott parteiisch istoder gar Mord in Auftrag gibt. Das ist aus meiner Sicht menschlicher Größenwahn. Mein Sinnbild von Gott sieht anders aus: Ich glaube, er ginge barfuß.
Fotos und Text Sonja Alphonso