Lebenswegschreiben

 

Workshop Lebenswegschreiben mit Poesie, Musik, Collage, künstlerischen Mitteln

Jeder von uns trägt ein Puzzle-Werk der Lebenserinnerung in sich. Einige Episoden sind bunt und lebendig, andere schwierig und schmerzhaft. Manchmal scheinen sie sogar wie ausgelöscht, ein schwarzes Loch, ein dunkler Nebel. In unserem Workshop Lebenswegschreiben wollen wir intuitiv-spielerisch wichtige Erinnerungen ausfindig und durch autobiografischer Skizzen, Texte und autobiografische Poesie sichtbar machen. Wir begegnen dem Schreiben spielerisch, skizzen- bzw. fetzenhaft, so wie auch die Erinnerung selbst keine klar gezeichnete Form hat. Das kreative Schreiben unterstützt die Verarbeitung von schwierigen Lebensereignissen. Erlebtes wird sichtbar gemacht. Der Schmerz darf gesehen und gehört werden. Die Biografiearbeit hilft, sich  besser zu verstehen, belastende Erfahrungen zu verarbeiten, aus Fehlern zu lernen, Gegenwart und Zukunft bewusster zu gestalten und mit dem Leben ins Reine zu kommen.

Wir arbeiten zur Unterstützung des kreativen Schreibens auch mit Pinsel und Farbe, Fotos, Collagen, Musik u.v.m.

Der Autor Günther Grass beschrieb die Erinnern in seinen Werk Beim Häuten der Zwiebel so:

„Wenn ihr mit Fragen zugesetzt wird, gleicht die Erinnerung einer Zwiebel, die gehäutet wird, damit freigelegt werden kann, was Buchstab nach Buschstab ablesbar steht: selten eindeutig, oft in Spiegelschrift oder sonst wie verästelt. Unter der ersten, noch trocken knisternden Haut findet sich die nächste, die kaum gelöst, feucht eine dritte freigibt, unter der die vierte, fünfte warten und flüstern. Und jede weitere schwitzt zu lang gemiedene Wörter aus, auch schnörkelige Zeichen, als habe sich ein Geheimniskrämer von jung an, als die Zwiebel noch keimte, verschlüsseln wollen.“[1]

Zwiebel: Ulrike Hinrichs (2015)

Wie beim Häuten einer Zwiebel…

Die Erinnerung ist  sehr raffiniert und trügerisch. Oft haben wir nur Erinnerungsfetzen, die sich eher wie Puzzlestücke zusammenfügen, geschmückt mit Anekdoten und Geschichten etwa aus der Familie.  Wenn man sich an etwas erinnert, dann – so die Hirnforschung – nicht an das Ereignis selbst, sondern an das letzte Mal, da wir es erinnert haben. Damit sind Erinnerungen mit einer „Aktualisierung der Perspektive verbunden“, so der Literaturwissenschaftler Walter Hinck[2], „mit einer Überformung der ursprünglichen Perspektive durch all die weiteren Erfahrungen, die der Beobachter seit der Ersterfahrung des Erinnerns gemacht hat.“ Mit dieser Erkenntnis können wir die Erinnerung modellieren, zu unseren Gunsten umgestalten. Belastende Erinnerungen sollen damit nicht gelöscht, aber mit einer neuen Perspektive  transzendiert werden.

 

 

Neue Termine in 2019 folgen in Kürze

Beispieltext „Unterm Eis“

 

Literatur

[1] Günter Grass, Beim Häuten der Zwiebel, Seite 7 ff., Leseprobe

[2] Walter Hinck, Selbstannäherungen. Autobiographien im 20. Jahrhundert von Elias Canetti bis Marcel Reich-Ranicki. Artemis & Winkler