Der Fluch der Medusa

Ulrike Hinrichs, Medusa (1981)

Medusa, ein Kunstwerk aus Teenagerjahren, das ich im Keller meiner Mutter wiedergefunden habe, nehme ich zum Anlass, die Kraft der Symbolik von Kunstwerken zu beschreiben. Medusa ist bekannt als eine der drei Gorgonen mit Schlangenhaaren aus der griechischen Mythologie, die mit ihrem Blick, jeden in Stein verwandelt, der sie anschaut. Niemand überlebt es daher, Medusa zu begegnen. Siehe dazu auch: „Wenn der Körper sich abschaltet – Guillain-Barré Syndrom

Aber warum wurde dieses Monster verdammt? Sie habe eine Affäre mit dem Meeresgott Poseidon gehabt, heißt es. Das habe die eifersüchtige Athene dazu veranlasst, die Nebenbuhlerin zu verhexen. Es gibt aber auch mythische Interpretationen, die von Vergewaltigung sprechen. So oder so, Athene habe die Schönheit von Medusa zerstören, sie am besten ganz vernichten wollen. Dies überließ die Göttin aber Perseus, Sohn des Göttervaters Zeus, der Medusa durch eine List den Kopf abschlug. Aus ihrem offenen Hals gebar die Getötete das geflügelte Pferd Pegasus. In der lybischen Mythologie, was weniger bekannt ist, hat Medusa aber auch eine helle, schützende Seite. Als Schlangengöttin verkörpert Medusa weibliches intuitives Wissen. Mit der Zauberkraft ihres Blutes ist sie Herrscherin über Leben und Tod. Die Schlangen, die ihrem Kopf entspringen, symbolisieren Weisheit und Erkenntnis. Auch als Mondgöttin wurde Medusa verehrt.

Was verbirgt sich psychologisch hinter der mythischen Geschichte? Medusa steht zum einen für die weibliche Urkraft, die Leben geben oder nehmen kann. Die eher düster gefärbte griechische Erzählung der Gorngone, stellt dagegen auf das Thema Neid und Eifersucht ab. Die Trauma-Expertin Kastner[1] geht in ihrem Forschungsbericht zur frauenspezifisch psychodramatischen Trauma-Therapie »Das verletzte Selbst« und das Leid der Medusa bei dem Medusa Mythos noch viel weiter. Denn in der Mythologie werde auch von einer Vergewaltigung durch den Gott Poseidon gesprochen. Hier deute sich eher die Thematik des sexuellen Missbrauchs an, so Kastner, der durch die Mutter, symbolisiert von Athene, gedeckt wird. Aber Vorsicht, so einfach lässt sich eine individuelle Antwort aus einem Kunstwerk nicht herauslesen. Der künstlerische Ausdruck ist eher diffus-symbolisch, vergleichbar mit Träumen. Ein Werk kann daher als Grundlage für eine Auseinandersetzung genommen werden, es birgt aber oft auch die Gefahr einer vorschnellen Interpretation. Wichtig ist daher, stets offen zu bleiben, bewertungsfrei zu assoziieren statt zu viel zu interpretieren.  Am Beispiel meines Jugend-Kunstwerks kann ich offenlegen, dass ich die Erfahrung eines Missbrauchs nicht gemacht habe.  Dennoch ist das Bild zu einer Zeit in meiner Kindheit entstanden, da ich starke Vernachlässigung gepaart mit übertriebener Kontrolle durch mein Elternhaus erfahren habe. In dieser Zeit erkrankte ich an einer aufsteigenden Polyneuropathie (Guillain-Barré-Syndrom), die mich in einen lebenden Stein verwandelte.

So berühren mich als Person und auch als Kunsttherapeutin die mythologischen Deutungsideen. Ich möchte mit diesem Beitrag mich und andere dazu ermutigen, den im Forschungsbericht von Kastner gestellten Fragen näher auf den Grund gehen, nämlich:

  • „Was hilft früh und komplex traumatisierten Frauen dabei, die zum Selbstschutz entwickelte dissoziative Erstarrung und Fragmentierung zu überwinden und in konstruktive Kräfte »umzuwandeln«?
  • Was hilft früh und komplex traumatisierten Frauen dabei, dem Grauenhaften der Kindheit begegnen zu können, ohne dabei neuerlich vor Schreck zu Stein zu erstarren?
  • Was hilft den PsychodramatherapeutInnen dabei, den zutage tretenden Bildern des Grauens standzuhalten und bei der Konfrontation damit nicht selbst zu erstarren oder auszubrennen?“[2]

Der künstlerische Ausdruck ist dabei ein hilfreicher Weg. Die Kunst kommt ohne Worte aus, kann Sprachloses sichtbar und erfahrbar machen und Widersprüche vereinen. Das Kunstwerk schafft gleichzeitig eine Distanz zum Erlebten und ein Sichtbarwerden qualvoller Erlebnisse, ohne Worte benutzen zu müssen. Der Ausdruck kann im Kunstwerk eher symbolisch erfasst werden, als Worte zu bemühen, die oft gar nicht das wiedergeben können, was gesagt werden will. Zudem wirkt der künstlerische Prozess und Ausdruck stabilisierend und ressourcenstärkend. Die  Selbstfürsorge und Resilienz wird dadurch gefördert.

 

Ulrike Hinrichs, Medusa (2018)

Literatur

[1] Kastner, Gabriele. Journal für Psychologie. Jahrgang 19 (2011). Ausgabe 3: Psychologische und therapeutische Arbeit mit Menschen zwischen Krise und Trauma

[2] Kastner, Gabriele (2011, S. 3)

Wenn nicht nur der Pulli kratzt – was es bedeutet, hochsensibel zu sein

 

„Du bist eine Prinzessin auf der Erbse“ habe ich als Kind oft gehört, wobei der Tonfall meiner Mutter nichts Gutes ahnen ließ, auch wenn mir das Märchen[1] , bei dem die sensible Königstochter durch viele Matratzen hindurch eine kleine Erbse fühlt, eigentlich sehr gefiel. Die Prinzessin steht in unserem Sprachgebrauch daher auch für eine besonders empfindliche Person.

Mit mir stimmt irgendetwas nicht, war die nicht überhörbare Botschaft im Subtext. Und tatsächlich, ich bin anders. Mir ist viel schneller alles zu viel, als anderen Menschen. Ich halte mir die Ohren zu, wenn ein schrilles Martinshorn im Straßenverkehr ertönt und ich muss alle Nebengeräusche wie Radio oder Fernseher ausschalten, wenn ich mich unterhalten will. Zu viele Menschen an der Supermarktkasse beengen mich, zu viele Informationen auf einmal überfordern mich. Der Wollpullover kratzt auf meiner Haut, das Schild im T-Shirt nervt im Nacken, das Gummi von den Socken ist zu eng. Der Autofahrer rückt mir zu dicht auf die Pelle, das Oberlicht im Büro ist zu grell, ich kriege zu wenig Luft bei geschlossenem Fenster oder das Parfüm der Kollegin ätzt in meiner Nase. Ich fühle auch zu viel mit. Ich sorge mich um den jaulenden Nachbarshund (muss ich den Tierschutz rufen?) oder kriege ein flaues Gefühl im Bauch, wenn ich versehentlich in eine Dokumentation über Massentierhaltung seppe (Fernseher ausschalten, sonst kann ich nicht schlafen). Ich erinnere noch unseren Familienurlaub nach Bulgarien, ich muss so um die 10 Jahre alt gewesen sein, während andere Kinder am Meer im Sand spielten, rettete ich unzählige Marienkäfer vor dem Ertrinken. Ich spüre Stimmungen im Raum. Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich Energien körperlich greifen kann. Ich nehme oft das wahr, was nicht gesagt werden soll oder kann. Und mein Gehirn besticht durch ein dauerhaft aktives Gedankenkarussell.

Ich bin hochsensibel.

Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch nicht „heilbar“, es ist eine Eigenschaft, von der ca. 15 – 20 % der Menschen und auch der Tiere betroffen sind. Kennzeichnend für hochsensible Menschen sind kurz zusammengefasst (nach Aron)[2] insbesondere eine

  • gründliche Informationsverarbeitung

Eine gründliche Informationsverarbeitung zeichnet sich nach Aron dadurch aus, dass sich hochsensible Menschen auffällig mehr Gedanken machen, und zwar in allen Lebensbereichen, über die Beziehung, die Arbeit oder auchdie Gesellschaft oder den Sinn des Lebens. Eine hohe Reflexion über das eigene Handeln und seine Auswirkungen sind ebenfalls Indikator für eine vertiefende Verarbeitungsebene von Informationen. Dies zeigt sich ganz auffällig auch im Mitfühlen und mitleiden mit dem Schmerz anderer Lebewesen, Mensch wie Tier. Dadurch haben Hochsensible oft auch einen hohen Anspruch an Gerechtigkeit. Diese gründliche Verarbeitung von Eindrücken dürfte auch der Grund dafür sein, dass Hochsensible anfälliger für Traumata sind.

  • Übererregbarkeit

Ein hohes Erregungsniveau von Hochsensiblen zeigt sich durch ein hoch aktiviertes Nervensystem (siehe dazu auch Autnomes Nervensystem, Trauma und Kunsttherapie). Eine chronische Übererregung ist  sehr häufig eines der Hochsensible am meisten belastenden Probleme im Alltag. Denn diese führt zu Überforderung, Schlafstörungen und körperlichen Symptomen. Nicht nur negative, auch positive Veränderungen im Lebensrhythmus, etwa ein größer Urlaub oder Umzug, wirken auf Hochsensible oft stark beunruhigend und lösen hohen Stress aus.

  • emotionale Intensität

Eine emotionale Intensität, die von außen  unschwer zu erkennen ist, ist ein weiteres Merkmal für  Hochsensibilität. Sie lässt sich aber nicht immer trennscharf etwa auch von einer vergleichbaren traumabedingten Emotionsdichte unterscheiden. Für Hochsensibilität in Abgrenzung zu Traumata kennzeichnend ist eine solche emotionale Tiefe in allen Lebensbereichen.

  • eine sensorische Empfindlichkeit

Die sensorische Empfindlichkeit spiegelt die Hochsensibilität auf der Körperebene bzw. der Sinneswahrnehmung. Hochsensible reagieren etwa empfindlich auf Hautreize durch Cremes, Wolle oder auch Berührungen. Auch die Wahrnehmung von Geräuschen, Gerüchen und visuellen Eindrücken (z.B. grelles Licht), die für Normalsensible noch unauffällig sind, belastet hochsensible Menschen.

 

Mehr Infos unter >> High Sensitiv Person

Auch bei bestimmten psychischen Erkrankungen, insbesondere bei Traumata, zeigen sich solche Symptome. Gerade ein übererregtes Nervensystem ist typisch für ein Trauma

Siehe auch meine Beiträge

Wenn man allerdings Hochsensible befragt, dann erzählen sie ähnliche Geschichten aus ihrer Kindheit wie ich. Botschaft: es war schon immer so!  Gerade dieses Gesamtbild der Eigenschaften, die die Person schon in der Kindheit kennzeichnen, zeigt die Abgrenzung zu oft ähnlichen Trauma-Symptomen, die in der Regel nur bestimmte Verhaltensweisen betreffen.[3] Dennoch ist eine Trennlinie nicht immer leicht zu ziehen. Oft bedingt Hochsensibilität auch ein Trauma.[4]

Hochsensibilität ist eine Begabung und eine Last. Die Begabung liegt zum Beispiel in der intensiven und vernetzten Wahrnehmung. Hochsensible Menschen haben oft einen guten Zugang zu ihrer Intuition, nicht selten auch Vorahnungen und ausgeprägte Hellsinne. Gleichzeitig führt eine Hochsensibilität oft zu einer Reizüberflutung und Überforderung, wenn Rückzugsmöglichkeiten und Entspannungsphasen nicht genug gelebt werden. Dadurch bedingte Symptome wie Müdigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Infektanfälligkeit, Allergien, Kopf- und Bauchschmerzen, Unruhe, Magen-Darm-Erkrankungen, Muskelverspannungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, sowie Angstzuständen bis hin zur Depression sind typisch. Hochsensible brauchen daher einen äußerst guten Zugang zu ihren Ressourcen, sie müssen gut auf sich Acht geben (beispielsweise mehr Rückzug) und den Mut haben, mit ihrer Sensibilität offen umzugehen.

Ein guter Zugang zu Ressourcen findet sich über den künstlerischen Ausdruck. Unser Gehirn denkt in Bildern. Es liebt Metaphern, Geschichten und Märchen. Sprachbilder öffnen neue Perspektiven und Welten im Kopf. Der künstlerische Ausdruck weitet den Blick. Brown vergleicht die Kunst unter all den Kategorien, die sich der Mensch schafft, als diejenige, die dem Menschsein am meisten ähnelt.

„Es entspricht unserem Wesen, unvollkommen zu sein. Nicht kategorisierbare Gefühle und Emotionen zu haben. Dinge herzustellen oder zu tun, die manchmal nicht unbedingt einen Sinn ergeben. Kunst ist einfach etwas vollkommen Unvollkommenes“, so Brown.[5]

Ich verstehe den künstlerischen Ausdruck als eine Form einer universellen Sprache. Die herkömmlichen gesellschaftlichen Bewertungskriterien von Kunst sind dafür unbedeutend. Das Kunstwerk ist vielmehr eine Art Bote, der Inneres nach außen bringt. Mit dem künstlerischen Ausdruck finden wir Zugang zu einer Ebene im sprachlosen Raum. Die Kunst kann Unsichtbares sichtbar machen und Widersprüche vereinen. Über die Kunstwerke entstehen für den Künstler neue Weg, die mit der Ratio nicht gedacht werden können. Mit der Kunst haben wir Zugang zu einem universellen kreativen Feld und können über intuitive künstlerische Prozesse einen Impuls aus der Zukunft bekommen.[6] Oft zeigen sich Themen und Lösungen ganz von selbst.

Ulrike Hinrichs 2018

 

In Planung für 2019

Workshop Kunst als Sehhilfe – Intuitiver Kunstworkshop für Hochsensible

 

 

 

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Literatur

[1] Märchen von Hans-Christian Andersen

[2] Aron, Elaine N. (2014). Hochsensible Menschen in der Psychotherapie. Paderborn: Junfermann Verlag.

[3] Aron (2014).

[4] Chödrön, Pema (2001). Wenn alles zusammenbricht: Hilfestellung für schwierige Zeiten. Goldmann Verlag.

[5]  Brown, Brené (2017). Verletzlichkeit macht Stark. Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. München: Goldmann.

Brown (S. 164).

[6] Scharmer Otto C. (2009). Theorie U: Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Heidelberg: Carl-Auer.

 

Ausstellung & Dialog „Gemalte Freiheit“

23.9.2018, ab 15 Uhr – Gemalte Freiheit – unser Grundgesetz in Farbe
3falt Kunst, Kultur, Kreativität, Neue Straße 44, 21073 Hamburg
Um 16 Uhr gibt es eine Führung durch die Ausstellung mit Dialog

Unser Grundgesetz repräsentiert unsere gesellschaftlichen Grundwerte. Sie sind ein großer Schatz, den es gerade in Zeiten starker gesellschaftlicher Spannungen mit polarisierenden Wertekonflikten zu hüten gilt. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört und sind demokratieverdrossen. Wir halten dagegen und haben unsere Grundrechte künstlerisch gestaltet. Aufgerufen waren alle Harburger und Harburgerinnen, insbesondere solche in schwierigen Lebenswirklichkeiten, sich am Projekt zu beteiligen. Jetzt möchten wir allen Besuchern und Besucherinnen der Ausstellung unser künstlerisch gestaltetes Grundgesetz präsentieren und mit Ihnen diskutieren. Weitere Infos www.grundrechtekreativ.de

Projektleitung Ulrike Hinrichs

Hier ein paar erste Eindrücke…

Art. 5 Abs. 3 GG – Natascha Artworx, Logo – Kerstin Nagel-Stein, Justitia – Yvonne Lautenschläger, Überwachung – Sonja Adolpho, Justitia – Bettina Behrend, Demo – Rita Peters, Ich sag was ich – will Rita Peters, Wandteppich 2×3 Meter der Flüchtlingsgruppe „Komm wir nähen“ (Projektleitung Rike Reichert), Stürmische Zeiten – Bettina Behrend, Unantastbar – Kerstin Nagel-Stein, Assoziationen – Antje Gerdts .

Fotoprojekt „Ich steh (dr)auf“ von Andrea Hinrichs-Specht und Lena Hinrichs

Künstler*innen Kunstwerke Webseite
Andrea Hinrichs-Specht & Lena Hinrichs Steh (dr)auf!
Andrea Hörner Vielfalt
Angelika Czaplinski 70
Antje Gerdts Erinnern für die Zukunft

Synagoge in Harburg 1863-1938/41, Eißendorfer Straße 15, St. Johannis 1892/94 – 1944, Bremer Straße, Dreifaltigkeit 1650/52 – 1944, Neue Straße

Assoziationen

www.antjegerdts.de
Bettina Behrend Justizia, Mann und Frau vom Gesetz beschirmt, Stürmische Zeiten www.behrend.info
Karen Kandzia & Yahya Hmimes Live Performance, Die wahre Lüge oder die verlogene Wahrheit?
Kerstin Nagel-Stein Unantastbar www.nagel-stein.de
Khadija Alipour Stopp
Mehdi Hassan Reihe Flucht
Natascha Artworx Grundstein, Artikel 5 Abs. 3 http://www.natascha-artworx.webs.com
Olaf Schröder Würde – Freiheit
Raif Khalifa Heilige Familie
Rike Reichert

 

Musik, Artikel 1, Unity, Agni Partene, Thron www.rike-reichert.com
Rike Reichert (Projektleitung), Flüchtlingsgruppe „Komm wir nähen“ mit Tarfa Khalaf, Zafura, Anna Maria Steinbach, Abigail Kantorek, Ali Ahmed, Rosl Alsarhan, Andrea Richter, Maren Schulze

 

Genähte Freiheit

 

www.m.facebook.com/kommwirnaehen
Rita Peters Demo!, Ich sag was ich will www.ritapeters.de
Samera Al Khafage Deutschlandherz
Sly Ich auch! www.habibiatelier.de
Sonja Alphonso Überwachung, Presse unter Druck www.see-me.online
Tom ElHadra KIND. SEIN. DÜRFEN!
Ulrike Hinrichs Die goldene Kiste, Wer bist du, dass ? www.lösungskunst.com
Yvonne Lautenschläger Justizia, Gespiegelter Wahnsinn, Insagnity nuggets www.medeas.space
Zeinab Alipour Human Rights, Herz

Das Projekt wird unterstützt von

 

 

Außen Scham. Innen Liebe.

Selbstliebe und Selbstachtung ist für viele Frauen ein schwieriges Thema. Oft wirken negativ prägende Glaubenssätze aus der Kindheit im Hintergrund, die toxische Schamgefühle auslösen. Toxische Scham als Maskierung von Schmerz beschreibt die tiefe innere Überzeugung falsch, wertlos, mit einem Makel behaftet zu sein. Diese tiefliegende Verletzung des Wesenskerns, wohnt in vielen Menschen, die in ihrer Kindheit nicht willkommen waren, die keine sichere Bindung erfahren haben, die vernachlässigt, gedemütigt oder misshandelt wurden. Wenn uns das Gefühl vermittelt wurde „falsch zu sein“, nichts richtig machen zu können, keine Fehler machen zu dürfen, be- und entwertet wurden, dann entwickelt sich ein ungesundes Gefühl von Scham, das unser Leben einschränkt.

Wir begegnen in unserer Gruppe dem Thema mit künstlerischen Mitteln, wecken Ressourcen, entlarven behindernde Glaubenssätzen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen künstlerischen Materialien, Farben, Collage, Poesie, Musik.

Leitung Ulrike Hinrichs, Kunsttherapeutin (M.A.)

Ort: Frauenberatungsstelle Biff Harburg, Neue Straße 59, 21073 Hamburg www.biff-frauenberatung.de

Termine: 6 x Mittwoch 14.11., 21.11., 28.11., 5.12., 12.12., 19.12.2018 von 17.00 bis 19.00 Uhr

 

Siehe zum Thema meine Beitrag toxische Scham

 

Göttliche Schreibwerkstatt

„Aus Buchstabensuppe machen wir wortgewaltige Götterspeise für die Ohren“

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Götter.online, ein Kunstprojekt der Künstlergruppe für Flüchtlinge und Künstlerinnen aus dem Hamburger Süden, erweckt die Götter der griechischen, keltischen und ägyptischen Mythologie sowie andere Götter und Symbole mit Farbe und Pinsel zum Leben. Die Götter sind als universelle Kräfte zu verstehen. Dieser Idee wollen wir uns auch in unserem Schreibworkshop widmen und die Götter-Kunstwerke zum Sprechen bringen. Experimentelle Texte sind ebenso erwünscht wie Geschichten und Poesie. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Texte werden gemeinsam mit den Göttern auf dem Harburger Kulturtag am 4.11.2018 ausgestellt und gern auch gelesen.

Infos zum Projekt www.götter.online

Termin: Sonntag, den 14.10.2018 von 13.00 bis 16.00 Uhr

Ort: Dreifalt – Kunst, Kultur, Kreativität (ehemalige Dreifaltigkeitskirche=, Neue Straße 44, 21073 Hamburg.

Die Teilnahme ist kostenfrei

Um Anmeldung wird gebeten

ulrike.hinrichs @ web. de

040 81977616

Gemalte Freiheit – Workshop und Ausstellung

Workshop  – Gemalte Freiheit

Unser Grundgesetz, das in Kürze 70 Jahre alt wird, repräsentiert unsere gesellschaftlichen Grundwerte. Sie sind ein großer Schatz, den es gerade in Zeiten starker gesellschaftlicher Spannungen mit polarisierenden Wertekonflikten zu hüten gilt. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört und sind demokratieverdrossen. Wir halten dagegen, wollen unsere Grundrechte künstlerisch gestalten und damit deine individuelle Sicht zeigen. Was beispielsweise verstehst du unter Menschenwürde oder Religionsfreiheit, Gleichberechtigung oder Handlungsfreiheit?  Die Kunst schafft und respektiert Vielfalt und verbindet Widersprüchliches. Wir begegnen uns und kommen in einen kreativen Dialog. Künstlerische Vorkenntnisse oder Vorkenntnisse zum Grundgesetz sind nicht erforderlich. Am 23.09.2018 werden die Werke in der Dreifaltigkeitskriche in Harburg ausgestellt, wir kommen mit den Besuchern in einen Dialog.

Wer kann mitmachen?

Alle Harburger*innen, die Lust haben… und gern Menschen in besonderen persönlichen Situationen, wie Geflüchtete, Menschen mit Migrationshintergrund, erwerbslose, wohnungslose etc.“

 

Justizia Bettina Behrendt

Ausstellung  Sonntag,  23.09.2018 ab 15 Uhr

Ab 16 Uhr künstlerische Führung mit Dialog

„3falt“ (ehemalige Dreifaltigkeitskirche), Neue Straße 44, 21073 Hamburg

Kontakt

Ulrike Hinrichs, E-Mail ulrike.hinrichs at web.de, Telefon 81977616 (gern Nachricht auf AB hinterlassen)

Weitere Infos www.grundrechtekreativ.de

 

Das Projekt wird unterstützt von

Bezirksamt Harburg, Bundesprogramm „Demokratie leben!“

und der Landeszentrale für politische Bildung

Toxische Scham

Werke anlässlich der Gemeinschaftsausstellung „Frauenbilder“ auf dem interantionalen Frauentag in der Biff Harburg am 8.3.2018, Reihe: Me Too (Ulrike Hinrichs)

 

Nur wenn wir mutig genug sind, die Dunkelheit zu untersuchen, werden wir die unendliche Macht unseres Lichts entdecken. Brené Brown [1] 

 

Scham ist vom Grundprinzip ein natürliches und notwendiges Gefühl. Es regelt die Interaktion in der Gemeinschaft (soziale Anpassung) und den Schutz des Selbst (wie viel gebe ich von mir preis). Toxische Scham (der Begriff stammt von John Bradshaw) als Maskierung von Schmerz beschreibt dagegen die tiefe innere Überzeugung falsch, wertlos, mit einem Makel behaftet  zu sein. Diese tiefliegende Verletzung des Wesenskerns, die sich in toxischer Scham zeigt, wohnt in vielen Menschen, die in ihrer Kindheit nicht willkommen waren, die keine sichere Bindung erfahren haben, die gedemütigt oder gar misshandelt wurden. Wenn Kindern durch nonverbales Verhalten oder mit Worten das Gefühl vermittelt wird „falsch zu sein“, nichts richtig machen zu können, keine Fehler machen zu dürfen, be- und entwertet werden, dann entwickelt sich ein ungesundes Gefühl von Scham.

Die Botschaft lautet dann nicht: „du hast etwas falsch gemacht und das ist ok so, ich/wir haben dich bedingungslos lieb“, sondern „Du bist falsch“. Solche oder ähnliche Sätze und Verhaltensweisen kennen viele Menschen: „Mit dir hält es doch sowieso niemand aus“, „Stell dich nicht so an“, „du bist zu dick“, „das kannst du sowieso nicht“, keine körperlichen Berührungen, Umarmungen, Liebes- und Kontaktentzug bei nicht angepasstem Verhalten, keinen Trost in schmerzhaften Situationen.

Typische Abwehrmechanismen nach Bradshaw[2] gegen den Schmerz der toxischen Scham können sein:

  • Perfektionismus, Kontrollzwang,
  • Streben nach Macht und Höchstleistungen,
  • Zorn und Wut,
  • „Denksucht“, Intellektualisieren,
  • Kritik und Tadel, Bestrafung, Bewertung und Verurteilung anderer (Vergleichen mit anderen), Neid, Arroganz,
  • Moralisieren, Verachten, Idealisieren, Beeinflussbarkeit,
  • gönnerhaftes Verhalten, Sichkümmern und Helfen, Nettigkeit und Gefälligkeit.

Solche Verhaltensweisen lenken von einem selbst ab, der eigene Wert wird im Außen gesucht. Kontrolle ist eine der Hauptstrategien, um die toxische Scham zu verbergen. Entweder der Betroffene versucht alle Lebensumstände völlig unter Kontrolle zu bringen oder er/sie verliert jegliche Kontrolle (Suchtverhalten). Die Folgen sind Selbstentfremdung und innere Leere. Die eigenen Grenzen können nicht erkannt bzw. nicht richtig geschützt werden. Betroffene Klammern in Beziehungen, begeben sich in Abhängigkeiten oder können keine Nähe zulassen. Sie reagieren auf Kritik mit heftiger Wut und Aggressionen oder sogar Gewalt.

Körperreaktionen der Scham

  • Beschleunigung der Atmung,
  • Herzrasen,
  • Erröten,
  • Zittern (auch in der Stimme),
  • Sprachlosigkeit (Trockenheit im Mund),
  • Stottern,
  • Schweißausbrüche,
  • Emotionale Beklommenheit (innerer Druck, Innere Enge),
  • seelische Betäubung, innere Leere und auch körperliche Taubheitsgefühle,
  • Schwindel,
  • Muskelverspannung,
  • Ohnmacht, Flucht.

 

 

© Ulrike Hinrichs (Text und Bilder)

 

[1] Brené Brown (2017). Verletzlichkeit macht Stark. Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. München: Goldmann, S. 89

[2] John Bradshaw (Wenn Scham krank macht: Verstehen und überwinden von Schamgefühlen)