Heilende Wurzeln

Heilende Wurzeln

Viele Frauen sind in einem toxischen Umfeld aufgewachsen. Sie haben Vernachlässigung, Gewalt, emotionalen Missbrauch erlitten. Sie fühlen sich nicht verbunden mit ihren Wurzeln, im Gegenteil, ihre Wurzeln sind vergiftet.

Ich kenne das Gefühl mit toxischen Wurzeln zu leben. Mir hat es geholfen, mich mit mir selbst und „Mutter Erde“ zu verbinden, viel Zeit in der Natur zu verbringen. Mutter Erde liebt ihre Sprösslinge bedingungslos, lässt wachsen, nährt und unterstützt, gibt Raum, Luft zum Atmen, Schutz und Sicherheit, hält Balance, spendet Licht und Schatten, fügt sich den natürlichen Rhythmen von Werden und Vergehen, Ruhen und Tun, existiert jenseits der Zeit, lässt fließen, ist geduldig und gelassen, tröstet, ehrt alle Geschöpfe, urteilt und bewertet nicht, akzeptiert Vielfalt, schließt nicht aus, sondern ein, schafft Verbundenheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Ulrike Hinrichs 1981

Die Erde ist unsere wahre Mutter

„Die Erde ist unsere wahre Mutter. Wir sind aus ihren Elementen gemacht, sie unterstützt uns und versorgt uns auf liebevolle und wunderschöne Weise mit Fülle.“[1] Die Natur verbindet uns mit den Gesetzmäßigkeiten und Rhythmen des Universums.

Warum hat die christliche Religion Mutter Erde vergessen, stattdessen ihren Blick nur auf den Vater im Himmel gerichtet? In allen indigenen Völkern, schamanischen Weisheiten und fernöstlichen Traditionen wird das weibliche Prinzip, für das Mutter Erde steht, geehrt. Auch in der frühen christlichen Tradition wurde die Erde noch geheiligt. Hildegard von Bingen (1098-1179) appellierte auf Gott zu blicken und auf die Erde. Auch im Sonnengesang der Franziskaner wird Mutter Erde gepriesen (auszugsweise):

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Mit der Neuzeit trat mehr und mehr die Wissenschaft, das analytische Denken und Forschen, in den Vordergrund. Die Wissenschaft müsse uns zu „Herren und Besitzern der Natur“ machen, so Descartes (1596-1650).[2] Die heilige Mutter Erde wurde damit unterjocht, die weibliche Kraft unterdrückt. Die weibliche und männliche Urkraft standen nicht mehr in einer Balance.

Wir erleben gerade eine Zeitenwende (siehe auch: Neues Wissen – Altes Wissen). Die weibliche Energie erobert sich ihren Platz zurück. Im Individuellen wie Kollektiven können wir nur in der Ausgewogenheit der Kräfte gesund leben. Die weibliche Kraft erwecken wir mit unserer intuitiv-fühlenden Seite (Die weibliche Urkraft). Die Künste sind eine Ausdrucksform dieser Kraft.

Ulrike Hinrichs 2021

Bald mehr dazu in unserem neuen Buch (erscheint 2022): Ulrike Hinrichs & Andrea Wandel. Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der holistischen Kreativapotheke, Syngeria Verlag

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824 


[1]Pritam (2019) unter „Element: Erde“

[2] Perler (2006, S. 226)