Neues Wissen – Altes Wissen

„Welche Weisheit steckt hinter deiner Erkrankung?“

Neues Wissen – Altes Wissen

www.kranheit-als-bild.de

Wir befinden uns in einer Zeitenwende. Überall sind Vorzeichen einer großen Veränderung sichtbar. Das kollektive Pendel schwingt von der männlichen zur weiblichen Energie. Mit diesen polaren Kräften sind keine Geschlechterzuschreibungen gemeint, sondern Zustände, die in allem Lebendigem gleichzeitig wirken. Tun und Sein, Denken und Fühlen. Nur im Gleichgewicht der Polaritäten kann sich das Leben in seiner vollen Kraft ausdrücken.

Wir sind energetische Wesen, die als menschliche Familie durch das Bewusstsein unserer rechten Hirnhälfte miteinander verbunden sind, beschreibt es die Neurowissenschaftlerin, Jill Bolte Taylor.[1] Die weibliche Energie stützt sich naturgemäß auf das Intuitive, das Fühlende. Sie nimmt den ganzheitlichen vernetzten Raum ein, wie es beispielsweise in der schamanischen Tradition üblich ist. Die Schamanin erhebt den Blick auf das größere Ganze, schaut auf die Verbindungen und Vernetzungen. Die Makroebene ist für den schamanischen Heiler maßgebend.

Die männliche Urkraft finden wir in der klassischen westlichen Medizin, die bis in die kleinsten Details hinein untersucht und forscht. Hier geht es um Zerlegen und Zerteilen, um das mikroskopisch Kleine, um bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall. Es werden Symptome ausgemacht und behandelt. Für das Auge nicht sichtbare Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze können unter dem Mikroskop dargestellt werden. Das Blut wird mittels analytischer Geräte in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und analysiert. Und im  Elektrokardiogramm (EKG) kann die elektrische Aktivität des Herzens gemessen werden, um nur einige klassische Beispiele zu nennen.

Wie können wir diese wichtigen Qualitäten zusammenbringen? Beide Wege sind richtig und wichtig, sie müssen in Einklang gebracht werden.

In meiner Praxis nutze ich den künstlerischen Ausdruck als eine Form der intuitiven Sprache, die sich in Bildern, Metaphern, Geschichten und Symbolen ausdrückt.  Sie entspringt der Kraft des großen Weiblichen. Intuition, Hingabe, Empfangen, Sein. In der Arbeit mit der „Krankheit als Bild“ bedeutet das, dass die Klient*innen zunächst eine gründliche medizinische Untersuchung vornehmen lassen und wir anschließend einen Blick in die Symbolik der Erkrankung wagen, das große Ganze betrachten.

Die Kunst ist eine Sprache, die in die Tiefe geht

Der künstlerische Ausdruck befreit uns aus unserem Denkgefängnis und schafft neue Perspektiven. Kunst ist ein Werkzeug des wilden assoziativen Denkens. Durch die Kunst können wir fühlen, erkennen und die Zukunft erspüren. Die Kunst ist eine Sprache, die in die Tiefe geht, uns unmittelbar im Inneren berührt. Kunst ist Ausdruck, der Eindruck hinterlässt.

In der schamanischen Tradition versucht ein Schamane/ eine Schamanin vor jeder Behandlung herauszufinden, welche Weisheit sich in der Krankheit spiegelt.

„Welche Weisheit steckt hinter deiner Erkrankung, was solltest du daraus lernen?“

Wir kennen diese erweiterte Perspektive ähnlich auch aus dem Neurolinguistischen Programmieren. „Was ist die positive Absicht der Krankheit, was will sie bezwecken?“

Oder auch in der klassischen Medizin: „Was ist der Krankheitsgewinn?“

Während wir uns aus der westlichen Perspektive allerdings nur auf das Individuum, bestenfalls noch auf sein Umfeld konzentrieren, bedeutet der schamanische Meta-Blick, dass wir auch in kollektive Felder eintauchen. Diese Betrachtung geht bis weit in die Ahnenreihe zurück. Wir sind Teil der Natur und leben in ihr. Schamanen vernetzten, nähren, verbinden sich mit allem, dem ganzen Universum. Sie haben Zugang zu ihren Ahnen. Sie sind eng verbunden mit Mutter Erde, sprechen mit der Natur, den Pflanzen, den Bäumen, Geistwesen.

Wir alle verfügen über die Sensoren, die für den erweiterten Weg des Sehens notwendig sind, beschreibt es der medizinische Anthropologe Alberto Villoldo, der fünfundzwanzig Jahre lang die Hochländer der Anden und des Amazonas bereiste und die schamanischen Heilpraktiken studierte. „Sie bestehen aus dem sechsten Chakra (das mystische „dritte Auge“ in der Mitte der Stirn) und dem vierten Chakra, dem Herzen. Indem wir das dritte Auge und das Herz-Chakra mit dem visuellen Kortex verbinden, können wir mit den Augen des Geistes und des Herzens sehen. Die Aufgabe besteht darin, ein „Kabel“ von diesen Chakras zur Leinwand im Gehirn zu legen.“[2]

Wir „sehen“ auf dieser intuitiven-ahnenden Ebene alle unterschiedlich. Vom Grundprinzip ist unser gesamter Körper wie eine Art „Lesegerät“ für die intuitive Wahrnehmung zu betrachten. Mit unseren Sinnen, unserem Körper, erfahren wir die Welt. Wir können vier Merkmale der intuitiven Wahrnehmung hervorheben: das wache Auge, die innere Stimme, das Bauchgefühl und das innere Wissen. Es gibt Menschen, die sehen tatsächlich konkrete Bilder, andere hören besonders deutlich ihre innere Stimme. Andere wissen es plötzlich einfach. Und ich beispielsweise fühle eher auf der intuitiven Ebene. Es ist eine fühlende Ahnung, die sich als Bauchgefühl ausdrückt. Über den künstlerischen Ausdruck können wir die Intuition sichtbar machen, manifestieren.

Ausführlich haben wir (meine Co-Autorin Andrea Wandel und ich) uns mit diesem Thema in unserem neuen Buch „Die Weisheit der weiblichen Wunde“ beschäftigt.[3] Das Buch erscheint in Kürze im Synergia Verlag.  Wissenschaftlich habe ich das Thema zudem ausführlich in meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ vertieft.[4]

Die größte Herausforderung bleibt, diese metaphorische Sprache zu verstehen. Sie funktioniert oft wie in Träumen, zeigt sich beispielsweise in Symbolen, plötzlichen Erinnerungen, mythischen Figuren. Das assoziative wilde Denken, über das wir Zugang zu unserer Intuition haben,  können wir bei der Bildbetrachtung nutzen.  

Was kommt dir in den Sinn, wenn du auf das Werk schaust, wo zieht es dich hin? Gibt es Erinnerungen, Geistesblitze, Worte, Sätze, ein Lied, eine Musik, ein Gefühl u.v.m.

Ich möchte das an einem eigenen Symptom verdeutlichen. Weitere Praxisbeispiele finden Sie unter www.krankheit-als-bild.de

Seit längerem leide ich unter Bluthochdruck, der von einem beängstigenden Herztrommeln begleitet wird. Vor allem in der Nacht raubt das laute Trommeln und Klopfen mir den Schlaf. Bluthochdruck ist einer der „holy seven“ der psychosomatischen Erkrankungen. Es überraschte mich daher nicht, dass für die Symptome keine körperliche Ursache gefunden werden konnte. Die mir verordneten Tabletten zur Senkung des Blutdrucks wirken nicht.

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, ich gehöre nun also dazu. Ich praktiziere nun Atemübungen, die den Parasympathikus aktivieren. Aber auch das hilft nicht immer. Nachdem mich das Herztrommel wieder einmal eine ganze Nacht nicht schlafen lies, beschloss ich mit der Kunst als Sprache der Sache auf den Grund zu gehen.

Es entstand das Herz-Bild, das eingans abgebildet ist. Ich war erstaunt darüber, ein so prall-leuchtend rotes Herz zu erblicken, das mir viel Lebensenergie und Power signalisiert. Allerdings kommt mir durch die Fäden und Farbspuren auch so etwas wie „Verstrickungen“ und „Verheddern“ in den Sinn. Der schwarze Fleck am oberen Bildrand erinnert mich an eine Spinne, die mit ihren langen Beinen nach dem Herz zu greifen scheint.

Die Spinne deutet in der Psychoanalyse auf eine gestörte Mutter-Tochter-Beziehung hin. In der schamanischen Krafttierdeutung hilft die Spinne „jene Kräfte ausfindig zu machen, welche deine Lebensenergie lähmen und dich in Abhängigkeit und Täuschung fesseln. Die Spinne geht mit dir in dunkle Ecken und Winkel, damit du Ordnung schaffen kannst“, so Ruland.[5] Die Spinne ruft uns auf, das Netz der Verstrickungen zu lösen und die feinen Zusammenhänge in allem zu erkennen. Sie weiht in die höhere Ordnung der Welt ein, indem sie uns mit Alter, Gefahr, Vergänglichkeit und Tod konfrontiert.

All dies sind Themen, die mich tief berühren. Das Thema Tod und Vergänglichkeit schafft sich aufgrund meines fortschreitenden Alters immer mehr Raum. Ich habe tatsächlich große Angst vor dem Tod. Diese Angst bringt mich zurück zu meiner schweren Krankheit als Teenager, an der ich fast gestorben wäre. Ich war über Monate in einem Lock-In Zustand (Guillain Barré Syndrom, siehe Wenn der Körper sich abschaltet )

Der schädliche Einfluss meiner schwierigen Vergangenheit, vor allem in der Kindheit und Jugend, ist zwar schon seit langem in einer kontinuierlichen Verarbeitung, kommt aber immer wieder zum Vorschein. Vielleicht bleiben diese Wunden, die viele von uns kennen, eine Lebensaufgabe.  Für mich hat die Spinne eine belastende Bedeutung. Sie erinnert mich an den narzisstischen Missbrauch, den ich als Kind erfahren habe. Kontrolle, Liebesentzug, Abwertung, Vernachlässigung sind einige Stichworte dazu. Big mother ist wathing you.

Die Spinne ruft uns aber auch auf, wie Ruland schreibt, das Netz der Illusion zu zerreißen und die Wirklichkeit dahinter zu schauen. „Sie fordert auf, Geschichten zu weben und zu erzählen, damit die kreative Vorstellungsgabe, die Schöpferkraft des Menschen niemals versiegt“.[6]

Ich liebe an der ganzheitlichen Betrachtung, dass sich neben problematischen Themen immer auch Optionen und neue Perspektiven eröffnen.


[1] In einem Vortrag „My stroke of inside“ https://www.ted.com/talks/jill_bolte_taylor_my_stroke_of_insight (18.09.2021)

[2] Alberto Villoldo (2001, S. 151) Das geheime Wissen der Schamanen. Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können.

[3] Ulrike Hinrichs und Andrea Wandel (2022). Die Weisheit der weiblichen Wunde – Unterstützung aus der holistischen Kreativapotheke.

[4] Ulrike Hinrichs (2019). Kunst als Sprache der Intuition. Synergia Verlag

[5] Ruland, Jeanne (2006, S 325). Krafttiere begleiten dein Leben. Hannover: Schirner Verlag

[6] Ruland, Jeanne (2006, S 325). Krafttiere begleiten dein Leben. Hannover: Schirner Verlag