Darmprobleme – Krankheit als Metapher

Die Klientin berichtete über anhaltende Darmprobleme (Schmerzen im Unterbauch) mit quälenden Verstopfungen. Der Darm ist ein unbekanntes Labyrinth in unserem Inneren. Oft ignorieren wir diesen dunklen Bereich, verbinden wir ihn doch mit unangenehm riechenden Exkrementen. Der Darm verwertet Aufgenommenes und scheidet Überflüssiges wieder aus. Er hat sein eigenes Nervensystem, das direkt mit dem zentralen Nervensystem verbunden ist. Der Darm wird daher auch als zweites Gehirn bezeichnet. Er ist wie ein Abbild unseres Gehirns, Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind identisch.

Auf einer symbolischen Ebene steht der Darm für die Verdauung schwerer dunkler Themen, die oft bis in die frühe Kindheit zurückgehen. Der Darm spiegelt die Schattenwelt in uns. Alte Verletzungen steigen aus dem Unbewussten auf. Sie sind schwer zu verdauen.

Bei Verstopfung, typisches somatisches Symptom auch bei einer Depression,  geht es oft auch um das Thema „Loslassen“. Die Angst lähmt uns. Der Durchfluss des Lebens durch die Schattenwelt wird verhindert, beschreibt es Mediziner Ruediger Dahlke in seinem Buch „Krankheit als Symbol“.

Auch bei diesem Beispielsfall haben wir mit einem Tier gearbeitet.

Das tötliche Gift verwandeln in heilige Medizin

Wenn dein Symptom ein Tier wäre, welches wäre es?

Der Klientin erschien sehr spontan eine Schlange, die sie anschließend künstlerisch umsetzte. Die Tier-Assoziationen sind immer individuell. Jeder hat seine eigenen transformativen Symbole. Es gibt kein symptomspezifisches Tier. Jeder Mensch assoziiert zu seiner Symptomatik ein eigenes Tier. Eine andere Klientin etwa hatte für ihren erhöhten Blutdruck ebenfalls die Schlange als Symbol gewählt.

Interessant ist es, neben den ganz individuellen Assoziationen zum Tierbild auch die kollektive Deutung von Symbolen zu erforschen. Tiere sind archetypische Bilder. Schon die Lebensweise, das Beziehungsverhalten und die Stärken und Schwächen der Tiere können oft Hinweise zur Problemlösung geben. Ebenso die Bedeutung der Krafttiere, die aus der schamanischen Tradition stammen, können uns aufschlussreiche Wegweiser sein.

Die Schlange symbolisiert archetypisch die weibliche Urkraft, die gebären aber auch zerstören kann, heilen und töten. Sie verkörpert weibliches intuitives Wissen. Mit der Zauberkraft ihres Blutes ist sie Herrscherin über Leben und Tod.

Eine typische Besonderheit der Schlange ist ihre Fähigkeit sich zu häuten. Die Häutung ist ein Zeichen für Wachstum. Schlangen wachsen zeitlebens. Da die Haut nicht mit wächst, streifen die Tiere diese ab, wenn die Hülle zu klein geworden ist. Sie kriechen förmlich aus ihrem Kleid heraus. Die Häutung steht auch für Wiedergeburt und Unsterblichkeit. In der Zeit der Häutung sind für die Reptilien Rückzugsmöglichkeiten sehr wichtig.

Die Schlange „fordert dich auf, nicht mehr von der Macht, die in dir ist, zu fliehen, sondern sie anzunehmen und zu leben“, beschreibt es Jeanne Ruland im Buch Krafttiere.[1] „Lass dich von ihr durch Schatten und Licht führen“.

Rückzug, (Selbst)Heilung, Weiblichkeit waren für die Klientin bedeutsame Impulse.  Die Klientin dachte bei ihre Schlange an eine schwarze Mamba, die wegen ihrer blau-schwarzen Mundhöhle so genannt wird. Ihr Gift tötet in Sekunden und dient gleichzeitig als natürliches Heilmittel. Töten und Heilen. Mit diesen gegensätzlichen Kräften könne sie viel anfangen. Sie sei dem Tod nach einem Unfall in jungen Jahren schon einmal begegnet und habe lange in Lebensgefahr geschwebt. Ein altes verdrängtes Thema, das sie gerade sehr beschäftige und für sie vielleicht schwerer „zu verdauen“ sei, als sie dachte. Auf die Dosierung kommt es an, meinte sie. Manchmal tauche sie wohl zu sehr in ihre dunklen Schattenwelten ab.


[1] Ruland (2006)

Weitere Beispiele:

Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824