„Der Mann im Mond“ ist eigentlich eine Frau

Frau im Mond – Ulrike Hinrichs

„Jeden Abend knipst der Mann im Mond sein Licht an, damit man auf der Erde auch was sieht“, beginnt ein Songtext von den Prinzen. Es gibt viele Mythen, Märchen und  Geschichte vom „Mann im Mond“. Aber wieso soll es eigentlich ein Mann sein, dessen Gesichtszüge sich auf der leuchtenden Mondoberfläche abzeichnen?

In vielen alten Mythologien steht der Mond für eine Göttin, wie etwa die babylonische Mondgöttin Ischtar oder die ägyptische Göttin Isis. Im Tarot symbolisiert der Mond das Unbewusste, die Schattenseite, die unbekannte Tiefe in uns. Auch hier ist der Bezug zur weiblichen Urkraft herzustellen. Wir alle leben zwischen den Polen der weiblichen und männlichen Urkraft. Diese polaren Kräfte werden in allen Kulturen beschrieben und existieren  jenseits aller Bewertungen von Anbeginn der Zeit, beispielsweise in Nacht und Tag, Mond und Sonne, Dunkel und Licht, Erde und Himmel. Männliche und weibliche Qualitäten sind keine stereotypischen Eigenschaften, sondern Seinszustände.

Ich glaube an die Kraft von Symbolen. Symbole sind Metaphern, kleine Kunstwerke, die Bilder im Kopf schaffen. Symbole schließen ein, nicht aus. Symbole haben stets eine individuelle und eine kollektive Bedeutung. Symbole stellen einen Bezug zur Intuition her.

Und der Mond steht in der Symbolik für die weibliche Urkraft, die Sonne für die männliche Energie. Die Sonne, das männliche Prinzip, lässt den Mond erstrahlen. Wie Yin und Yang gehören Sonne und Mond zusammen. Sie können sich nur im Zusammenspiel voll entfalten. Das männlich dominierte Weltbild bzw. die Werte unserer Zeit sind im Wandel. Sinnsuche, Respekt vor der Natur und ihren Geschöpfen sowie eine nährende Gemeinschaft treten mehr und mehr in den Vordergrund. Das bewusste Zurückkehren zur weiblichen Energie wird durch eine Veränderung des Fokus erreicht, indem wir die Aufmerksamkeit nach Innen richten. „Empfangen, Weiten, Austragen und Hergeben – dies ist das Mysterium des Großen Weiblichen, das Grundmuster der weiblichen Schöpfungskraft“, beschreibt es Croissier. Auch Nähren und Schützen sind Stärken der weiblichen Urkraft. In ihrer übertriebenen Ausprägung gehören zum Weiblichen das Kontrollieren, Einengen, Festhalten, Abhängigmachen, Verschlingen, Fressen oder sogar Töten.

Also, denken Sie dran, wenn Sie das nächste Mal in der Nacht in den Himmel schauen, es ist die Mondfrau, die in der Nacht über dich wacht. Und vielleicht ist es eine Botschaft, sich der weiblichen Energie noch mehr bewusst zu werden.

 

Literatur

Getrude R Crossier. (2006, S. 28), Psychotherapie im Raum der Göttin. Weibliches Bewusstsein und Heilung. Fabricalibri

Mehr zum Thema männliche und weibliche Urkraft in meinem Buch

Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824