Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

 

 

Die Intuition ist wie eine Katze. Sie kommt nicht auf Befehl.
Sondern nur dann, wenn sie sich sicher fühlt.

Jan Becker[1]

 

Die Intuition: das Wissen aus dem NICHTS

Die auf inneren Bildern, Gefühlen und Empfindungen basierende Intuition konkret zu definieren, ist wegen ihrer Subjektivität bereits ein schwieriges Unterfangen. Sie kann als ein unmittelbares, nicht diskursives, nicht auf Reflexion beruhendes oft ahnendes bzw. plötzliches Erfassen beschrieben werden.[2] Die Quelle der Intuition liegt jenseits des rationalen Denkens.[3] „Intuition als Ahnung ist nicht ein Produkt eines willkürlichen Aktes, sondern ein unwillkürliches Geschehen, das von inneren und äußeren Umständen abhängt. Intuition ist eher wie eine Sinneswahrnehmung (…)“, beschreibt es C.G. Jung anschaulich.[4] Die Intuition dient aus holografischer Perspektive als Schwingungskanal für die Wahrnehmung von Feldinformationen. Die Informationen zeigen sich in Gefühlen, inneren Bildern, inneren Stimmen und plötzlichen Eingebungen und Inspirationen. Die Intuition wird durch die Fokussierung auf den Moment, durch ein Gewahrsein, eine Achtsamkeit für das Jetzt, begünstigt. Sie „entspringt aus dem riesigen Ozean des Nichtwissens. Sie bringt das Unerwartete und Nonverbale zum Vorschein. Sie lebt außerhalb der mentalen Grenzen und verleiht Gefühlen und dem Geist eine Stimme“, so Cassou.[5]

„Aus dem Nichts heraus zu sprechen und zu handeln führt zu einer anderen Wahrnehmung der Welt und zu einem anderen kreieren der Welt. Das große Nichts ist prozesshaft, unberechenbar, frei und fühlt im Hier und Jetzt, im echten wahrhaftigen Sein“, beschreibt es Hueber.[6] Der Mensch, der künstlerisch tätig wird, „befindet sich im Fluss des schöpferisch-seelischen Prozesses, er ist ganz bei sich, kann über das Gestalten seinem Seelenzustand Ausdruck verleihen, sich darüber aus seiner Isolation holen, seine Identität finden und formen. Ein direkter Bezug zu sich selbst in der Gegenwart entsteht. In diesem Zustand geistiger seelischer Verdichtung kann der eigene Sinn wieder gefunden werden.“[7] Diese Verdichtung, das Gewahrsein im Moment fördert intuitive Prozesse. Die Kunst basiert auf einer sinnlichen Wahrnehmung, statt auf rational analytischen Denkprozessen. „Echtes sinnliches Erleben ist auch bewusstes intuitives Erleben.“[8] 

Jenseits der Einordnung von Kunst in Denkschablonen wie „spiritueller Akt“ oder „Muse“ kann festgehalten werden, dass sowohl das Betrachten von Kunst als auch das schöpferische Tun die Intuition befördern. Das Kunstwerk spricht unbewusste intuitive Themen an. Es „spricht“ mit dem  Betrachter in einer metaphorischen Bildsprache, die sich jenseits der Ratio bewegt. Der Betrachter geht in Resonanz mit dem Werk. Oft sind die durch Kunstbetrachtung hervorgebrachten Gefühle und Eingebungen rational nicht nachvollziehbar. Oder sie bringen erst in der Reflexion auch einen rational nachvollziehbaren Aspekt zu Tage. Die intuitiven Empfindungen schaffen oft einen Sprung auf eine Metaebene der Betrachtung, die auf einen größeren Zusammenhang anspielt.

Ulrike Hinrichs (2017)

Zum Thema auch meine Beiträge:

 

Literatur

[1] Jan Becker, (2016). Das Geheimnis der Intuition. Man spürt, was man nicht wissen kann.  S. 23

[2] Duden Online, Begriff.

[3] Cameron, Julia (2009). Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Verlagsgruppe Droemer Knaur.

[4] Franz, Marie-Luise von; Henderson, Joseph L.; Jacobi, Jolande; Jaffé, Aniela (2012, S. 61). C.G. Jung. Der Mensch und seine Symbole. Ostfildern: Patmos.

[5] Cassou, Michele (2015, S. 156)  Point Zero – entfesselte Kreativität. Bielefeld: Aurum Kamhausen Mediengruppe GmbH.

[6] Hueber Simone Leona (2017, S. 64). Das Große Nichts. Tattva Viveka, Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur. Ausgabe  72, 2017, S. 64 ff.

[7] Leutkart, Christine; Wieland, Elke;Wirtensohn-Baader,Irmgard(2003, S. 14). Kunsttherapie – aus der Praxis für die Praxis: Materialien – Methoden – Übungsverläufe. Dortmund: vml Verlag.

[8] Wallner, Sabrina (2016, S. 100). Hypersensitiv. Das unbegrenzte Potenzial des menschlichen Geistes. Nördlingen: C.H. Beck.