Kritzelbilder

 

Krizelbilder

Ein Motor der Intuition sind künstlerische Prozesse, die als eine Form der instantanen Wahrnehmung bzw. universellen präkognitiven Sprache zu verstehen sind.

„Während traditionelle Problemlösungsmethoden unter Einsatz der rechten und linken Gehirnhälfte von der Komplexität gelähmt werden, blüht die spontane Erkenntnis im Chaos auf – wie ein hypereffizienter Editor, der in der Lage ist, in Sekundenschnelle lösungsrelevante Fakten von unwichtigen zu trennen.“[1] Mittlerweile gibt es eine wissenschaftliche Betrachtung von zwei Grundformen des Denkens, das schnelle und das langsame. Das schnelle entspricht der intuitiven instantanen Wahrnehmung, das langsame eher der logisch sequenziellen Wahrnehmung.

Auch Krizelbilder sind eine gute Möglichkeit intuitive Prozesse zu fördern und vom „Zufall“ zum Thema zu gelangen. Die kreative Ausdruck im Kritzelwerk ist eine Form der Kommunikation der Intuition bzw. ein Feedback resonierender Felder.

siehe zum Thema z.B.  auch  Resonanz

Ein Krittelbild kann mit einem bestimmten Anliegen oder auch frei gestartet werden. Ein Kritzelbild entsteht indem mit geschlossenen Augen auf einem Blatt Papier mit einem Stift gekritzelt wird. Dabei sollte der Hand freier Lauf gelassen werden.  Sie führt den Prozess, der erst beendet ist, wenn der Impuls entsteht, dass das Kritzelbild fertig ist. Um die Kontrolle der Ratio noch mehr zu begrenzen, kann man auch die Seiten der Hände wechseln, so dass ein Rechtshänder mit links malt oder ein Linkshänder mit rechts.

Anschließend wird das Kritzelwerk betrachtet und nach Resonanzen geschaut, wo in dem Wirrwarr erkenne ich etwas, ein Muster, ein Bild? Das Werk wird dann entsprechend weiter gemalt und reflektiert.

Erst danach erfolgt eine Rückbindung zu einem Anliegen. Dabei geht es um individuelle Resonanzen und Assoziationen der Klientin zum entstandenen Werk, nicht um interpretative Zuschreibungen des Therapeuten/Coach.

In der Abbildung sehen wir ein vollendetes Kritzelbild. Die Klientin war mit einen inneren Konflikt bezüglich eines gemeinsamen Projektes mit einer Kollegin zu einem kunstanalogen Coaching erschienen. Die Klientin wollte die Kollegin nicht enttäuschen oder gar verletzten. Sollte sie die Zusammenarbeit dennoch beenden und das Projekt allein weiterführen oder an der Kooperation festhalten? Die Klientin konnte von der Gemeinschaftsarbeit enorm profitieren, gleichzeitig wehrte sich ihr „Inneres“, so ihre Worte, gegen die Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Die Klientin fertigte ein Kritzelbild und gestaltete es hinterher. Sie entdeckte bei der Betrachtung ihres Werkes einen Adler, der über die Erde fliegt. Ein spontaner poetischer Titel fiel ihr ein: „Der Adler und die Welt, die aus den Fugen fällt.“ Zudem fielen ihr die vielen bunten sich überlappenden Formen und Kreise auf. Sie beschrieb das Bild wie einen Blick aus der Vogelperspektive weit über der Erde, wo sie im bunten „Klein Klein“ das größere Ganze übersah. Der Adler ließ all das unter sich, beachtete die Details nicht. Auf Rückfrage, wofür der Adler für sie stehe, welche Bedeutung er habe, assoziierte die Klientin noch die Begriffe: Klarheit, Freiheit bzw. Freiraum, Mut und neue Wege gehen, Potentiale entfalten. Für die Klientin war nach diesem Kritzelbild ihre Entscheidung, die innerlich bereits gefallen war und sich in einem „unguten Bauchgefühl“ geäußert hatte,  klarer geworden: sie sollte eigene Wege gehen, den Mut dazu haben, auf sich und ihre Potentiale vertrauen.

 

 

ie hatte die überwiegende Arbeit ind das Projekt gesetzt, so dass sich auch klar ihre Handschrift zeigen musste.

 

 

 

 

[1] Costa (2012, S. 242).

 

 

[1] Costa, Rebecca (2012, S. 242). Kollaps oder Evolution? Wie wir den Untergang unserer Welt verhindern können. Weinheim: Wiley-VCH.