„blind“ gemalte Portraits

Blind-Portraits

So geht es: Ein Blind-Portrait von unserem Gegenüber fertigt man wie folgt: Die zu portraitierende Person wird zunächst angeschaut, anschließend schließt man die Augen und skizziert den anderen blind. Der/die Abgebildete kann dann an seinem Portrait weitermalen.

Risiken und Nebenwirkungen: Blind-Portraits bringen nicht selten Bauchschmerzen vom vielen Lachen!

Diese Form des Portraitierens führt gerade in Gruppen regelmäßig zu befreiendem Gelächter. Was hat das mit Kunsttherapie zu tun, könnte man sich fragen? Lebensfreude und Spaß sind  – wie auch der Mediziner Dahlke[1]  konstatiert – vielleicht die am meisten unterschätzen Themen im Bereich moderner Therapieformen. Der renommierte Hirnforscher Gerald Hüther hat sogar in seinem Buch „Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als funktioineren ist“ ein Plädoyer für das Spielen verfasst.[2] Das spielerische und bewertungsfreie künstlerische Schaffen setzt Freude und Lebensenergie frei. Es ist eine wichtige Quelle für Entspannung und Öffnung der Intuition. Das Blindportraitieren schafft vor allem in Gruppen eine spielerische Form der Begegnung. Gerade beim Malen und Zeichnen verfangen immer wieder alte Bewertungs- und Leistungsmuster („ich kann nicht malen“), die mit dieser Zeichenübung problemlos überwunden werden. Denn „blind“ kann niemand wirklich „gut“ zeichnen. Gleichzeitig ergeben sich abstruse und lustige Ergebnisse, die den Einzelnen im kreativen Prozess bestärken. Das Portrait kann schlussendlich auch als Einstieg für ein kunsttherapeutisches Gespräch dienen.

 

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[1] Dahlke Ruediger (2010).  Arbeitsbuch zur Mandala-Therapie. Darmstadt: Schirmer Verlag.

[2] Hüther, Gerald; Quarch, Christoph (2016). Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als funktionieren ist. München: Carl Hanser Verlag.